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12. Technik-Tag der Schotterindustrie

Fortbildungsteilnehmer besuchten Steinbruch mit Uhu

Baupolitik, Baustoffe, Gewinnung, Messen und Veranstaltungen, Umweltschutz

Technik-Tag-Crew: Kai Fischer (ISTE), Jörg Mändle (Institut Dr. Haag), Peter Rombold (Vorsitzender des Güteschutzes Naturstein), Wolfgang Moeck (Ehrenvorsitzender des Güteschutzes Naturstein) und Martin Weiß (Geschäftsführer der Paul Kleinknecht GmbH & Co. KG.

KUPFERZELL-RÜBLINGEN (ABZ). - Immer auf dem neuesten Stand der Technik sein. Aktuelle technische Regelwerke für Gesteinskörnungen und Baustoffe kennen. Im Straßenbau, im Schienenwegebau, als Wasserbaustein oder als Zuschlag für Transportbeton.

Während dem technischen Fortbildungsseminar für Baustoffe und Naturstein, das der Industrieverband Steine und Erden Baden-Württemberg e. V. (ISTE) und der Güteschutz Naturstein Baden-Württemberg e. V. (GSNSt) zusammen mit der Fa. Paul Kleinknecht GmbH & Co. KG Schotter- und Splittwerke und dem Institut Dr. Haag GmbH durchführte, brachten 70 Interessierte ihr Wissen wieder auf die Höhe der Zeit. Fachliche Diskussionen und ein reger Austausch fanden während der anschließenden Werksführung im Steinbruch des Kooperationspartners in Kupferzell-Rüblingen statt.

"Regelmäßige Schulungen sind für alle Beteiligten im Bau notwendig. Ich bin dankbar, dass die heutige Veranstaltung ihren Beitrag dazu leistet", begrüßte Peter Rombold, Vorsitzender der Fachgruppe Naturstein im Industrieverband Steine und Erden Baden-Württemberg e. V. und Güteschutz Naturstein Baden-Württemberg e. V., die Anwesenden – unter ihnen auch der Ehren-vorsitzende Wolfgang Moeck, Alfred Moeck KG in Lenningen. "Schichten ohne Bindemittel im Straßenbau" lautete der Themenschwerpunkt, über den Diplom-Geologe Jörg Mändle vom Institut Dr. Haag GmbH (Kornwestheim) informierte und dabei aufzeigte, was von der Ausschreibung bis zum Einbau beachtet werden muss. Nach einem geologischen Exkurs, sensibilisierte Mändle die Teilnehmer dahingehend, wie man Material bestellt, damit es der aktuellen Norm entspricht. Speziell in Baden-Württemberg gibt es z. B. den "Dihlmann-Erlass", der den Einsatz von Baustoffrecyclingmaterial regelt. Wer Schichten ohne Bindemittel vertreibt, muss ein System zur werkseigenen Produktionskontrolle einrichten. Hinzu kommt eine Fremdüberwachung durch eine RAP Stra-Prüfstelle, wie sie z. B. das Institut Dr. Haag ist. Hier arbeitet Jörg Mändle seit vielen Jahren als stellvertretender Prüfstellenleiter sowie als Fremdüberwacher der Fa. Paul Kleinknecht GmbH & Co. KG. Weiter ging's mit Anforderungen an RAP Stra-Prüfstellen sowie jeder Menge Definitionen und Bezeichnungen.

