Sachverständiger

Flughafen-Kosten wurden unzureichend kontrolliert

Berlin (dpa). - Die Probleme des neuen Hauptstadtflughafens beruhen aus Sicht von Beteiligten auch auf mangelhaftem Controlling und zu eng gesetzten Terminen. Die Kosten sind demnach über Jahre nicht ausreichend kontrolliert worden. Eine mitlaufende systematische Kostenprognose sei erst 2010 eingeführt worden, sagte der Professor für Bauwirtschaft, Franz Diemand, im Untersuchungsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses.

Zwar sei der Kostenstand ermittelt worden, die Hochrechnung bis zum Bauende sei jedoch unzureichend gewesen, sagte Diemand, der das System im Auftrag des Flughafens bis 2012 ergänzte. "Es war eigentlich zu spät", bemerkte der Ingenieur. In der Zwischenzeit wurde der für 2011 geplante Eröffnungstermin für den drittgrößten deutschen Flughafen abgesagt. Die Kosten hatten sich seit Baubeginn 2006 von 2 Mrd. Euro auf 3 Mrd. 2012 erhöht. Dazu trugen auch Erweiterungen des Projekts und Beschleunigungsversuche bei.

Aktuell gibt die Flughafengesellschaft die Kosten mit 5,4 Mrd. Euro an. Der spektakulär geplatzte zweite Eröffnungstermin im Juni 2012 war aus Sicht des Projektsteuerers Rolf Peterhänsel von Anfang an zu ehrgeizig gesetzt. Als der 2011er-Termin abgesagt worden war, hätten die Bauherren dem Projekt trotz Warnungen nur sieben weitere Monate Zeit gegeben, sagte der Architekt im Ausschuss.

"Wir haben den Vorschlag 17 Monate gemacht, um in den März 2013 zu gehen", erinnerte Peterhänsel an die internen Debatten im Jahr 2010. "Man hat ja gewusst, wie viele Dinge da noch im Argen lagen." Mittlerweile sind vier Eröffnungstermine für den Großflughafen geplatzt. Derzeit planen die Betreiber eine Eröffnung im zweiten Halbjahr 2017.

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Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 02-2016.

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