Bauaussichten 2016

Rechnen dieses Jahr mit Umsatzzuwachs von 0,5 Prozent

Von Marcus NACHBAUER, Präsident Bundesverband Gerüstbau, Köln

Vergangenes Jahr zur selben Zeit stand hier: "2014 war voraussichtlich das wärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen." Auch für 2015 findet man ähnliche Meldungen im Internet, die wie folgt lauten: "Wärmster November seit Beginn regelmäßiger Wetteraufzeichnungen…"

Jetzt haben wir Mitte Dezember und im Rheinland mittags + 10°. Gibt es auch dieses Jahr keinen echten meteorologischen Winter? Eine Frage, die für das kommende Wirtschaftsjahr und die Entwicklung unserer Branche nicht ohne Bedeutung ist. Doch wie war das letzte Jahr fast ohne Winter? Von welchem Niveau startet die Gerüstbaubranche ins Jahr 2016?

Die vom Statistischen Bundesamt ermittelten vierteljährlichen Indizien für Bauleistungspreise. Das Basisjahr dieser Statistik ist 2010 (= 100 %). Das Basisjahr setzt sich aus vier Quartalswerten zusammen, die im Mittel 100 % ergeben. Der bundesweite Preisindex für den Neubau von Wohngebäuden ist die wichtigste Nachweisung der Veröffentlichung. Bei dieser Bauwerksart ist der Preisindex für Gerüstbaubauleistungen in dem Zeitraum August 2014 bis August 2015 von 111,7 % auf 112 % um nur 0,3 % gestiegen. Im August 2010 lag der Gerüstpreisindex bei 102 %. Hieraus ergibt sich, dass die Gerüstpreise in den letzten fünf Jahren im Durchschnitt jährlich um 2 % und in den letzten vier Jahren sogar um 2,9 % gestiegen sind. Die jüngste Preissteigerung liegt somit deutlich unter dem Durchschnittswert der letzten vier bzw. fünf Jahre.

Die Beschäftigungs-Zahlen haben sich im Zeitraum August 2014 bis August 2015 trotz der angespannten Arbeitsmarksituation besser als die Gerüstpreise entwickelt. Die Anzahl der im Gerüstbau beschäftigten Mitarbeiter ist in diesem Zeitraum um ca. 1,22 % gestiegen.

Das ist ein wichtiger Punkt für die Prognose, denn das Gerüstbauhandwerk weist relativ wenig Rationalisierungspotential auf und hat einen hohen Handarbeitsanteil. Die größte Herausforderung für die Gerüstbaubetriebe wird in 2016 daher vermutlich wieder nicht die Suche nach Aufträgen, sondern wie in vielen Nachbargewerken auch, die Suche nach den Fachkräften, die diese Aufträge ausführen können, sein.

Der jüngste Tarifabschluss hat sich dieser Herausforderung angenommen. Es wurde ein neues Fortbildungsmodell für "Praktiker" verhandelt, welches es den Betrieben ermöglicht, die ursprünglich nicht qualifizierten Arbeitnehmer schrittweise und unterbrochen durch festgelegte Praxisphasen zu qualifizieren. Die Ausbildung im Gerüstbau bleibt weiterhin als vorrangig anzustrebendes Qualifizierungsziel erhalten, jedoch für die Personen, die aus Altergründen oder anderen Umständen nicht für eine Ausbildung gewonnen werden können, gibt es jetzt strukturierte Qualifizierungswege.

Das Ifw (Institut für Weltwirtschaft) in Kiel veröffentlichte im Juni 2015 Folgendes: Die Konjunktur in Deutschland ist weiter aufwärtsgerichtet. Für das laufende Jahr rechnen wir mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts von 1,8 %. Im kommenden Jahr dürfte sich das Expansionstempo auf 2,1 % beschleunigen. Die deutsche Wirtschaft soll demnach wachsen und auch die für die Bauwirtschaft gibt es für das kommende Jahr eine Wachstumsprognose in Höhe von 2,1 % von der Bundesvereinigung Bauwirtschaft.

Die Prognose für das Gerüstbaugewerbe erfolgt in zwei Bereichen: Im Tätigkeitsfeld Fassadengerüstbau wird kommendes Jahr ein Raum für ein stabiles Umsatzwachstum gesehen. Für den Industriegerüstbau wurde schon im Jahr 2015 ein steigender Preis- und Wettbewerbsdruck gemeldet, der 2016 weiter zunimmt und voraussichtlich ein Umsatzrückgang mit sich bringt.

Insgesamt rechnen wir 2016 mit einem Umsatzzuwachs von 0,5 %, der im Vergleich zum Vorjahr deutlich geringer ausfällt. Die Anzahl der Mitarbeiter wird 2016 voraussichtlich auf gutem Niveau stagnieren – genauso, wie seit über drei Jahren – die Betriebszahlen.

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