Innovative Pflasterfuge

Stabiler Verbund trotz ungebundener Bauweise

Der Lapis Perfectus wird wie hier bei der Altstadtsanierung in Mengen Stein-an-Stein in ungebundener Bauweise auf ein ca. 5 cm hohes Bett mit Hartgesteinsplitt gesetzt.

Lehrberg (ABZ). – Das Natursteinpflaster-System "Lapis Perfectus" der Firma Der Stein GmbH & Co. KG basiert auf einem unten umlaufenden Block und einer darüber befindlichen besonderen schwalbenschwanzförmigen Fräsung, die Johann Stoll entwickelte. Diese Kombination ermöglicht eine ebenflächige fußgängerfreundliche Pflasterung, die trotz ungebundener Bauweise sehr stark belastbar ist.

So mancher Stadtplaner wünscht sich für seinen Ortskern ein zum Altstadt-Charakter passendes Natursteinpflaster. Solche Pflasterungen haben aber insbesondere auf Straßen Probleme mit der Verfugung – sowohl bezüglich Zuverlässigkeit als auch im Hinblick auf die Langlebigkeit. In der DIN EN 1342 ist zwar die Maßhaltigkeit von Natursteinen genau vorgegeben, in der Praxis können aber viele Beläge diese Anforderungen nicht erfüllen. Trotz hohen Herstellkosten gibt es oft Probleme bei den langfristigen Standzeiten. Die Haltbarkeit einer Pflasterfläche ist vor allem von der Größe und langfristigen Beschaffenheit der Fugen bestimmt. Bereits in den 1990er-Jahren sammelte Johann Stoll aus Lehrberg umfassend Erfahrungen bei Pflasterungen mit Natur- und Betonsteinen. Der Gründer und heutige Senior-Chef des Unternehmens Der Stein führte bereits damals Untersuchungen mit Pflasterverfugungen durch. Dabei stellte sich heraus, dass die heute immer noch oft üblichen breiten Pflasterfugen erheblich weniger belastbar sind als, schmale Fugen nach guter alter Handwerkskunst. Das hängt damit zusammen, dass übliche starre Tragschichten die Zug- und Schubkräfte verstärkt auf die Fugen ableiten.

Stoll hat auch festgestellt, dass sogar gebundene Fugen der hohen Belastung nicht dauerhaft standhalten. Aus diesem Grund wird die historische Bauweise in der Praxis ebenfalls wesentlich seltener durchgeführt, als früher. Deshalb greifen immer mehr Bauherren, Bauingenieure und Stadtplaner auf Betonformsteine zurück. Für stark beanspruchte Flächen sind nach wie vor SF-Pflasterverbunde auf Basis von 10 cm dicken Betonformsteinen sehr gebräuchlich. Ihre 3 mm breite Fuge bringt gleichzeitig eine sehr hohe Stabilität und Verbundwirkung. Alternativ kommen auch Betonsteine mit großflächigen Abstandsblöcken an den Seitenflanken und einer sich nach oben aufweitenden Fuge zum Einsatz. Allerdings werden ihre Fugen im Alltag durch Straßenverkehr und Kehrmaschinen entleert und müssen turnusmäßig umfassend nachverfugt werden.

Aus all diesen Erkenntnissen und Erfahrungen entwickelte Johann Stoll sein Naturstein-Pflastersystem "Lapis Perfectus". Hierfür werden alle für den Straßenbau gängigen Steine wie Granit und Muschelkalkstein automatisiert gefräst. Sie erhalten im Sockelbereich einen umlaufenden Abstandsblock zur Verlegung nach dem Prinzip "Stein-an-Stein" und oben einen einheitlich exakten Fugenabstand, der auf Kundenwunsch spezifiziert wird.

Die großflächigen Abstandsblöcke stellen sicher, dass die Druck-, Schub- und Zugkräfte auf die gesamte Flankenfläche übertragen werden. Zwischen die Abstandsblöcke wird bei Erstverlegung Quarzsand eingerüttelt. Durch diese Kombination entsteht ein Verbund mit extrem hoher Festigkeit.

