Generationenwechsel

Große Chance für die Digitalisierung in Unternehmen

von Thomas Huber

München. - In vielen deutschen Bauunternehmen kündigt sich ein Generationswechsel an. Ein junger Chef bringt nicht nur einen neuen Führungsgeist in den Betrieb, sondern wagt häufig auch den Sprung in Richtung Digitalisierung. Die große Umrüstung führt aber nur mit klugen Maßnahmen zum Erfolg.

Gute Vorsätze, die man sich zum Jahreswechsel vorgenommen hat, lässt man nach wenigen Wochen bekanntlich gerne wieder schleifen. Die Bequemlichkeit besiegt recht schnell den anfänglichen Tatendrang. Gleiches lässt sich auch über die Digitalisierung sagen: Die meisten Unternehmen wissen zwar in der Regel, dass sie sich der digitalen Transformation stellen und ihre Arbeitsabläufe umstrukturieren müssen. Oft fehlt es aber am konkreten Antrieb, diese Herkulesaufgabe anzupacken. Bei vielen Bauunternehmen steht nämlich noch ein anderes Vorhaben auf dem Programm – der Generationenwechsel. Nicht wenige Firmen, die in der florierenden Wirtschaft der 80er Jahre ihr Geschäft aufgebaut haben, nehmen ihn gerade in Angriff, anderen steht er in den kommenden Jahren bevor. Keine leichten Voraussetzungen. Doch in Kombination bergen diese zwei Herausforderungen auch eine echte Chance. Mit einer neuen, jungen Führung können gleichzeitig auch digitale Lösungen eingeführt und auf diese Weise bestehende Prozesse vereinfacht werden.

Vorteil der Digitalisierung

Die ältere Generation mag jetzt aufschnaufen und den Kopf schütteln. Oft gehört ist der Satz: "Es läuft doch alles gut, so wie es ist!". Das mag für den Moment richtig sein. Alles funktioniert, die Umsätze stimmen noch und Gewinne werden auch noch erzielt. Aber wie lange wird dieses Prinzip noch aufgehen? Auch wenn sich die Auswirkung der Digitalisierung aktuell noch nicht abzeichnet, die kommende Generation, sprich die Kunden und Mitarbeiter der Zukunft, werden digitale Prozesse und Lösungen einfordern. Traditionell arbeitende Firmen werden immer anfälliger dafür, von neuen, fortschriftlicher aufgestellten Unternehmen verdrängt zu werden. Denn die digitale Transformation bringt einige wesentliche Vorteile: Weniger Kosten beim Planungsmanagement, mehr Effizienz im Workflow, mehr Transparenz im Kundendialog und eine geringere Fehlerquote durch weniger Kommunikations- oder Übertragungsfehler.

Ein Beispiel aus dem Alltag der BeckBau Schlüsselfertig GmbH verdeutlicht, dass das bereits heute gelebte Praxis ist: Die Projektabwicklung und das Änderungsmanagement erfolgten bei der Firma bis vor kurzem über ausgedruckte Standardformulare und Checklisten der einzelnen Gewerke. Bei Änderungen im Bauverlauf der schlüsselfertigen Häuser mussten Lieferanten, Subunternehmen und Kunden per Telefon oder Brief informiert werden. Missverständnisse und aufwändige Abstimmungsschleifen waren da vorprogrammiert. Um jederzeit eine gemeinsame Informationsbasis gewährleisten zu können, ließ das Unternehmen eine Software-Lösung entwickeln. Die Vorteile: Alle Formulare, Checklisten und Baupläne liegen nun in digitaler Form vor, können über ein zentrales System verwaltet und von allen Beteiligten zu jeder Zeit eingesehen werden. Kommt es zu einer Änderung im Ablauf, werden alle automatisch darüber informiert. Die kompakte Digital-Lösung vereinfacht nicht nur die Kommunikationsabläufe, sondern reduziert auch die Materialkosten und vor allem die Fehlerquote. Und das spart nicht nur Geld und Zeit, sondern auch Nerven.

Gebrauchsanweisung für digitalen Wandel

So deutlich der praktische Nutzen auch ist, der von der Digitalisierung ausgeht, überstürzte Entscheidungen sollte sie trotzdem nicht treffen. Was ist zu tun, damit das Projekt nicht in einer kostenintensiven Zusatzbelastung für das Unternehmen endet? An aller erster Stelle der Digital-Agenda steht darum eine ganzheitliche Analyse des Unternehmens sowie aller Prozesse und Strukturen. Denn eins steht fest, die richtige digitale Strategie gibt es nicht als Einheitsmodell. Die passende Vorgehensweise entspringt immer der speziellen Konstellation eines jeden einzelnen Unternehmens. Grundsätzlich aber: Um Abläufe effizient und Projekte zielführend zu gestalten, müssen Kunden und Partner verstärkt in eigene Prozesse eingebunden werden.

Vor allem ein externer Blick auf bestehende Arbeitsweisen, Abstimmungsschleifen und Projektabläufe hilft, wiederkehrende Prozesse zu optimieren. Denn oft versperrt eine gewisse Betriebsblindheit einen klaren Blick auf die Effizienz und digitale Optimierungsfähigkeiten des eigenen Unternehmens. Eine erste Bestandsaufnahme zeigt, wo das Unternehmen steht. Dabei geht es nicht nur um den Status Quo, sondern mithilfe dieser Analyse sollen auch neue Umsatzpotenziale eruiert werden. Welche neuen Leistungen generiert werden können, lässt sich auf diese Weise etwa umso leichter ableiten. Gleichzeitig werden Sie auch sehen, welche Ressourcen Ihr Unternehmen für den Wandel aufbringen kann. Investitionen sind gut, sie dürfen aber natürlich nicht die gesamte Kosten-Nutzen-Rechnung vor lauter digitalem Eifer aus dem Gleichgewicht bringen.

Doch bevor es an die Ausarbeitung der richtigen Strategie geht, ist eine Person ganz besonders gefragt – die Unternehmensführung selbst. Nur wenn der neue Chef 100 % von der bevorstehenden Umstrukturierung überzeugt ist, kann er sein gesamtes Team dafür begeistern. Und gerade in einer Phase der Neuausrichtung ist es besonders wichtig, seine eigenen Mitarbeiter einzubinden und zu motivieren. Die Digitalisierung bedeutet in der Regel einen Einschnitt in die gesamte Unternehmensstruktur- und kultur. Veränderungen sind mit Unsicherheiten und Ängsten verbunden und zwingen alle dazu, sich von ihrem gewohnten Arbeitsalltag zu lösen und neue Methoden zu erlernen.

Seine Führungsstärke ist aber vor allem dann gefragt, sollte ein digital Projekt doch mal nicht so laufen wie erwartet. Denn statt ganz aufzugeben, lieber im richtigen Moment Einzelprojekte "on hold" stellen: Raus mit dem, was sich nicht im Zielkorridor der Unternehmensplanung befindet! Offenheit gegenüber neuen Methoden und technischen Möglichkeiten sowie der Mut neue Wege einzuschlagen, sind die wichtigsten Eigenschaften, um in der Bauwirtschaft der Zukunft leistungsfähig und konkurrenzstark zu bleiben. Transparenz und Teamwork statt Herrschaftswissen lautet der Vorsatz für den Führungsgeist der nächsten Generation.

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