35. Oldenburger Rohrleitungsforum musste erneut vertagt werden

Auf ein Neues – im Jahr 2023!

Ursprünglich sollte das 35. Oldenburger Rohrleitungsforum 2022 am 27. und 28. Januar in der Weser-Ems-Halle stattfinden. Bereits zum zweiten Mal musste das Institut für Rohrleitungsbau an der Fachhochschule Oldenburg e. V. als Veranstalter das Forum mit begleitender Fachausstellung verschieben. ABZ-Chefredakteur Kai-Werner Fajga befragte Professor Thomas Wegener zur Situation in der Rohrleitungsbranche und zu weiteren Planungen.
Rohr- und Leitungsbau
Auf ein Neues in 2023: Trotz der erneuten Corona-bedingten Absage für das Forum 2022 blicken Prof. Thomas Wegener und sein Team positiv nach vorne. Foto: iro/Michael Stephan

Unter dem Leitthema "Rohrleitungen und Kabel für eine nachhaltige Zukunftsgesellschaft" wollte sich das Forum beim kleinen Jubiläum einem Megatrend der nächsten Jahre widmen: "Thematisiert werden sollte der Umgang der Menschen mit den natürlichen Ressourcen, mit dem Klimawandel, mit dem Wassermangel, aber auch mit der Energiegewinnung und -verteilung", erklärt Prof. Thomas Wegener, Vorstandsmitglied des Instituts und Geschäftsführer der iro GmbH Oldenburg.

Neben den bewährten Klassikern wie die Vorstellung der neuesten Entwicklungen bei den Rohrsystemen aus den bekannten Werkstoffen, grabenlosen Verlegetechniken oder Spezialthemen wie Fernwärme und Schweißtechnik zählten insbesondere auch die Energiewende, der Klimawandel oder die Digitalisierung zu Schwerpunkten des abgesagten Forums – ebenso wie Wasserstoff und Kabelleitungsbau.

Darüber hinaus sollte der bereits in den Vorjahren gesponnene Faden um den Begriff "Kabel" wieder aufgenommen werden. "Kabel und Rohre haben so viele Teilmengen gemeinsam, dass es sich lohnt, hier am Ball zu bleiben", ist Prof. Wegener nach wie vor überzeugt. "Zudem ist der Wasserstoff ein vorherrschendes Thema in der Gasbranche, auch hier hatten wir wieder hochinteressante Vorträge für die Besucher der vielen Vortragsblöcke bereitgestellt.

Da das Forum-Programm und die mit großem Aufwand erarbeiteten Präsentationen der Referenten zum Zeitpunkt der Absage bereits fertiggestellt waren, hat sich das iro laut Prof. Wegener entschieden, einzelne Vortragsblöcke aus dem Programm, die thematisch zusammenpassen, herauszunehmen und interessierten Fachkreisen in Online-Seminaren anzubieten.

Im Interview nimmt Prof. Wegener Stellung zur Situation in der Rohrleitungsbranche, zu weiteren Planungen des iro in Bezug auf das Oldenburger Rohrleitungsforum sowie zu aktuellen geopolitischen Entwicklungen.

ABZ: Herr Professor Wegener, wie beurteilen Sie die Situation in der Rohrleitungsbranche – wirtschaftlich betrachtet?

Prof. Wegener: Seit einigen Jahren erlebt die Bauwirtschaft insgesamt einen wirtschaftlichen Höhenflug, den ich so bislang noch nicht erlebt habe. Sicher gibt es in den einzelnen Baubereichen Unterschiede, jedoch bezogen auf den Rohrleitungs- und Kabelbau ist seit Jahren die Auftrags- und mittlerweile auch die Ergebnissituation sehr zufriedenstellend.

ABZ: Sie haben das offenbar auch anders in Erinnerung?

Prof. Wegener: Genau, nachdem sich der durch die Sondereffekte der Wiedervereinigung stark überhitze Rohrleitungsbaumarkt bereits Ende der 90er Jahre abkühlte und bis weit in die 2000 Jahre das Markgeschehen im Rohrleitungsbau von Jahr zu Jahr weiter abnahm, kam es zu den bekannten negativen Konsequenzen wie Preisverfall, Fachkräfteverlust, Technologiestillstand, Maschinenparkalterung, Konkursen. Erst um 2010 begann – auf niedrigstem Niveau – die langsame Konsolidierung des Rohrleitungsbaus.

