Bauaussichten 2016

Gemeinsam Herausforderungen meistern

Von Roland MEISSNER, Geschäftsführer Bundesverband Kalksandsteinindustrie, Hannover

Der Wohnungsmarkt steht nicht erst seit Beginn des Flüchtlingszustroms unter erheblichem Druck. Angesichts des über Jahre aufgelaufenen Defizits an Wohnungsfertigstellungen, sind die Herausforderungen für alle beteiligten Partner groß, die angespannte Situation durch Schaffung bezahlbaren Wohnraums nachhaltig zu lösen. Die Politik ist mehr denn je gefordert, hierzu kurzfristig die notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen.

Die aktuellen Entwicklungen auf dem Wohnungsmarkt zeigen, dass der Trend zu mehr Baugenehmigungen und -fertigstellungen zwar weiterhin anhält, die Steigerungen aber bei weitem nicht ausreichend sind, um den Bedarf auch nur annähernd zu decken.

So sind von Januar bis Oktober 2015 11 039 (4,6 %) mehr Wohnungen genehmigt worden als im Vorjahr, teilt das Statistische Bundesamt (Destatis) in Wiesbaden mit. Die Zunahme resultiert aus einem Anstieg der Genehmigungen für Einfamilienhäuser (+ 6,1 %) und für Zweifamilienhäuser (2,2 %). Der Mehrfamilienhausbau verzeichnet in diesem Zeitraum nur noch ein Plus von 3,0 %, nachdem im letzten Jahr die Steigerungen in diesem Bereich noch zweistellig waren. Die Kalksandsteinindustrie rechnet insgesamt für das Jahr 2015 mit einem leichten Absatzplus.

Der Aufwärtstrend des mehrgeschossigen Wohnungsbaus wird sich 2016 im Wesentlichen durch den Flüchtlingszustrom und dem seit Jahren fehlenden bezahlbaren, sozialen Wohnungsraum fortsetzen. Unabhängig davon, ob es bis Ende des Jahres 2016 1,5 Mio. oder mehr Flüchtlinge sein werden, die nach Deutschland kommen, steht die Bauwirtschaft vor großen Herausforderungen, die nur gemeinsam mit der Politik gemeistert werden können.

Selbst wenn nur ein Teil der derzeitigen Einwanderer längerfristig bleibt, wird sich die Nachfrage im Wohnungsbau stabilisieren und die Baukonjunktur von dieser Nachfrage profitieren. Auch der öffentliche Bau wird an Fahrt gewinnen, da die Flüchtlingssituation die Investitionsspielräume der Kommunen verbreitern dürfte.

Die Kalksandsteinindustrie, deren Domäne ohnehin schon immer der Geschosswohnungsbau ist, wird von dieser Entwicklung entsprechend ihrer Bedeutung profitieren und geht von einem Wachstum von rund 2 % für das Jahr 2016 aus. Sie verfügt über umfassende Lösungskompetenzen und Bauweisen für einen nachhaltigen wie auch wirtschaftlichen Wohnungsbau und bietet gute Voraussetzungen den Stau im bezahlbaren Geschosswohnungsbau zu bewältigen. Hierzu zählt unter anderem die kostengünstige Erstellung der Kalksandstein- Konstruktionen, mit denen sich mehrgeschossige Wohnbauten schnell und energieeffizient erstellen lassen. Das belegt auch eine Studie zum Thema "Flüchtlingswohnen im Rahmen der Sozialen Wohnraumförderung", die vom Land Schleswig-Holstein und der Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen in Auftrag gegeben worden ist. Sie hat ergeben, dass im Vergleich zwischen sieben unterschiedlichen und marktüblichen Außenwandkonstruktionen der Wandaufbau mit Kalksandstein und Wärmedämmverbundsystem (WDVS) die kostengünstigste Variante ist.

Zusätzlich zum Flüchtlingszustrom wird sich der Wohnungsbedarf auch deutlich durch einkommensschwache Familien, steigende Haushaltszahlen (Singles/Studenten), den demografischen Wandel und den damit verbundenen starken Zuzug in die Städte wie auch durch die Zuwanderung aus der EU erhöhen.

