Hochbahnsteig-Neubau

Stadtbahn-Pendler "stehen" auf den harmonisch in das Umfeld integrierten Beton

Der Entwurf für die Hochbahnsteige an der Musterschule kombiniert die Funktion des Bahnsteigs mit der des Bürgersteigs.

Frankfurt/Main (ABZ). – Im Rahmen des barrierefreien Ausbaus der Stadtbahnlinie U5 in Frankfurt am Main haben kürzlich auch die Stationen "Musterschu-le" und "Glauburgstraße" neue Hochbahnsteige erhalten. Die von Kölling Architekten BDA entworfene Lösung für die Bahnsteiggestaltung an der Musterschule soll Fahrgastfreundlichkeit mit einem hohen ästhetischen Anspruch vereinen und aufgrund der dezenten Formgebung ins Au-ge fallen – nicht zuletzt durch speziell angefertigte Bahnsteigkanten aus Betonfertigteilen, die sich aus dem Betonstein-Pflasterbelag entwickeln.

Die Modernisierung der im Innenstadtbereich von Frankfurt (Nordend) gelegenen Stadtbahn-Haltestelle "Musterschule" ist Teil eines Bauprojekts der Verkehrsgesellschaft Frankfurt am Main mbH (VGF). Durch den Einsatz neuer Stadtbahnfahrzeuge war die Neugestaltung der U5-Haltestellen mit Hochbahnsteigen von der Konstablerwache bis nach Preungesheim erforderlich. Eine unterirdische Verlegung der Linie war aus Kostengründen nicht möglich. In den kommenden Jahren ist zudem die Erweiterung der Linie U5 bis ins Europaviertel geplant. Für die Planung der Station "Musterschule" wurde im Jahr 2009 ein architektonischer Realisierungswettbewerb ausgelobt, aus dem Kölling Architekten BDA und Just/Burgeff Architekten BDA als 1. Preisträger hervorgingen. Ziel des Projekts war es, die Neugestaltung des Bahnsteigs so harmonisch wie möglich in das Umfeld der vielbefahrenden und sowohl von Stadtbahn als auch Autoverkehr genutzten Eckenheimer Landstraße zu integrieren. Um eine trennende Wirkung im Stadtraum durch die Stationsbauwerke zu vermeiden, schlugen die Architekten an der Musterschule vor, den Bahnsteig über die gesamte Länge über sich verschneidende Stufen in Querrichtung und über kaum merklich geneigte Gehwegflächen in Längsrichtung betreten zu können. Das Konzept soll mit dieser gestaltprägenden Idee die städtebaulichen und architektonischen Anforderungen mit optimalem Fahrgastkomfort verbinden.

Der Entwurf für die Hochbahnsteige an der Musterschule kombiniert die Funktion des Bahnsteigs mit der des Bürgersteigs – beide gehen fließend ineinander über. "Die monofunktionalen Bahnsteige werden in Verbindung mit den angrenzenden, sich abtreppenden Bürgersteigen zu belebten, vielseitig genutzten städtischen Räumen, die sich gestalterisch und funktional in das gebaute Umfeld integrieren und eine hohe Aufenthaltsqualität bieten", sagt Architekt Moritz Kölling. Durch eine differenzierte Modellierung der Bürgersteigniveaus werde die Zugänglichkeit des Bahnsteigs von allen Seiten mit max. drei Stufen erreicht – auf die bei oberirdischen Stationen üblicherweise vielen notwendigen Geländer und Absturzsicherungen konnte deshalb fast komplett verzichtet werden. Die so geschaffene Transparenz fördere die Orientierung und die städtebauliche Einbettung im Straßenraum. Im mittleren Bereich der in drei Segmente unterteilten Bahnsteige ist mit einer Höhe von 80 cm ein stufenloser Ein- und Ausstieg möglich – zu den Bahnsteigköpfen hin betrage das Einstiegsniveau 60 cm. Dies ermögliche einen nahtlosen Übergang in den Bürgersteig und in die Stadt. Dazu erläutert Bernd Conrads, Pressesprecher der VGF: "Diese spezielle Bastionsbauweise haben wir gezielt gewählt, um einen massigen optischen Eindruck und eine stadteiltrennende Wirkung der Bahnsteige in der engen Eckenheimer Landstraße zu vermeiden." Die Bahnsteige selbst sind ausgestattet mit Sitzbänken, Vitrinen, Fahrscheinautomaten, Dynamischen Fahrgast-Informationen (DFI) sowie vier reduziert gestalteten Unterständen – sog. "Stadtvitrinen" bzw. "Stadtfenstern".

