22. Fachtagung Abbruch

Internationaler Branchentreff erreicht Bestmarke

Von Ebba Stoffregen

Berlin. – Zu Europas größter Fachtagung rund um den Abbruch reisten Anfang März mehr als 780 Konferenzteilnehmer nach Berlin. Bei den Ausstellern erzielte der Deutsche Abbruchverband e. V. (DA), seit 2011 Veran-stalter der Fachtagung Abbruch, mit exakt 100 teilnehmenden Firmen und Institutionen eine neue Bestmarke. Andreas Pocha, DA-Geschäftsführer, zeigte sich mehr als zufrieden mit der nunmehr 22. Fachtagung: "Wir sind besonders stolz darauf, dass wir in einem bauma-Jahr nochmals die Teilnehmerzahl steigern konnten und auch die Hundertermarke bei den ausstellenden Unternehmen geknackt haben. Die Veranstaltung hat sich etabliert und ist im 22. Jahr längst zu Europas wichtigsten Branchentreff geworden", sagte Pocha gegenüber der ABZ. Der Erfolg sei u. a. darin begründet, dass keine jährlichen Schwerpunkte gesetzt würden, sondern ein Themenmix aus bspw. Technik, Recht und Arbeitsschutz. "Die Mischung hat sich bewährt, sodass jeder Konferenzteilnehmer die für sich interessanten Vorträge findet", so der DA-Geschäftsführer.

Das Programm ist straff organisiert: Rund um den Abbruch werden an nur einem Tag im 20-Minutentakt knapp 20 Vorträge gehalten. Die gut 600 DA-Mitglieder kommen sowohl aus den Bereichen des maschinellen, händischen und sprengtechnischen Bauwerks- und Industrieabbruchs als auch aus dem mineralischen Bauschutt-Recycling. Gleichwohl ist die Tagung offen für jeden, der sich für das Thema Abbruch interessiert. "Vor zwei Jahren hat sich der DA zudem der Schadstoffsanierung geöffnet. Abbruchunternehmen sind mittlerweile auch auf diesem Gebiet, als Verlängerung der Wertschöpfungskette, tätig", sagte Pocha am Rande der Veranstaltung.

Nachdem Kurt Bicker, Oberbauleiter Brückenabbruch bei der Fa. Max Wild, am Beispiel des Donauviaduktes über den maschinellen Rückbau von Stahlbetonbrücken referierte, ging es dann auch gleich in die Schadstoffsanierung. Abbruch oder Sanierung bei belasteten Baumaterialien durch Polychlorierte Biphenyle (PCB) war Vortragsthema von Dr. Stefan Henning vom gleichnamigen Ingenieurbüro. Dr. Henning machte u. a. deutlich, dass bei direkten Kontakt zur Primärquelle wie z. B. bei Fugendichtmassen auch mineralische Baustoffe in Schichttiefen bis zu 25 mm sehr hohe PCB-Sekundärbelastungen aufweisen können. Ein Problem bei Abbrucharbeiten, da grundsätzlich schadstoffhaltige Materialien vor dem Rückbau ausgebaut und die vorhandenen Baustoffe mit möglichst hoher Sortenreinheit getrennt werden müssen. Da von PCB-belasteten Baustoffen Gesundheitsrisiken ausgehen können, erläuterte Dr. Henning nicht nur bauordnungsrechtliche (PCB-Richtlinie) und abfallrechtliche Aspekte, sondern ging auch auf das Thema Maximale Arbeitsplatz-Konzentration (MAK-Wert) ein. Dazu passend folgte ein Beitrag zum Thema Arbeitsschutz von Günther Eisenbrandt, Aufsichtsperson und Themenfeldbearbeiter Abbrucharbeiten bei der BG Bau. Eisenbrandt stellte u. a. neue "Bausteine" vor, eine Schriftenreihe die Sicherheitshinweise und wichtige Informationen in komprimierter Form vermitteln.

Viele andere Fachthemen waren zudem mit Praxisfällen aus dem Alltag unterlegt: Jörg Blechschmidt, Niederlassungsleiter Düsseldorf der SakostaCAU GmbH, berichtete vom Rückbau von drei Wohnhäusern inklusive Schadstoffsanierung in Hamm-Herringen und Florian Wiefel, Sohn des Geschäftsführers der Sachsen-Säge GmbH, stellte am Beispiel eines Rückbaus einer Behelfsbrücke über die Elbe die Einsatzmöglichkeiten von Diamanttrenntechniken vor. Das Recycling von Rotorblättern ausgedienter Windkraftanlagen war Thema des Beitrags von Arne Brosch, Geschäftsführer der Remondis Olpe GmbH. Dr. Klaus Mesters, Geschäftsführer der KM GmbH für Straßenbau- und Umwelttechnik, nahm sich ebenfalls dem Thema Recycling an und gab eine Einschätzung zur Entwicklung des Absatzweges von RC-Material ab. Bei seiner Präsentation bezog er sich auf ein Monitoring aus dem Jahr 2012 der Arbeitsgemeinschaft Kreislaufwirtschaftsträger Bau (ARGE KWTB), die im Zweijahresturnus Daten zum Aufkommen und zum Verbleib mineralischer Bauabfälle dokumentiert. Demnach wurden 2012 insgesamt 66,2 Mio. t Recycling-Baustoffe von insgesamt 551,7 Mio. t produzierten Gesteinskörnungen hergestellt. Damit deckten die Recycling-Baustoffe einen Anteil von 12 % des Bedarfs an Gesteinskörnungen. Hier sei also "noch Luft nach oben", so Dr. Mesters. Gleichsam ging er auf die Anforderungen in den einzelnen Bundesländern hinsichtlich der Umweltverträglichkeit ein, die teilweise sehr unterschiedlich seien.