Wenn hier nicht gegengesteuert wird, wird es in vielen Wachstumsregionen, in Ballungszentren und Metropolen immer schwerer werden, bezahlbaren Wohnraum zu finden. Angesichts der knappen Baulandressourcen und dem Mangel an Grundstücken sind verdichtete Bauweisen unabdingbar. Die Kalksandsteinindustrie bietet speziell hierfür schlanke Wände, die aufgrund der hohen Druckfestigkeitsklassen ein Wohn- und Nutzflächengewinn von bis zu 7 % erwirtschaften bei gleichbleibenden Außenabmessungen des Gebäudes.

Trotz der positiven Aussichten ist festzuhalten, dass der Wohnungsbau im Jahr 2015 deutlich hinter den Erwartungen der Kalksandsteinindustrie zurückgeblieben ist. Erst durch die Flüchtlingssituation ist innerhalb kürzester Zeit die allgemeine Wohnungsnot so präsent geworden, dass die Politik alle Hebel in Gang setzen muss, um dem Wohnungsmangel so schnell wie möglich Herr zu werden. Allein das Statement "Wir schaffen das" reicht nicht aus. Es müssen Taten folgen. Um das Defizit an bezahlbaren Wohnraum zu beheben, haben sich Bund, Länder, Kommunen und Verbände im Bündnis für bezahlbares Wohnen und Bauen zusammengeschlossen. Eine Baukostensenkungs-Kommission soll dafür sorgen, dass dies kostenoptimiert erreicht wird.

Eine wesentliche Maßnahme ist, so die Kommission, die Entwicklung zeitgemäßer Formen des industriellen (seriellen) Bauens. Die Kalksandsteinindustrie hat bereits seit Jahren mit der Entwicklung von großformatigen Kalksandstein-Systemen wie den Planelementen ein System auf den Markt gebracht und optimiert, das alle Forderungen des seriellen Bauens der Kommission optimal erfüllt. Es ist günstiger als die konventionellen Steinformate, weil z. B. die Produktionskosten und die Bauzeiten deutlich reduziert werden. Darüber hinaus geben sehr gute bauphysikalische Eigenschaften des Kalksandsteins Sicherheit in puncto Schall- und Brandschutz und gesundes Raumklima.

Auch die Verschärfung der Energieeinsparverordnung (EnEV) ab 1. Januar 2016 ist für Kalksandstein kein Thema. Die funktionsgetrennten Außenwandkonstruktionen erreichen kostengünstig jedes Wärmedämmniveau bis zum Passivhausstandard und darüber hinaus.

Vor diesem Hintergrund ist es zu begrüßen, dass die Bundesrepublik für den Mehrfamilienhausbau nachhaltige Maßnahmen auf verschiedenen Ebenen in Gang setzen will, mit dem Ziel den sozialen Wohnungsbau zu fördern und einkommensschwächere Haushalte zu unterstützen. Die Kalksandsteinindustrie wird sich in ihrer politischen Lobbyarbeit im engen Schulterschluss mit anderen Verbänden dafür einsetzen, dass dies nicht nur Worthülsen sind. Insbesondere werden wir uns auch unabhängig von den aktuellen aufgrund der Flüchtlingszustroms angedachten steuerlichen Ansätzen zur kurzfristigen Schaffung bezahlbaren Wohnraums weiterhin für die dringend notwendige Verdopplung der AfA auf 4 % und die Wiedereinführung der degressiven Abschreibungen engagieren.

Dieser Rückenwind wird in begrenztem Maße auch den Eigenheimbau stützen und den Wohnungsbau im Bestand beleben. Ferner wird der Aufschwung der Baukonjunktur noch durch das nach wie vor sehr niedrige Zinsniveau begünstigt. Alles in allem steht der Wohnungsneubau für die nächsten zwei bis drei Jahre vor einem neuen Aufschwung. Die Kalksandsteinindustrie, mit ihren innovativen Produkten, ist für die Anforderungen der kommenden Jahre bestens aufgestellt.

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Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 01/2016.

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