Einsatz am Canal Grande

Trinkwasserleitung an Rialtobrücke saniert

Der modulare Aufbau ist eine Trumpfkarte, die das "BlueLine"-Verfahren in Venedig ausspielen konnte. Das Bild zeigt das mobile Tränkungswerk an der Kaimauer.

Venedig (ABZ). – Nicht nur die schwer zugängliche Einbaustelle in unmittelbarer Nähe der Rialtobrücke am Canal Grande in Venedig machte die Sanierung einer Trinkwasser-Druckrohrleitung für die mit der Ausführung der Arbeiten beauftragte Rotech Srl. zu einem besonderen Projekt: Der Tidenhub in der aus 118 Inseln be-stehenden Lagunenstadt zählte zu einer Reihe von außergewöhnlichen Herausforderungen, die die Spezialisten vom italienischen Tochterunternehmen der Diringer & Scheidel Rohrsanierung GmbH (D&S) mit technischem Know-how, einer besonderen Verfahrenstechnik und einem ausgeklügelten logistischen Konzept zur Zufriedenheit des örtlichen Wasserversorgers Veritas S.p.A. meisterten.

Zeitweilig lagen Start- und Zielbaugrube unter Wasser, zudem verlief die zu sanierende Leitung in Form einer Etage mit vier 30°-Bögen über eines der beiden Brückenwiderlager, deren Gründungen aus Pfahlrosten mit jeweils 6000 gerammten Holzpfählen bestehen. Bei der Ertüchtigung der Trinkwasser-Druckrohrleitung mit dem Nenndruck PN 10 und einer Nennweite DN 400 kam mit dem System "BlueLine" ein Produkt zum Einsatz, das für die grabenlose Sanierung von Druckrohrleitungen im Trinkwasserbereich entwickelt worden ist. Nach Angaben von D&S schufen insbesondere die mobile und modular aufgebaute Einbautechnik des Verfahrens sowie die Bogengängigkeit des Liners Voraussetzungen dafür, dass der BlueLiner eine erfolgreiche Premiere in Venedig erlebte.

Die architektonischen Besonderheiten, die Venedig zur Sehenswürdigkeit von Weltrang machen, hatten erheblichen Einfluss auf den Ablauf der Baumaßnahme – angefangen beim Transport des Materials zur im historischen Stadtkern gelegenen Einbaustelle, die nicht mit herkömmlichen Baufahrzeugen angefahren werden konnte. "Dass das Pilotprojekt dennoch erfolgreich abgeschlossen werden konnte, ist nicht zuletzt der akribischen Planung im Vorfeld zu verdanken", betont Jens Wahr von der D&S-Niederlassung Herne, der den italienischen Kollegen als Berater vor Ort zur Seite gestanden hat.

Bei der Baustellenvorbereitung kam es entscheidend auf die Planung und Einhaltung verschiedener Zeitfenster an. In diesem Zusammenhang machte sich der modulare Aufbau der "BlueLine"-Anlagentechnik bezahlt, welche eine Baustelleneinrichtung an verschiedenen Stellen gestattete. So wurde etwa die mobile Tränkungsanlage an einer Kaimauer im Hafen des Netzbetreibers außerhalb des Stadtzentrums installiert, von der aus die Einbaustelle über den Canal Grande per Boot erreicht werden konnte. Die für den Einbau und die Aushärtung erforderliche Inversionstrommel mit Dampferzeuger hingegen wurde auf einem Ponton direkt neben der Einbaustelle positioniert. "Da der Wasserstand an der Einbaustelle vom Tidenhub abhängig war und die Baugruben teilweise unter Wasser standen, konnte der Einbau des Liners nur in einem Zeitfenster rund um das Niedrigwasser erfolgen", erklärt Wahr. Das Wasser in der Lagune sollte am Tag der Sanierung laut Vorhersage gegen 19.00 Uhr wieder eine für den Einbau kritische Höhe erreichen. Daher erforderte der Ablauf vom Tränken des Schlauchliners mit einem Zweikomponenten-Epoxidharz über den Transport zum Einsatzort und den Einbau des Liners bis hin zur Aushärtung eine generalstabsmäßige Planung.

Pünktlich um 13.00 Uhr fiel im Hafen der Startschuss für das Tränken und Kalibrieren des Liners. Die Komponenten der SPS-gesteuerten, vollautomatischen und als geschlossenes System arbeitenden Dosier- und Tränkanlage sind auf das Verfahren abgestimmt. Harz- und Härtertanks bieten ein Volumen von 3800 kg, die Vollklimatisierung stellt eine von äußeren Einflüssen unberührt gleichbleibende Harztemperatur sicher. "Regelbare Förderpumpen transportieren definierte Harz- und Härtermengen zum Zwangsmischer, dort werden diese unter Luftausschluss zusammengeführt und anschließend in den vakuumierten Liner eingebracht", erläutert Wahr. Dabei überwachten und dokumentierten integrierte elektronische Messgeräte kontinuierlich sämtliche, systemrelevante Daten. Aus der Tränkungsanlage wurde der Liner dann auf direktem Weg in ein Boot verladen, das den vorbereiteten Schlauch auf dem Wasserweg an den Einsatzort brachte. Nach der Fahrt entlang der malerischen Kulisse des Canal Grande wurde der Liner vom Boot in die auf einem Ponton installierte Inversionstrommel geführt und im Inneren aufgewickelt. Entsprechend des Zeitplans erfolgte ab 17.00 Uhr das Inversieren des Liners mittels Druckluft in das zu sanierende Rohr und die anschließende Aushärtung mit Wasserdampf. Nach der Aushärtung wurde der Liner am Start- und Zielpunkt im Rohr zurückgeschnitten und mit trinkwasserzugelassenen "RedEx"-Manschetten an die Altrohrleitung angebunden. Das Ergebnis: ein neues Rohr, dessen Standard und Qualität den Anforderungen einer Herstellung im Werk entspricht und das – ohne Unterstützung des Altrohres – alle anfallenden und statischen Außen- und Innenlasten übernimmt. Was sich auf dem Papier wie Routine ausnimmt, war aufgrund der ungewöhnlichen Rahmenbedingungen in Wirklichkeit eine höchst komplexe Aufgabe, die neben dem Sinn fürs richtige Timing auch Steuermannsqualitäten erforderte. Allen Herausforderungen zum Trotz haben die Rotech-Spezialisten die Arbeit am Weltkulturerbe souverän gemeistert – mehr noch: "Aufgrund der tollen Heizwerte, die wir beim Aushärten des Liners schnell erreicht haben, konnten wir die Arbeiten sogar 2 Std. vor dem geplanten Fertigstellungszeitpunkt abschließen", resümiert Karl-Heinz Robatscher von der Rotech Srl.

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