Rund um den Hochbahnsteig herum wurde – in gleicher Farbe und Oberflächenoptik – ein spezieller Betonstein-Belag vorgesehen, der sich bis in den rückwärtig zum Bahnsteig befindlichen Quartiersplatz erstreckt und so für eine harmonische Einbettung in das Gesamtumfeld sorgt.

Die komplette Detail- und Ausführungsplanung für den ca. 74 m langen und bis zu 4,50 m breiten Bahnsteig erfolgte mittels der 3D-Software "MicroStation". Das Fundament des Hochbahnsteigs bestehe aus Ortbeton, darauf sei eine Sauberkeitsschicht aufgebracht worden, bevor die Stufen und die vom Betonfertigteil-Spezialisten Hering Bau (Burbach) vorgefertigten Bahnsteigkanten-Elementen geliefert und innerhalb drei Tagen eingebaut wurden. Dabei habe es zahlreiche Vorgaben zu erfüllen gegeben: Die Oberfläche der Bahnsteigkanten hatte optisch genauso auszusehen wie die Oberfläche der Pflasterung. Darüber hinaus wurden taktile Leitstreifen und optische Keramikelemen-te in die Bauteile integriert. Hier habesich Hering Bau aufgrund seiner Erfahrungen im Bahnbau sowie im Betonfertigteilbau als kompetenter Partner erwiesen: 32 Bahnsteigkanten-Elemente mit teils individuellen Maßen und komplexen Geometrien plante und fertigte das Unternehmen im Werk Burbach für das Projekt Musterschule. Die bis zu 4,5 t schweren Bauteile sind 4,50 bis 5 m lang sowie 78 bzw. im barrierefreien Bereich 98 cm hoch und verfügen über einen anbetonierten Schenkel mit 90 cm Auskragung.

Um eine einheitliche Oberflächenoptik zu erzielen, führten die Experten der Firmen Hering Bau und der Rinn Beton- und Naturstein GmbH (Heuchelheim) – diese lieferte die Beton-Pflastersteine – Tests und Bemusterungen zu Farbe, Gesteinskörnungen und Rezepturen durch.

Schließlich erwies sich ein leicht dunkelgrau eingefärbter Beton mit fein sandgestrahlter Oberfläche als Ideallösung. Alle sichtbaren Flächen der Bahnsteigkanten – vertikal zur Fahrbahn hin sowie die horizontale Lauffläche – wurden im Anschluss an den Betonier-Vorgang im Werk manuell sandgestrahlt. "In die Betonelemente integriert wurde ein Streifen aus rötlich eingefärbten betoShell Textilbeton mit lichtreflektierenden Eigenschaften", erläutert Thomas Reh, verantwortlich für Vertrieb und Marketing bei Hering Bau. Dieser mache vorbeifahrende Pkw-Fahrer auf den Bahnsteig aufmerksam und erhöhe somit die Sicherheit der wartenden Fahrgäste. "Das ursprünglich für solche Anwendungsfälle entwickelte Reflexbeton-Material wurde in diesem Projekt erstmals im Infrastrukturbereich als Leitsystem verwendet", betont Reh.

Bei der Wahl der Oberflächen-Gestaltung war eine hohe Frost-/Tauwasser-Beständigkeit gefordert, um kältebedingte Schäden an Bahnsteigoberfläche – z. B. Abplatzungen durch Carbonatisierung – zu vermeiden. Um die Anforderungen zu erfüllen, entwickelte Hering Bau für den Bahnsteig eine spezielle Betonrezeptur. Mit einer Oberflächen-Abwitterung von 49–228 g/m² liegt der eingesetzte Beton weit unter den in der ZTV-ING (Zusätzliche Technische Vertragsbedingungen und Richtlinien für Ingenieurbauten) geforderten Werten von 1500 g/m². Um den neuen Bahnsteig harmonisch ins gewachsene Stadtbild an der Eckenheimer Landstraße zu integrieren und an den dort verlegten Standard-Betonstein anzuschließen, wurden Bahnsteig und Umfeld bis hin zur Wohnbebauung im rückwärtigen Bereich mit einem gräulichen Betonpflasterstein-Belag mit sandgestrahlter Oberfläche ausgeführt. Produziert, geliefert und liegend verlegt wurden die Betonsteine in den Formaten 80 x 30 cm sowie 45 x 30 cm von der Firma Rinn.

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