Wohnungsbau

"Lichtjahre" vom Bedarf entfernt

Düsseldorf (dpa). – Der Wohnungsneubau ist nach Einschätzung des Baugewerbes trotz leichter Steigerungen noch weit vom eigentlichen Bedarf entfernt. "Wir haben nach wir vor zu wenig Wohnungsneubauten, die Lücke wird auch immer größer", sagte der Hauptgeschäftsführer des Baugewerbe-Verband Nordrhein, Lutz Pollmann, im Vorfeld einer Wohnungsbaukonferenz zum Thema bezahlbares Wohnen in NRW. Das Rheinland gehöre zu den Regionen mit besonders angespannter Lage. Von 1994 bis 2010 sei die bundesweite Zahl der Baugenehmigungen von 700 000 auf unter 200 000 pro Jahr gesunken. Wobei die Deutsche Einheit Mitte der 90er Jahre den Bau angekurbelt habe. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts wurden 2016 von Januar bis November bundesweit zwar wieder 340 000 neue Wohnungen bewilligt – der höchste Stand in diesem Zeitraum seit 1999. Jedes Jahr müssten in Deutschland nach Expertenmeinung aber bis zu 400 000 neue Wohnungen gebaut und werden, um den steigenden Bedarf zu decken.

"Wir sind bei den Fertigstellungen noch Lichtjahre vom Bedarf entfernt", verdeutlichte Pollmann die Lage in Deutschland. Die für 2017 von Experten erwartete Zahl von über 300 000 fertiggestellten Wohnungen sei nur etwa die Hälfte dessen, was notwendig wäre. Neben dem Faktor Arbeitsplätze verschärfe der Trend zur Urbanisierung die Situation. "Früher war es schick, auf dem Land zu leben. Heute ist es schick, in einer Großstadt zu wohnen", schilderte Pollmann. Der Immobilienspezialist Deutsche Invest Immobilien geht davon aus, dass durch die geringe Zahl an Neubauten über viele Jahre hinweg in Deutschland mehr als 1 Mio. Wohnungen fehlen. Laut einer von der Gesellschaft in Auftrag gegebene Analyse des IW deckt der Neubau bei weitem nicht die Nachfrage: Zwischen 2011 und 2015 sind nur 32 % der benötigten Wohnungen in Ber-lin, Hamburg, Düsseldorf, Köln, Stuttgart, Frankfurt und München gebaut worden. Bundesweit wurde gut die Hälfte der benötigten Einheiten (53 %) gebaut.

Das Baugewerbe hält eine gemeinsame Anstrengung von Kommunen, Ländern und Bund für erforderlich, um die Situation auf dem Wohnungsmarkt zu entschärfen sowie den Anstieg der Mieten und Immobilienpreise zu bremsen. "Wir müssen an vielen Stellschrauben drehen", appellierte der Hauptgeschäftsführer des Baugewerbe-Verbandes Nordrhein.

Beispiel NRW: Zwar stehe das bevölkerungsreichste Bundesland bei den Fördermittel für den sozialen Wohnungsbau besser da, "als alle anderen Bundesländer zusammen". Die Landesregierung habe aber auf der anderen Seite die Grunderwerbssteuer auf ein Spitzenniveau angehoben. Zudem stiegen die Grundsteuern der Kommunen ständig weiter an. "Ein Grundstückseigentümer kann nicht flüchten aus dem Ort, deshalb ist er das bevorzugte Opfer, um Löcher im Haushalt zu stopfen", kritisierte der Vertreter des Baugewerbes. Aber nicht nur die Steuerbelastung bremse den Wohnungsbau, sondern auch Vorschriften spielten eine große Rolle. So verteuere ein ständiges Verschärfen der Energiesparverordnung das Bauen massiv. Die Kommunen müssten schneller und umfangreicher Bauland ausweisen.

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Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 07/2017.

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