Bauaussichten 2016

Gut aufgestellt und optimistisch ins neue Jahr

Von Joachim SCHMID, Geschäftsführer des VDMA-Fachverbandes Bau- und Baustoffmaschinen, Frankfurt/Main

bauma Jahre machen per se schon einmal gute Laune. 2016 haben wir wieder ein solches. Die deutsche Bau- und Baustoffmaschinenindustrie geht gut aufgestellt und optimistisch hinein. Unsere Firmen erwarten in diesem Jahr keine gravierenden Einbrüche – trotz Krisen und politischer Unsicherheiten.

2015 ist für die Baumaschinenhersteller recht gut gelaufen. Wider Erwarten konnte die Gesamtbranche ihren Umsatz im einstelligen Bereich steigern. Das liegt vor allem am guten Absatz in den traditionellen Märkten Nordamerika und Europa. Aber es war auch der heimische Markt, der erneut zum guten Ergebnis beitrug. Zu Beginn des Jahres 2016 hat er fast dasselbe Niveau erreicht wie zu Beginn des Jahres 2015 und liegt damit erneut über dem langjährigen Durchschnitt. Wir gehen davon aus, dass sich der Tief-, Erd- und Straßenbau im Laufe des Jahres eher flach entwickeln wird. Der Hochbau läuft bereits gut. 2016 bekommt er möglicherweise noch weitere Impulse durch den allgemeinen Wohnraumbedarf und der Herausforderung um die Unterbringung von Flüchtlingen.

Der Kundenbranche geht es insgesamt gut. Die Bauindustrie in Europa wächst. Großes Potential sehen wir 2016 vor allem in Mittelosteuropa. Das bestätigt auch das Prognose-Netzwerk Euroconstruct, das 19 Bauwirtschaften Europas beobachtet und analysiert. Laut seiner jüngsten Prognose wird es 2016 in allen diesen Märkten mehr oder weniger bergauf gehen. Das sind gute Zeichen.

Der nordamerikanische Baumaschinenmarkt läuft gut und hat heute schon das Niveau der Vorkrisenzeit von 2006 erreicht. Wir erwarten dort eine eher flache Entwicklung. Gutes Wachstum kommt noch aus Saudi-Arabien und den Emiraten. In den anderen Weltregionen sieht die Lage etwas anders aus. Der Weltbaumaschinenabsatz ist 2015 zurückgegangen. Das ist vor allem den Einbrüchen in China und Russland geschuldet. Auch die anderen BRICS-Länder konnten im letzten Jahr die in sie gesetzten Erwartungen nicht erfüllen. Wir hoffen aber, dass einige Entwicklungs- und Schwellenländer wie z. B. Indien konjunkturell endlich Fahrt aufnehmen werden.

Die Baustoffanlagenhersteller müssen sich auch in diesem Jahr nach der Decke strecken. Die Unternehmen haben 2015 vor allem geplatzte Aufträge aus dem für viele Betriebe sehr wichtigen russischen Markt zu spüren bekommen. Weltweit fehlen Großprojekte und identifizierbare Wachstumsmärkte. Zwar gibt es viele Projekte, aber immer weniger werden auch tatsächlich realisiert, und um diese wenigen buhlen dann alle. Das Spielfeld wird kleiner. Wir benötigen in diesem Jahr mehr Aufträge, um auch in Zukunft zuversichtlich mitzuspielen.

Die Diskussionen in der Politik um Grenzwerte bei den Emissionen werden uns auch 2016 weiter beschäftigen. Die Politik stellt die Unternehmen mit neuen und immer schärferen Umweltschutzgesetzen, Feinstaub- und Abgasregelungen vor große Herausforderungen. Das ist z. B. die anstehende neue Europäische Abgasstufe 5. Die endgültigen Grenzwerte sind noch nicht veröffentlicht und somit fehlt den Herstellern noch die nötige Planungssicherheit. Schwierig ist es für die Industrie vor allem dann, wenn sie auf Neuregelungen reagiert hat und Behörden dann plötzlich Zusatzforderungen stellen. Das beschäftigt uns leider zunehmend. Ich bin mir aber sicher, dass unsere Firmen gerade auf der bauma zeigen werden, dass sie den Herausforderungen gewachsen sind und die geforderten Lösungen entwickeln. Wir werden dort sehen, dass es noch immer gelingt, die Effizienz der Maschinen weiter zu steigern und gleichzeitig die Emissionen zu senken.

Fakt ist aber, dass diese Diskussionen um bestehende und zukünftige gesetzliche Regelungen für Baumaschinen zu kleinteilig geführt werden, insbesondere im Umweltschutz. Unserer Meinung nach schaut die Politik viel zu sehr auf Komponenten und Einzelaspekte. Die müssen nicht geregelt werden. Es sind die Maschinensysteme und die Bauprozesse, die in den Mittelpunkt des Interesses gehören. Sie gilt es zu optimieren. Das hilft nicht nur der Umwelt, sondern erhält auch die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Hersteller. Bei diesem Thema müssen wir auch 2016 am Ball bleiben und unsere Kontakte zu den Politikern und Entscheidungsträgern weiter intensivieren.

2016 steht bei uns auch wieder ganz im Zeichen unserer "Think Big Initiative" mit der wir junge Menschen für Technik und unsere Industrie begeistern wollen. Zum zweiten Mal nach 2013 organisieren wir auf der bauma in Kooperation mit der Messe München und 13 Unternehmen, Instituten und Hochschulen auf 3000 m Fläche ein umfangreiches und interaktives Programm rund um technische Ausbildung, Studium und Karrieremöglichkeiten in der Bau- und Baustoffmaschinenindustrie. Schon heute haben sich dazu mehr als 13 000 Schüler/innen aus 230 Schulen angemeldet und das Interesse reißt nicht ab.

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Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 01/2016.

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