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17. Deutscher Schlauchlinertag und 8. Deutscher Reparaturtag

Veranstaltungen stellen Praxis in den Vordergrund

Vorträge und Informationen rund um das Schlauchlinerverfahren (Foto: Alphaliner1800) erwarten die Besucher des Deutschen Schlauchlinertages.

Troisdorf (ABZ). – Sanierungstechnik zum Anfassen – so könnte das Motto des 17. Deutschen Schlauchlinertages und des 8. Deutschen Reparaturtages lauten. Die beiden Veranstaltungen am 2. und 3. April in der Stadthalle in Troisdorf sollen mehr noch als in den Vorjahren die Praxis in den Vordergrund stellen. Anwender und kommunale Netzbetreiber berichten von ihren Erfahrungen, Unternehmen stellen Neuerungen vor und auch den forumsbegleitenden Fachausstellungen und den moderierten Außenvorführungen wird an beiden Veranstaltungstagen Platz eingeräumt. Das schafft viel Raum für den Austausch untereinander: "Gerade die kritische Auseinandersetzung sorgt für Impulse, welche die Branche zu Weiterentwicklungen von Verfahren und Technik anregt" – davon sind Organisator Dr. Igor Borovsky, 1. Vorsitzender der Technischen Akademie Hannover e. V. (TAH) und Geschäftsführer des Verbandes Zertifizierter Sanierungsberater für Entwässerungssysteme e. V. (VSB), Franz Hoppe, lange Jahre in verantwortlicher Position bei der Hamburger Stadtentwässerung tätig, und Michael Hippe, Vorstandsvorsitzender des VSB, überzeugt. Einer Meinung sind die Macher der Doppelveranstaltung auch darin, dass Schlauchlinertag und Reparaturtag zusammengehören, da nahezu bei jeder Schlauchlinersanierung Reparaturtechniken benötigt werden und zum Einsatz kommen.

Renovierungs- und Reparaturarbeiten an der Kanalisation verfügen über einen hohen Standard und haben sich als Alternative zur Erneuerung längst etabliert. Mit Blick auf weitere Anwendungsmöglichkeiten, Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit feilen Hersteller und Anwender an der Weiterentwicklung ihrer Produkte. So werden die realisierbaren Nennweiten immer größer. Mit Nadelfilzlinern wurden bereits Haltungen von DN 2400 renoviert. Die UV-lichthärtenden Schlauchliner ziehen nach: Mit der Verbesserung von Aushärteintensität und -geschwindigkeit sind Nennweiten bis 1500 mm möglich, und bei den Wandstärken hat die Grenze des Machbaren die 20 mm überschritten. Hinzu kommt: Mit zunehmender Bogengängigkeit eröffnet sich der Schlauch neue Einsatzgebiete – etwa innerhalb von Gebäuden.

Der Schlauchlinertag setzt in zweierlei Hinsicht Akzente: Wie gehe ich planerisch vor und wo muss das Regelwerk – insbesondere mit Blick auf die europäische Normung – gegebenenfalls angepasst werden? Vorträge unter dem Oberbegriff Qualitätssicherung beschäftigen sich mit Anforderungen an die Probeentnahme, den Materialkennwerten und ihrer Bedeutung für Statik und Ausschreibung sowie der Bedeutung von Linerfalten.

Parallel zu den Vorträgen findet das Einsteigerforum statt, das mit Grundlagen, Einsatzgrenzen und Erfahrungen bei Hauptkanälen und den Möglichkeiten des Schlauchlinings auf Grundstücken und bei Hausanschlussleitungen eine Basis für die fachliche Auseinandersetzung mit dem Verfahren schafft. Daneben kommen die Sponsoren zu Wort. In Kurzvorträgen werden Hersteller und Anwender detailliert über technische Weiterentwicklungen in den Unternehmen berichten.

Mit der RAL-Gütesicherung Kanalbau wollen Auftraggeber, Ingenieurbüros und Unternehmen die Qualität im Kanalbau verbessern. Um Qualitätssicherung geht es auch beim Deutschen Schlauchlinertag und beim Deutschen Reparaturtag.