ABZ: Das Oldenburger Rohrleitungsforum als bekannte Plattform für Innovationen und neue Themen musste in diesem Jahr erneut wegen der Pandemie verschoben werden. Was sind in diesem Jahr die Hauptthemen, die in Oldenburg diskutiert werden sollten?

Prof. Wegener: Es schmerzt wirklich, dass wir im letzten Moment gesetzlich gezwungen waren, diesen Branchentreff wiederum zu verschieben. Ich habe mit vielen unserer Gäste gesprochen und übereinstimmend gehört, dass das Rohrleitungsforum ist das Familientreffen der Rohrleitungsszene ist und einfach unglaublich fehlt. Networking ist das eine, aber auch die Inhalte der Kongressbeiträge dienen dem Wissenstransfer unserer Branche.

In diesem Jahr war das Leitthema des Forums "Rohrleitungen und Kabel für eine nachhaltige Zukunftsgesellschaft." Hier ist der Begriff "nachhaltig" wichtig, es sollte um Wasserstoff, um den Ausbau der Stromtrassen und um die Verknüpfung der Domänen gehen.

ABZ: Welche Themen standen sonst noch auf der Agenda des Forums?

Prof. Wegener: Ein immerwährendes Thema ist die Sanierung der Netze. Das betrifft alle Medien, insbesondere aber die Entwässerungsleitungen, die zum Teil sehr alt und zudem unter anderem durch zunehmende Starkregenereignisse neuen Herausforderungen gewachsen sein sollen. Man spricht mittlerweile sogar von ersten Sanierungen von sanierten Rohrleitungen. Aber auch Themen aus der Digitalisierung und grabenlosen Bautechnik sind anhaltend aktuell.

ABZ: Wie wollen Sie diese Themen nun kommunizieren oder diskutieren – bis das nächste Forum stattfinden kann?

Prof. Wegener: Wir haben uns entschlossen, aus dem Programm des ausgefallenen Forums einige Online-Formate herauszunehmen und jetzt im März/April anzubieten. Online ist wahrlich kein Ersatz für das Forum, aber unsere Referenten waren vorbereitet, die Arbeit war getan – und jetzt ist es nur fair, diese interessanten Beiträge auch in breiterer Öffentlichkeit zu diskutieren.

ABZ: Das Rohleitungsforum hat bereits im Mai 2021 mit einem Online-Seminar ein neues Format angeboten. Wie sind ihre Erfahrungen mit der virtuellen Austauschform?

Prof. Wegener: Wir haben erstaunlich gute Erfahrungen sammeln können. Die Teilnehmer haben ein hervorragendes Feedback gegeben. Aber wie gesagt: Es ist kein Ersatz für das persönliche Treffen auf dem Oldenburger Rohrleitungsforum, es ist allenfalls eine Ergänzung.

ABZ: Auf der letzten "live"-Tagung in Oldenburg wurde unter anderem das Thema "Braucht Deutschland ein Wasserstoffnetz?" diskutiert. Was hat sich seither in diesem Themenbereich bewegt?

Prof. Wegener: Seit der Auftaktdiskussion hier in Oldenburg vor zwei Jahren sind wesentliche Schritte in Sachen Wasserstoff gegangen worden. Es war und ist immer noch ein erheblicher Schritt für den klassischen Erdgasversorger anteilig oder in Gänze in Wasserstoff zu denken. Technische Entwicklungen müssen mit bestehendem Regelwerk einhergehen. Oberste Priorität ist die sichere Versorgung, und wie sehr der Teufel im Detail steckt, sehen Sie an der Tatsache, dass wir auch in diesem Jahr über Wasserstoff hätten reden wollen.

ABZ: Und was ist mit den anderen Hauptthemen wie dem Kabelleitungsbau im Zusammenhang mit den großen Übertragungsnetztrassen?

