Rettungswege für Hauptbahnhof

Maßgeschneiderte Lösungen mit Treppentürmen umgesetzt

München (ABZ). - Mit ca. 450 000 Reisenden pro Tag ist der Münchener Hauptbahnhof der am zweitstärksten frequentierte Bahnhof der Deutschen Bahn. Zwischen Oktober und Dezember letzten Jahres wurden an verschiedenen Nebengebäuden des Münchener Hauptbahnhofes die zweiten, baulichen Rettungswege geschaffen. Der Bauherr, die Deutsche Bahn AG hatte sich dafür entschieden, dazu Fluchttreppentürme aus Gerüstmaterial bauen zu lassen.

Ausgeschrieben waren dabei die baulichen Maßnahmen zur Erstellung des zweiten Rettungswegs aus Räumen im Zwischengeschoss sowie aus dem dritten und vierten Obergeschoss des InterCity-Hotels – dem so genannten Südbau – sowie aus den Parkdecks im vierten und fünften Obergeschoss des Ostfrontgebäudes Süd. Der Südbau des Hauptbahnhofes wurde in den 50er-Jahren, das Ostfrontgebäude Süd in den 60er-Jahren wiederaufgebaut. Die Gebäudeteile sind in sehr unterschiedlichem Zustand. Teilweise erfolgten seit mehreren Jahrzehnten keine Sanierungen.

Die Gerüstbaufirma Waco Wetterschutz-Dachsysteme GmbH aus München wurde bereits während der Erstellung des Angebotes durch die Konstrukteure der Alfix GmbH aus Großschirma unterstützt. Zu diesem Zeitpunkt wurden Materiallisten und ein erstes 3D-Modell erstellt. Auf dieser Grundlage konnte ein sehr präzises Angebot abgegeben werden und der Auftraggeber erhielt bereits in diesem Stadium eine Visualisierung des geplanten Projektes. Schließlich erhielt die Firma Waco als Unternehmen mit langjähriger Erfahrung im Gerüstbau den Auftrag als Nachunternehmer von dem mit der Gesamtmaßnahme beauftragten Unternehmen Franz Kassecker GmbH. Nun konnten bei einem gemeinsamen Ortstermin mit dem Bauherr, Architekt, den ausführenden Unternehmen und einem Team der Firma Alfix alle Rahmenbedingungen vor Ort geklärt werden.

Insgesamt kamen bei diesem Projekt 30 t Modulgerüst in Form von drei Treppentürmen als provisorische Treppenhäuser in gerüstbauweise mit flug- und treibschneesicherer Fassadenbekleidung aus Streckmetall zur Ausführung: davon zwei Treppentürme mit einer Höhe von 19 m und ein kleinerer mit 7 m Höhe. Die Arbeiten erfolgten im laufenden Betrieb der umliegenden Nutzungsbereiche. Aufgrund der erforderlichen Verkehrslast von 500kg/m bei Fluchttreppentürmen und der großen Bauhöhe musste eine besondere Stielanordnung gewählt werden. Da auch bei Treppentürmen die Anforderung an eine Durchgangshöhe von 2 m besteht und zudem bei Fluchttreppen die geforderte Verkehrslast für die gesamte Lauflänge vorgesehen werden muss, hat dies erheblichen Einfluss auf die mögliche Knicklänge und Tragfähigkeit der einzelnen Vertikalstiele. Insgesamt wurde bei diesem Projekt die übliche 16-stielige Anordnung, welche bei kleinen Bauhöhen für den Grundturm Anwendung findet, in eine 36-stielige Anordnung mit Alfix-Vertikalstielen geändert.

Eine weitere Besonderheit war bei diesem Projekt die Auflagerung des Treppenturmes, da sich unter den Treppentürmen eine Tiefgarage befindet, deren Deckenebene nur eine begrenzte Tragfähigkeit aufwies. Durch den Hauptunternehmer wurde daher eine Unterkonstruktion aus Stahlträgern mit definierten Lasteinleitungspunkten erstellt. Grundlage für diese Unterkonstruktion war wiederum die prüffähige statische Berechnung der Konstruktionsabteilung der Firma Alfix. Die Geometrie der bestehenden Konstruktion war dabei sehr komplex. So musste ein vorhandener Treppeneingang in die Tiefgarage mit Gitterträgern überbaut werden. Gleichzeitig aber der Übergang zum Gebäude hergestellt werden. Mit dem System Alfix Modul metric konnten alle diese Aufgaben ohne Probleme gelöst werden. Durch die am Vertikalstiel angeschweißte Anschlussscheibe besticht das Modulsystem durch die nötige Variabilität und konnte so allen Anforderungen bei diesem Bauvorhaben gerecht werden.

Eine Herausforderung bestand darin, den Wunsch des Bauherrn zu erfüllen, die Konstruktion mit einer Verkleidung aus Streckmetall und der Eindeckung der Dachfläche mit Trapezblechprofilen flug- und treibschneesicher auszuführen. Diese Verkleidung sowie die Befestigung des Streckmetalls hat der Hauptunternehmer in Abstimmung mit dem Gerüstbauer erarbeitet. Diese Konstruktion wurde durch Alfix in der statischen Berechnung berücksichtigt.

Für die Dachkonstruktion wurde von der Firma Alfix eine Sonderkonstruktion als Trägerrost aus verzinkten Stahlprofilen IPE 120 geplant und gefertigt. Dabei wurden im Vorfeld alle Bohrungen zur Verbindung der Stahlprofile im Alfix-Werk vorgefertigt und alle Verbindungsmittel mitgeliefert, sodass die Montage der Sonderanfertigung auf der Baustelle durch den Gerüstbauer problemlos möglich war.

Im Dachbereich des Turmes wurden Alfix-Vertikalstiele mit geschraubtem Rohrverbinder verwendet. Nach Demontage der Rohrverbinder konnten schwenkbare Fußspindeln mit einer Alfix-Kopfspindelsicherung verbaut werden. Dadurch konnten auch abhebende Kräfte aus einer Windbeanspruchung in die Konstruktion eingebracht werden, heißt es von Unternehmensseite. Durch die Schwenk- und Höhenverstellbarkeit konnte eine Dachneigung realisiert werden. Das auf dem so geneigten Trägerrost montierte Trapezblech, ermöglichte die komplette Einhausung des begehbaren Bereichs.

Auch am Münchener Hauptbahnhof hat sich die Maxime von Alfix nach eigenen Angaben wieder bewährt: Eine enge Abstimmung zwischen Nutzer, Gerüstbauer und Planer im Vorfeld führt zu einem reibungslosen Ablauf. Durch die detaillierte Vorplanung ermöglicht Alfix einen Komplettservice aus einer Hand und liefert so Planungsunterlagen sowie eine prüffähige statische Berechnung gleich mit.

Das Unternehmen ist auf der Messe Dach + Holz 2016 in Halle 1 (1.315) vertreten.

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