Ein 3. Arbeitsentwurf vom Juli 2015 zur geplanten Mantelverordnung, die eine bundeseinheitliche Regelung zur Verwendung von RC-Baustoffen vorsieht, wird derzeit heiß diskutiert. Auch Prof. Dr. Uwe Görisch, Geschäftsführer vom gleichnamigen Ingenieurbüro für Abfallwirtschaft, ging in seinem Beitrag unter der Überschrift "Desaster Mantelverordnung" auf das Thema ein. Als Einstieg nannte er Kritikpunkte am jetzigen Entwurf wie u. a. unangemessen strenge Grenzwerte, eine einseitige Orientierung am Boden- und Grundwasserschutz sowie Praxisferne. Prof. Görisch schätzte die Auswirkungen der Verordnung ein und gab zu verstehen, dass bei einem Blick über das Ganze das Baustoffrecycling derzeit unter keinem guten Stern mehr stehe. Laut Görisch müsse man z. B. bei der Recyclingquote um eine deutliche Absenkung um mehr als 50 % und gleichzeitig mit einer Zunahme der Deponierung um mehr als 50 % rechnen. Die Entsorgungskosten würden u. a. steigen und den Verkehr durch Transporte zu weit entfernten Deponien belasten, so seine Einschätzung. Es käme zum Rückschritt nach jahrelangen Fortschritten im Baustoffrecycling.

Nach einer Pause, in der es ausreichend Gelegenheit gab, die begleitende Fachausstellung zu besuchen, ging es am Nachmittag explosiv weiter. Martin Hopfe, Geschäftsführer der Thüringer Sprenggesellschaft mbH, Mitglied im DA-Vorstand und Vorsitzender des DA-Fachausschusses Sprengtechnik, präsentierte u. a. den Abbruch des Bunkerschwerbaus mit Maschinenhaus im Kraftwerk III in Hagenwerder durch Sprengung. Michael Heide, Geschäftsführer des europäischen Dachverbandes European Quality Association for Recycling (EQAR), stellte wiederum das europaweit erste und bislang einzige Qualitätssicherungssystem für Recycling-Baustoffe vor.

Neben vielen weiteren Vorträgen klang der erste Tag in Berlins "Alter Pumpe" mit einem Dialogabend aus. "Das Netzwerken findet in hohem Maße statt und ist neben der thematischen Vielfalt ein wichtiges Kriterium für die Teilnahme an der Abbruchtagung – sowohl für Aussteller als auch für Konferenzteilnehmer. Die kommende bauma sorgte, als ultimatives Messeereignis, zusätzlich für Gesprächsstoff", sagte Pocha. Auch der Deutsche Abbruchverband ist im Freigelände Nord (Stand 1020/8) auf der Weltleitmesse in München vertreten. "Wir präsentieren die Aufgaben, die der Verband als Interessenvertretung der gesamten Abbruchbranche übernimmt. Dazu gehört insbesondere die Aus- und Weiterbildung, die wir auf der bauma in den Mittelpunkt stellen", so Pocha. Der Branche gehe es dank voller Auftragsbücher gut, aber ein Nachwuchsproblem hätte auch sie. Die Abbruchbranche sei ein hochtechnisierter Industriezweig, der vielfältige und interessante Möglichkeiten biete. Dazu gehöre z. B. der Lehrberuf "Bauwerksmechaniker für Abbruch- und Betontrenntechnik", bei dem ein duales Studium möglich sei. "Die Branche bietet krisensichere Jobs. Abgebrochen wird immer," so Pocha. Wer es nicht schaffe den DA auf der bauma zu besuchen, könne sich über die Vielfalt dann auf der 23. Fachtagung Abbruch am 10. und 11. März 2017 in Berlin informieren.

http://jobs-in-gruen-und-bau.de/index.php?id=123&tx_patzerboerse_paboeplugin[unterthemen]=168++357&no_cache=1

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 11/2016.

Für alle, die nicht warten wollen:

Das ePaper der Allgemeinen Bauzeitung

Als Abonnent lesen Sie die Allgemeine Bauzeitung im klassischen Printformat und auf Ihrem Smartphone, Tablet oder Desktop.

Weitere Informationen

ABZ ePaper

Weitere Artikel