Prof. Wegener: Die Diskussion um den Kabelleitungsbau begann in Oldenburg im Zusammenhang mit der Realisierung der lange geplanten Leitungsmaßnahmen und der wachsenden Erkenntnis, dass viele Bereiche große Schnittmengen mit den Aufgaben der Ferngasleitungsbetreibern haben. Trassenfindung, Genehmigungsplanungen, Umgang mit Behörden, Betroffenen und vieles mehr ist vergleichbar. Wir haben im iro im vergangenen Herbst erstmals einen Workshop mit Pipelineexperten und Kabelleitungsbaufachleuten exakt zu diesen und anderen wichtigen Themen wie zum Beispiel der gegenseitigen Beeinflussung durch den KKS durchgeführt.

ABZ: Seit dem letzten Rohrleitungsforum hat sich eine neue Regierung gebildet, die den Klimaschutz konsequent vorantreiben will – besonders hinsichtlich der Nutzung erneuerbarer Energien. Wie beurteilen Sie diese Entwicklung? Wie bewerten Sie die Zielsetzungen der neuen Regierung?

Prof. Wegener: Bislang haben sich (noch) keine disruptiven Prozesse abzeichnen können. Natürlich werden andere Prioritäten gesetzt, wir können erwarten, dass mit verschiedenen steuerlichen Anreizprogrammen anders gelenkt werden wird – aber das ist vielfach noch in Vorbereitung. Warten wir noch ein wenig ab.

ABZ: Die geopolitische Situation hat sich durch den Einmarsch Russlands in die Ukraine dramatisch verändert. Die Bundesregierung will die Nord Stream2-Gaspipeline nicht in Betrieb nehmen, Alternativen zur Energieversorgung der Bundesrepublik werden diskutiert. Wie stellt sich die Situation für sie dar?

Prof. Wegener: Nord Stream 2, ein allein schon seitenfüllendes Thema. Fakt ist, dass durch Nord Stream 2 bisher noch nicht ein einziger Kubikmeter Erdgas geströmt ist. An der Energieversorgungsituation ändert sich ergo durch Nichtinbetriebnahme erst einmal nichts. Die Gasversorgung aus Russland läuft – wie schon seit über sechzig Jahren – nahezu problemlos und mit fast keiner Unterbrechung über Pipelines durch die osteuropäischen Länder und erreicht bei Frankfurt/Oder, bei Olbernhau/Sachsen und bei Weidhaus/Bayern deutsches Versorgungsgebiet. Durch die Nord Stream I strömen ebenso erhebliche Gasmengen in das westeuropäische Netz. Die Sowjetunion bzw. Russland waren sehr zuverlässige Lieferanten. Sollte der Konflikt infolge der Aggression Russlands allerdings weiter eskalieren, könnten die seit Generationen funktionierenden Versorgungswege unterbrochen werden. Für einen solchen Fall gibt es keine sofort oder schnell verfügbaren Alternativen.

ABZ: Welchen Einfluss hätte diese Entwicklung auf die verschiedenen Themenbereiche des Rohrleitungsforums? Welche Konsequenzen scheinen aus ihrer Sicht praktikabel – beziehungsweise welche Wege müssen beschritten oder neu gedacht werden?

Prof. Wegener: Eine alternative Gasversorgung kann zum einen über Flüssiggaslieferungen aufgebaut werden. Hier fehlt es in Deutschland an einem Flüssiggasterminal, zudem fehlt es weltweit an Verflüssigungskapazität, und – das kommt noch dazu – auch die Transportfrage, sprich, ob hinreichend Schiffe vorhanden sind, muss geprüft werden. Hier verbergen sich zahllose neue Themen auch für die Rohrleitungsforen der kommenden Jahre. Zum anderen bieten sich auch wieder Lieferländer an, mit denen der wirtschaftliche Kontakt in den letzten Jahrzehnten tabu war. Erdgaslieferungen aus dem Iran wären technisch gesehen möglich, allerdings technisch nicht ad hoc umsetzbar – abgesehen von den auch hier vorhandenen, bekannten politischen Hindernissen.

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