Die oben folgende Nut fräsen Johann Stolls Maschinen ebenfalls komplett umlaufend. Je nach Dicke und Art der Natursteine ist die Nut 2 bis 3 cm hoch. Oben verjüngt sie sich auf die vom Kunden gewünschte sichtbare Fugenbreite. Die Fuge sollte aber nicht zu breit sein, damit das eingeschlämmte Material nicht langfristig herausgespült wird. Als optimal haltbar haben sich Fugen mit 5 bis 8 mm Breite erwiesen. Zur Stabilisierung des Fugenmaterials erhält jede Fugenfräsung quer verlaufende Rillen. Sie sorgen dafür, dass ein Austreten des eingeschlämmten Fugenmaterials verhindert wird. Optisch erinnert die Fugentasche an die Form eines Schwalbenschwanzes.

Der Lapis Perfectus lässt sich in ungebundener Bauweise auf Tragschichten verlegen, die nach RSTO hergestellt werden. Die Bettung wird gemäß den gängigen Technischen Lieferbedingungen und Zusätzlichen Technischen Vertragsbedingungen der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswege hergestellt. Alternativ ist eine Verlegung auf Hartgesteinsplitt 2/5 möglich, der in Analogie zur Herstellung einer Bettung für Betonpflasterflächen planeben abgezogen wird.

Zum Ausgleich von Toleranzen der Steinhöhe bis 5 mm empfiehlt das Unternehmen Der Stein bei Realisierung von gebundenen Tragschichten eine Mindest-Bettungsdicke von 5 cm. Zudem sollte eine Vorverdichtung der Bettung unterbleiben, damit Sägetoleranzen, Feinausrichtung der Pflasterreihen und Verlegeverkehr auf der bereits belastbaren, verlegten Fläche ausgleichbar sind. Auf diese Weise entsteht eine minimale Fuge im unteren Lastabtragungsbereich.

Die Stein-an-Stein-Verlegung hat als weiteren Vorteil, dass der Lapis Perfectus direkt ab Lieferpalette mit Hilfe eines handelsüblichen Verlegegeräts schnell und bequem maschinell gesetzt werden kann.

Die Verfugung des Lapis Perfectus erfolgt in zwei Arbeitsgängen. Nach Verlegen oder maschinellem Setzen und Feinausrichten des Fugenverlaufs werden die Fugen zunächst mit feuergetrocknetem Quarzsand verfüllt, der eine maximale Kornstärke von 0,7 mm haben darf. Nun folgt eine Rammung des Plattenbelags mit Hilfe einer mittelschweren Rüttelplatte mit Vulkanschürze. Dadurch setzt sich der Fugensand im unteren Lastabtragungsbereich bis zur Oberfugentasche fest. Es entsteht ein extrem stabiler Verbund der Pflasterfläche.

Die Schwalbenschwanz-förmige Nut des Lapis Perfectus ist je nach Kundenwunsch 2 bis 3 cm hoch.

In die Fugentasche wird im zweiten Arbeitsgang mehrmals hintereinander ein Brechsand-Splitt-Gemisch eingeschlämmt und eingerüttelt. Die maximale Korngröße hängt von der gewünschten Fugenbreite ab. Bspw. müssen 8 mm breite Fugen mit maximal 8 mm Korngröße verfüllt werden. Die konische Form der Fuge sorgt dafür, dass diese dauerhaft gefüllt bleibt und nur in sehr geringen Umfang gelegentlich nachgefüllt werden muss. Die üblichen Unterhaltskosten für Nachverfugungen entfallen dadurch. In langjähriger Praxis von Johann Stoll hat sich erwiesen, dass eine zweimalige Einschlämmung und Rüttelung für einen vollständigen Verschluss der Fugen genügt.

Die fertig hergestellte Pflasterfläche ist sofort belastbar. Dabei ist die mögliche Belastung mit der gebundenen Bauweise vergleichbar – trotz Vorteilen der ungebundenen Regelbauweise. Ein weiterer sehr entscheidender Vorteil ist die Realisierung einer einheitlichen und exakten schmalen Fugenbreite. Dies sorgt sowohl für eine hohe Behinderten- und Seniorenfreundlichkeit des Straßen- und Gehweg-Belags als auch für eine deutliche Reduzierung der Fahrgeräusche von Pkw und Lkw. Der Lapis Perfectus kann bis in Bauklasse III verbaut werden.

Die hohe Stabilität der innovativen Naturstein-Pflasterung von Der Stein wurde bereits von unabhängigen Gutachtern bescheinigt. Zudem haben sich neben zahlreichen privaten Kunden auch schon einige Kommunen für Natursteine mit Lapis Perfectus-Nachbearbeitung entschieden – darunter die Städte Freising, Mengen, Rothenburg ob der Tauber und Schramberg.

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