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2. Fachtagung Schraubenverbindung

Neufassung der VDI 2230 präsentiert

ITH Schraubtechnik, Fachtagungen und Kongresse

Die Vermittlung neuer Erkenntnisse und Optimierungspotentiale im Bereich Schraubenverbindungen größer als M20 stand im Fokus der 2. Fachtagung Schraubenverbindung.

MESCHEDE (ABZ). - Renommierte Referenten aus Deutschland vermittelten kürzlich neue Erkenntnisse und Optimierungspotentiale von Schraubenverbindungen größer als M20 bei der 2. Fachtagung Schraubenverbindung. Vor allem die kommende Neufassung der VDI 2230, Blatt 2 sorgte für besonderes Interesse. Die Vorträge der Referenten aus ganz Deutschland befassten sich mit der Berechnung, Kontrolle und Auslegung von Schraubenverbindungen und stießen auf insgesamt positive Resonanz bei den rund 80 teilnehmenden Ingenieuren und Technikern aus Deutschland, Österreich, Schweiz und Dänemark. Besonders gespannt verfolgten sie den Vortrag von Prof. Dr. Willfried Lori mit demTitel "Neues zur VDI 2230, Blatt 2". Immerhin beinhaltet jene Richtlinie Grundsätze für die Auslegung und Berechnung von Schraubenverbindungen. Professor Lori – seines Zeichens Obmann der VDI 2230 – präsentierte alle Neuerungen aus erster Hand, der Weißdruck der VDI 2230 wird erst im Dezember 2014 veröffentlicht.

Ein kurzer Einblick in die VDI 2230:

  • ? Blatt 1 fokussiert die systematische Berechnung von zylindrischen Einschrauben Verbindungen (ESV).
  • ? Neu: Blatt 2 fokussiert die systematische Berechnung von Mehrschraubenverbindungen (MSV). Es muss die am höchsten belastete Schraube identifiziert werden, welche dann gemäß dem Blatt 1 berechnet wird.
  • ? Blatt 1 beinhaltet eine Präzisierung der Berechnung von Einschraubverbindungen (ESV) unter besonderer Berücksichtigung der Kräfteverhältnisse, Biegebelastungen sowie Torsions- und Querbelastungen. Hier flossen neue Ergebnisse aus FEM-Berechnungen mit ein, deren Systematik in Blatt 2 ebenfalls neu definiert wird (Wechselwirkung zwischen Blatt 1 und 2).


Neues Kapitel 5:

  • ? Die VDI 2230 unterscheidet künftig eindeutig zwischen drehenden und ziehenden Anziehverfahren. Das hydraulische Anziehen mit Schraubenspannzylindern wird in Kapitel 5 beschrieben und in der Tabelle A8 (Anziehfaktoren Alpha-A Faktoren) berücksichtigt.
  • ? Für das hydraulische, reibungs- und torsionsfreie Vorspannen mit Schraubenspannzylindern wird unter anderem die Begrifflichkeit Montageverspannkraft FVM eingeführt (durch das Werkzeug aufgebrachte Kraft).


Zusammenfassend bilanzierte Prof. Dr. Lori in seinem Vortrag: "Grundlegende Berechnungen wurden ergänzt, verbessert und umfassender angelegt. Die Eindeutigkeit und die Realitätsnähe wurden erhöht." Anknüpfend an die neue Version der VDI 2230 bot Referent Frank Hohmann einen Ausblick auf zukünftige, mögliche Weiterentwicklungen bezüglich der Aussagen zur Schraubennachgiebigkeit. "Die Ergebnisse unserer durchgeführten Testreihen haben ergeben, dass die VDI 2230 in ihren Aussagen zur anteiligen Schraubennachgiebigkeit bei bestimmten Fällen eine zu hohe Abweichung aufweist", erklärte Frank Hohmann, Geschäftsführer der ITH Schraubtechnik und Ausrichter der Veranstaltung. "Es wäre zu überlegen, einen Korrekturfaktor in die Berechnungen mit aufzunehmen." Als bekannt kritischer Geist intervenierte Prof. Dr. Lori: "Dieser Meinung kann ich nicht uneingeschränkt zustimmen."Es folgte ein lebhafter Gedankenaustausch der beiden Referenten und dem Plenum der Teilnehmer. Die Diskussionen der Experten blieben kritisch, aber immer sachlich und konstruktiv – was auch den Geist der 2. Fachtagung Schraubenverbindungen widerspiegelt. "Wir haben noch einiges an Arbeit vor uns", einigten sich die Referenten schiedlich auf die weitere Zusammenarbeit bezüglich der Thematik und richteten Ihren Blick nach vorn. Auch die Thematik "Wartungsfreie Schraubenverbindungen" fand großen Anklang, wie die Ergebnisse der Umfrage zeigten.

Referent Ulrich Uphues trug die Ergebnisse einer 18-monatigen Langzeitstudie an einer 2,4 MW Windkraftanlage vor, angereichert durch praxisorientierte Handlungsempfehlungen zur Auslegung von Schraubenverbindungen. Die Langzeitstudie beinhaltete valide Messdaten aus der Verwendung eines Ultraschallmesssystems USB-System (UltraSonic Bolt System). Ergebnis: Mit der Verwendung von IHF Verbindungselementen und hydraulischen Schraubenspannzylindern sind die gemessenen Vorspannkräfte dauerhaft oberhalb der geforderten Mindestvorspannkraft. Damit können die Wartungsintervalle signifikant reduziert werden, was gerade im Offshore-Bereich zu erheblichen Kosteneinsparungen führt. "Wir möchten mit der Fachtagung auch Austausch der beteiligten Personen untereinander fördern", erklärte Jörg Hohmann, der zusammen mit seinem Bruder Frank die Geschäfte bei ITH Schraubtechnik – dem Ausrichter der Fachtagung – leitet. "Ferner ist es so, dass sich weltweit nur wenige Forschungsinitiativen mit der Optimierung von Schraubenverbindungen größer als M16 beschäftigen. Jedoch verfolgen wir genau diesen Ansatz und konnten innerhalb der letzten Jahre einige interessante Projekte zusammentragen. Mit den neuesten Erkenntnissen möchten wir den Teilnehmern einen Wissensvorsprung im Bereich Schraubtechnik bieten." Weitere Infos unter www.ith.de.

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Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 46/2014.

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