Windkraft-Logistik

Intelligente Transportlösungen sind im Trend

Umschlag von Windflügeln von Wasser auf Straße.

Hamburg (ABZ). – Die Windenergy in Hamburg hat sich mittlerweile als Leitmesse der Windkraft-Branche etabliert. Sie war daher Pflichttermin für alle, die in der Branche tätig sind, und im Bereich der Windkraft etwas auf sich halten: Dienstleister, Zulieferer, Hersteller, Planer, Betreiber, Energieversorger. Das Zusammenlegen von Messe und Fachkongress erhöhte die Expertendichte zur Freude der 1200 Aussteller zusätzlich.

Nationales und Internationales Fachpublikum war in etwa zu gleichen Teilen vor Ort. Am Stand der Schwertransport-Kooperation BigMove waren die aktivsten Messetage diesmal die mittleren, Mittwoch und Donnerstag. Die Windmesse Husum hingegen differenziert sich aus Sicht der BigMover. Sie scheint sich fachlich in dem weiten Feld der Windkraft auf bestimmte Bereiche wie die Anlagenherstellung zu spezialisieren.

Die EEG Gesetzesnovelle war erneut Gesprächsthema 'Nummer Eins' in Hamburg. Branchenerfahrene vermuten, dass die Höhe der Produktion nächstes Jahr von der Novelle dennoch unbenommen bleiben wird, dass sogar Steigerungen möglich sind, weil die Betreiber noch vor Inkrafttreten der Novellierung installieren wollen. Wenn die geänderten Ausschreibungsmodalitäten im Rahmen der gesetzlichen Erneuerung faktisch zum Tragen kommen, dann könnte dies negativ auf die Auftragslage drücken – solange bis die Marktteilnehmer sich auch hieran wieder gewöhnt haben. Anschließend könnte es erneut zu einer Konsolidierung kommen. Das unvorhersehbare Auf und Ab in der Windkraftbranche scheint somit Normalzustand zu bleiben. Dennoch, gute Performance wird in der Windkraftlogistik belohnt. Möglicherweise auch gerade weil die Branche stetigen Änderungen unterworfen ist, hat die gegenwärtige, die kurzfristige Performance besondere Bedeutung. Die Bindung zwischen Vertragspartnern mutet daher nicht so stark an wie beispielsweise in der Baubranche. Auf eine gute Dienstleistung wird in der Windkraftlogistik von Auftraggeberseite aus direkt und schnell reagiert. Denn die Transportprojekte sind oftmals sehr leistungsintensiv, die Verantwortung von Hersteller und Transporteur entsprechend umfassend. Ungeplante Verzögerungen in der logistischen Prozesskette sind extrem kostenaufwendig und werden daher schnell geahndet; nachvollziehbar, denn Hersteller und Betreiber unterliegen ja bereits durch die beschriebene unstete Gesetzeslage großen Unsicherheiten und damit großem Verzögerungspotenzial.

"Es gilt also intelligente logistische Lösungen zwischen Produktion und Montage zu bieten", so Marlo Gutmann, Geschäftsführer der Spedition Gutmann, die seit nunmehr 15 Jahren für die Windkraft tätig ist. "Der Trend geht weg von der bisherigen just-in-Time Lieferung auf die Baustelle. Er geht hin zur Flexibilität zwischen Produktion und Montage, räumlich und zeitlich. Gefordert sind pragmatische Logistik-Lösungen, welche die Zwischenlagerung so geschickt einschließen, dass diese Herstellern und Betreibern den notwendigen Spielraum bietet, so effizient wie möglich." Das wiederum bedeutet, dass eine Zwischenlagerung geografisch günstig gelegen sein muss, fachlich auf hohem Niveau gehandhabt werden muss und dass auch der Land- bzw. Straßentransport zeitlich von der Montage entkoppelt sein muss, also ebenfalls so flexibel wie möglich.

Die Dimensionen von Landtransporten in der Windkraftlogistik bleiben beeindruckend: Pro Anlage ohne Turm gilt ein Richtwert von zehn Sondertransporten, bei Flügellängen von mittlerweile bis zu 70 m. Der Turm einer Windkraftanlage wird dann je nach Konstruktionsart in drei bis 50 Einheiten transportiert, jede einzelne davon genehmigungspflichtig. Die Logistik solcher Anlagen zu Land ist folglich komplex. Potenziert wird die Komplexität noch von der schwer planbaren Zeitschiene der Lieferkette in Abhängigkeit von Gesetzen und Verordnungen. "Intelligente logistische Lagerkonzepte für die Windkraft sind mittlerweile Teil unserer Firmen-DNA. Wir sind Problemlöser, weit mehr als Transporteure", so das Resümee von Gutmann.

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Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 46/2016.

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