Dann stehen noch einmal Technik und Praxis im Mittelpunkt. Die Kalibrierung von Altrohren ist eine Voraussetzung für fehlerfreie Liner. Insbesondere bei geringen Wanddicken sind detaillierte Kenntnisse über das Altrohr notwendig. "Eine gute Vorarbeit sorgt an dieser Stelle für ein gutes Sanierungsergebnis", erklärt Hoppe. Mit einem Blick auf die Entwicklung bei der Sanierung von Schächten im Schlauchliningverfahren – hier werden Lösungsmöglichkeiten einschließlich der Gerinneauskleidung vorgestellt – und dem Dauerbrenner "Anbindungstechniken für den Schlauchliner" geht der erste Veranstaltungstag zu Ende.

Mit neuem Einstieg präsentiert sich der 8. Deutsche Reparaturtag. Unter dem Titel "Anforderungen heute und morgen" wird kurz auf den Stand der Dinge bei der Normenarbeit eingegangen und Klassifizierungen von Techniken und Materialien sowie aktuelle Entwürfe nationaler und internationaler Normarbeit vorgestellt. Danach steht die digitale Reparaturbaustelle "Wasserwirtschaft 4.0" im Fokus. Vergabeplattformen, XRechnungen, BIM-Ansätze und Cloudlösungen bilden inhaltliche Schwerpunkte.

Auch der Reparaturtag räumt dem Thema Schachtsanierung ausreichend Platz ein. "Schächte – die besonderen Sanierungsobjekte" ist ein Vortragsblock überschrieben. Lassen sich Abwasserschächte überhaupt dauerhaft dicht sanieren? Mörtelbeschichtung, Kunststoffbeschichtung, Auskleidung – wo liegen die Vor- und Nachteile der verschiedenen Verfahren, welche Qualität ist zu erwarten und was gilt es zu beachten? Gleichermaßen beleuchtet werden neue Sohlen für den Schacht.

Im Anschluss daran berichten kommunale Netzbetreiber über ihre Erfahrungen mit Reparaturverfahren in der Praxis. So z. B. über den Einbau von Kurzlinern: Immer mal wieder gibt es bei diesem etablierten Sanierungsverfahren unbefriedigende Ergebnisse, doch bei ausreichender Sicherstellung der Qualität lassen sich gute Ergebnisse erzielen – so der Tenor. Bei den Spachtel- und Verpressverfahren handelt es sich um eine Domäne der Roboter. Sie sind universell für verschiedenste Arbeitsschritte einsetzbar, stoßen allerdings bei Schadensbildern wie Scherbenbildung auch an ihre Anwendungsgrenzen. Genauso erfolgreich lassen sich Innenmanschetten bei punktuellen Schäden im Kanal einsetzen. Mit dem Flutungsverfahren wird auch ein im öffentlichen Bereich weniger verbreitetes Verfahren behandelt, welches im Grundstücksbereich allerdings abschnittsweise eingesetzt wird. Das Verfahren ist in der Regel nicht so langlebig wie andere Sanierungsverfahren, bietet aber oft die letzte Chance in unzugänglichen Bereichen.

Neuland betritt der Reparaturtag mit dem Thema "die Sanierung der Sanierung". Die meisten Verfahren wurden für klassische Rohrwerkstoffe wie Steinzeug oder Beton entwickelt. Die Sanierung von bereits sanierten Haltungen erfordert spezielle Kenntnisse: Fachleute stellen typische Fälle vor und berichten von ihren Erfahrungen.

Mit den "Tücken der Sanierungspraxis" geht der 8. Reparaturtag thematisch zu Ende. Was ist bei Planung, Ausschreibung, Überwachung und Einforderung der Qualität zu berücksichtigen – etwa mit Blick auf das heikle Thema Abwasserfreiheit in der Kanalreparatur? Nach den Anforderungen muss der Bereich der Reparatur abwasserfrei sein. Laut Einschätzung von Fachleuten wird Abwasserfreiheit aber nur in 50 % der Fälle hergestellt. Das ist ein starker Widerspruch. Sind die Anforderung zu weit gefasst oder handelt es sich um Schluderei? Hierüber soll ebenso diskutiert werden wie über die richtige und fachgerechte Ausschreibung. Mit Themen wie der Sanierungsüberwachung und Ausführungsfehlern greift der Reparaturtag abschließend noch zwei heiße Eisen auf.

Mehr Infos zum Tagungsprogramm finden sich unter www.schlauchliner.de und www.reparaturtag.de.

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Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 06/2019.

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