Ausnahmetransport

Windkraftanlagen-Flügel auf Vulkan gehievt

Bei langsamer Fahrt schlängelt sich der Transport die Bergstraße hinauf.

Viento Blanco/Guatemala (ABZ). – Der Weg hinauf zu den windigen Höhen der Viento Blanco Wind Farm verläuft über eine Strecke von 10 km, die teilweise an einem aktiven Vulkan vorbeiführt. Dabei handelt es sich um eine serpentinenreiche Bergstraße, die von Felsvorsprüngen und Bäumen gesäumt ist und Steigungen von bis zu 18 sowie Gefällen von bis zu 13 % aufweist.

Dort galt es, sieben Windkraftanlagen vom Typ Vestas V 112 zu errichten. Für die zu transportierenden Rotorblätter vom 80 km entfernten guatemaltekischen Hafen Puerto Quetzal zum Projekt Viento Blanco setzte das Transportunternehmen Daco Heavy Lift de Centoamerica eine FTV 300-Flügeltransport-Vorrichtung von Goldhofer ein. Der Grund dafür: Die Transportvorrichtung erfüllte sämtliche Vorgaben, um die Transporte durchzuführen, ohne dass Sprengungen an Felswänden entlang der Bergstraße, Kappungen von oberirdischen Stromleitungen oder Beschneidungen des Baumbestands zu beiden Seiten der Straße durchgeführt werden mussten. Die FTV 300 ermöglichte es den Transportprofis, die Rotorblätter stufenlos um bis zu 60° aufzurichten. So konnten enge Kurven im Schritttempo gemeistert werden, ohne in Kontakt mit der Randstruktur der Serpentinen zu geraten.

Eine weitere Herausforderung bestand darin, die dynamisch einwirkenden Windkräfte auf die bis zu 50 m in die Höhe ragenden Rotorblätter abzufangen. Hierzu musste ein Thermikexperte von Dacotrans die integrierten Windmesser der FTV 300 permanent überwachen. Um die Rotorblätter stets in Windrichtung justieren zu können, verfügt die FTV 300 über ein 360°-Rotorsystem, welches das arretierte Rotorblatt in jedem beliebigen Winkel um die eigene Achse drehbar macht. Die Kombination aus flexiblem Neigungswinkel und Achsenrotation ermöglichte es, sämtliche kritische Passagen der Bergstraße zu passieren und Stromleitungen durch ein Absenken des Neigungswinkels sicher zu unterfahren. So wurden alle 21 Rotorblätter in je dreistündiger Fahrt auf den Berg gebracht. Vergleichsweise unkritisch waren dabei die ersten 70 km der Strecke, die vollständig über die Autobahn führten. Um die letzten 10 km ohne Zwischenfälle zu meistern, musste Daco Heavy Lift über 16 000 Arbeitsstunden aufwenden, der gesamte Zeitraum für die Transporte erstreckte sich dabei über 40 Tage.

Die minutiöse Vorarbeit, die detailgenaue Kenntnis der Strecke, umfassende Sicherheitsvorkehrungen und nicht zuletzt die Zusammenarbeit mit dem Goldhofer Serviceteam haben nach Angaben aller Beteiligten dazu geführt, dass dieser Ausnahmetransport ohne Zwischenfälle durchgeführt werden konnte.

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