Schließlich ging es darum, die fertige Leistung zu prüfen. Und zwar mit einer Kontrollprüfung. Ist die Kontrollprüfung nicht repräsentativ für die ganze ihr zugeordnete Fläche, gibt es eine zusätzliche Kontrollprüfung und letztendlich eine Schiedsuntersuchung. Mändle zeigte sachgerechte und unsachgemäße Ausschreibungen auf. "Das UF3-Gemisch treibt hier sein Unwesen", sagte er scherzhaft und machte auf "UF3-Fehler" in einer Ausschreibung aufmerksam. Auf den optimalen Wassergehalt achten, Entmischung vermeiden und nicht lange offen liegen lassen, sind einige der Punkte, die man beim Einbau von Schichten ohne Bindemittel zwingend beachten sollte. Über die gängigsten Labor- und Feldversuche wie das Ballonverfahren, der die Dichte des Materials prüft oder den Lastplattendruckversuch, informierte Mändle die Teilnehmer, bevor er detailliert darstellte, wie eine ordnungsgemäße Probenahme durchzuführen ist. "Bei unterschiedlichen Prüfergebnissen ist nach unserer Erfahrung meist eine unsachgemäße Probenahme die Ursache." Die Seminarteilnehmer erfuhren im Detail, wieviel und wo das Material als Probe genommen, geteilt, gekennzeichnet, verpackt und versandt werden sollte.

An Primärmaterialien können keine Umweltanforderungen gestellt werden. "Dennoch sind diese in letzter Zeit öfter in Ausschreibungen zu finden", sagte Kai Fischer, im Industrieverband Steine und Erden Baden-Württemberg e. V. für die Fachgruppe Naturstein zuständig und gleichzeitig Geschäftsführer des Güteschutzes Naturstein. "Es gibt in Deutschland keine gesetzlichen Vorschriften, aus denen Umweltanforderungen für Natursteine ableitbar sind", unterstrich Fischer und gab den Anwesenden Argumente dafür an die Hand.

Baupolitik, Baustoffe, Gewinnung, Messen und Veranstaltungen, Umweltschutz

Sprengung im Steinbruch Rüblingen.

Ortswechsel: Muschelkalk-Steinbruch der Firma Paul Kleinknecht in Kupferzell-Rüblingen. Beeindruckende Dimensionen. 50 ha insgesamt, davon 4 ha im aktiven Abbau. In der Aufbereitungsanlage wird u. a. das Material für die güteüberwachte Schottertragschicht hergestellt. Dazu braucht man Muschelkalk. Erst wenn die oberen Schichten abtransportiert sind, kommt man an den Muschelkalk. Und zwar durch Sprengung. Die Teilnehmer hatten die Gelegenheit bei einer echten Sprengung dabei zu sein. Senkrecht, parallel zur Bruchkante gebohrte Löcher, die so tief wie die jeweilige Wand sind, werden mit Sprengstoff gefüllt. "Damit der Sprengstoff losgeht, haben wir in jedem Bohrloch einen Zünder liegen", erläuterte Geschäftsführer Martin Weiß. Die 70 Besucher staunten nicht schlecht, als es nacheinem lauten "Achtung" und zwei Warntönen in der gegenüberliegenden Wand mächtig knallte und anschließend das Haufwerk zum Laden bereit lag. Ein interessantes Schauspiel war der Abtransport durch den Hochlöffelbagger ebenso wie die Erläuterungen von Betriebsleiter Peter Scharlipp, der das Prinzip des Reißens erläuterte. Als Alternative zur Sprengung "reißt" der Rüblinger Steinbruch seit einigen Monaten den Muschelkalk. Wie das in der Praxis aussieht, zeigte ein 75 t schwerer Tieflöffelbagger. "Wir machen das testweise. Bis jetzt läuft es gut." Nach dem "Einmaleins" der Aufbereitung, kam Geschäftsführer Martin Weiß auf den "Steinbruch-Uhu" zu sprechen, der sich hier wohl fühlt. "Wir haben den Artenschutz im Fokus und sind stolz auf unseren Uhu und die anderen Vögel, Reptilien, Käfer und Pflanzen." Denn nach der Rohstoffgewinnung kehrt die Natur in den Steinbruch zurück. Auch hiervon konnten sich die Besucher überzeugen. Niemand konnte glauben, dass auf dem grünen Platz vor den Toren des jetzigen Steinbruchs mit den vielen Bäumen und Büschen einst die Ursprünge des bis zu 60 m tiefen Steinbruchs waren. "Und damit schließt sich der Kreis. Wir graben nicht nur Löcher und erzeugen Lärm, wir heilen die Wunden auch", sagte Geschäftsführer Martin Weiß.

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 41/2015.

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