Prävention vor fallenden Werkzeugen

Gefahr auch durch kleine Gegenstände

Von Stefan Haase

Hamburg. - Dass Arbeiten in der Höhe immer gefährlich sind, liegt auf der Hand. Dass Gerüstmonteure besonders gefährdet sind, ist wiederum bekannt.

Einer Erhebung der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) zufolge, verunglückten 2014 elf Gerüstbauer bei Abstürzen tödlich; das sind über 20 % aller Todesfälle durch Absturz bei baulichen Einrichtungen. Was angesichts dieser traurigen Statistik häufig in Vergessenheit gerät, ist, dass schwere Unfälle auch dann entstehen, wenn nicht der Arbeiter selbst, sondern sein Werkzeug oder Material in die Tiefe fällt – und dort jemanden trifft.

Laut DGUV kam es 2014 zu mehr als 26 000 meldepflichtigen Unfällen durch herabfallende Gegenstände. 31 Menschen verloren dabei ihr Leben. Das sind knapp 10 % aller tödlichen Unfälle im selben Jahr. Unfälle durch fallende Gegenstände sind damit nach Abstürzen von Personen die zweithäufigste Ursache für Todesfälle. Weitere 360 Personen wurden durch herabfallende Gegenstände schwer verletzt und sind heute arbeitsunfähig.

Trotz dieser Zahlen stehen bei betrieblichen Schutzmaßnahmen eher die Sicherung und Rettung des Mitarbeiters im Fokus. Gegenstandssicherung wird tendenziell als zweitrangig betrachtet. Dabei ließe sich diese relativ leicht bewerkstelligen. Voraussetzung ist eine ausreichende Aufklärung und Schulung der Mitarbeiter und ein Sicherheitsmanagement-System, das den Fallschutz für Werkzeuge berücksichtigt. Nicht zu vergessen ist dabei, dass laut den Technischen Regeln zu Arbeitsstätten, auch Materialien eine potenzielle Gefahrenquelle bilden, da sie umstürzen, abgleiten, abrollen oder auslaufen können.

Am Ende ist es egal, ob ein Zollstock, eine Schraube oder Bauschutt in die Tiefe stürzen: Bereits bei einer Fallhöhe von knapp 2 m und einem Gewicht von einem 0,5 kg, kann eine Person durch einen herabfallenden Gegenstand ernsthafte Schäden erleiden. Nicht zu unterschätzen ist auch der Radius der Gefahrenzone. Ein Beispiel: Fällt ein 3,7 kg schwerer Universalschraubenschlüssel aus einer Höhe von 14 m in die Tiefe und prallt 6 m über dem Boden seitlich ab, so fliegt er bis zu 20 m zur Seite. Bei einer Fallhöhe von 70 m schleudert der Gegenstand sogar bis zu 130 m weit.

Um dies zu verhindern, empfiehlt es sich, Fallschutz für Gegenstände als festen Bestandteil des Risikomanagements zu betrachten. Ausgehend vom Prinzip der Hierarchiekontrolle ist der bestmögliche Schutz entsprechend, mögliche Abstürze von vorneherein auszuschließen oder zu minimieren, z. B. über die Installation von Geländern, einem Seitenschutz und Auffangnetzen. Sinnvoll ist es auch, bewegliche Plattformen stets auf den Boden herabzusenken und dort soweit möglich alle Arbeiten zu erledigen.

Selbstverständlich ist neben diesen baulichen Vorrichtungen das Tragen eines Helmes ein wichtiges Element im Rahmen der Schutzmaßnahmen. Allerdings muss klar festgehalten werden, dass ein Helm nur beim Herabfallen leichter Gegenstände aus relativ geringer Höhe Verletzungen verhindern kann.

Es ist daher sinnvoll, den Fallschutz von Werkzeugen mit derselben Ernsthaftigkeit anzugehen, wie den Fallschutz von Menschen. Mit Ösen oder Karabinern lassen sich bspw. viele Werkzeuge direkt am Gürtel oder an der Tasche des Anwenders befestigen. Oftmals ist es auch praktisch, die Werkzeuge direkt mit einem verstellbaren Band am Handgelenk anzubringen. Halteseile und Verbindungsmittel dafür gibt es in verschieden großen Belastungsgrenzen.

Um zudem Arbeitsutensilien zu sichern, die keine Öse haben, lassen sich ganz einfach Gurtbänder mit glasfaserverstärktem Silikonklebeband an dem Werkzeug fixieren. Kleinere Gegenstände wie Schrauben lassen sich in Sicherheitsbehältern aufbewahren, die ebenfalls direkt am Gürtel oder Auffanggurt des Anwenders befestigt sind. Diese sollten über besondere Verschlusssysteme verfügen, die verhindern, dass Objekte bei Höhenarbeiten aus dem Behälter rausfallen können. Wichtig ist, dass die Anwender auf praktische und gut nutzbare Lösungen zurückgreifen können, sonst werden sie – das zeigt die Praxis – die Schutzmittel ignorieren.

Mindestens ebenso wichtig wie das geeignete Sicherheitszubehör, ist das Training für Mitarbeiter. Es trägt dazu bei, den Blick für die Gefahren durch fallende Gegenstände zu schärfen und hält die Höhenarbeiter immer auf dem neuesten Stand – selbstverständlich auch darüber, was für Schutz- und Rettungsmaßnahmen für die eigene Person und die Kollegen angebracht sind. Es ist Aufgabe der Vorgesetzten, entsprechende Seminare zu ermöglichen und die Teilnahme der Mitarbeiter im Blick zu haben.

Maßnahmen und Materialien wie beschrieben dämmen die Gefahrenquellen ein, können Unfälle verhindern und Baustellen sicherer machen – kurz: können Menschenleben schützen. Nicht zu Letzt sparen Unternehmen, die in den richtigen Schutz investieren, die hohen Kosten, die beispielsweise durch Arbeitsausfälle oder durch den Verlust von teuren Werkzeugen entstehen.

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