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48. VDBUM-Seminar

Besucherinteresse war auch im bauma-Jahr hoch

In der Podiumsdiskussion wurde intensiv über die Themen Innovationskultur und Nachwuchsgewinnung debattiert (v. l.): Friedrich Duensing, Geschäftsführender Gesellschafter der Friedrich Duensing GmbH, Jakob Mehrtens als Vertreter des umworbenen Nachwuchses, Michael Ziegler, Personaldirektor bei Total Deutschland, Michael Heidemann, stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsführung der Zeppelin Baumaschinen, und Peter Guttenberger, Geschäftsführer der Max-Bögl-Gruppe und Präsident des VDBUM.

Willingen (ABZ). – "Innovation durch Motivation" – so lautete das Motto des 47. VDBUM-Seminars, das vom 19. bis 22. Februar in Willingen stattfand. Es durchdrang als Leitlinie sämtliche Themenblöcke und ebenso den exklusiven VDBUM-Talk. Mit den diesjährigen Schwerpunktthemen traf der Verband der Baubranche, Umwelt- und Maschinentechnik (VDBUM) den Nerv der Zeit. Die Kombination aus Fachtagung, Erfahrungsaustausch unter Experten und Social Event der Baubranche verzeichnete mit knapp 1200 Gästen ein ungebrochen hohes Besucherinteresse. "Das VDBUM-Seminar ist für die Führungskräfte und das Top-Management vieler Firmen eine unverzichtbare Größe, die auch in einem bauma-Jahr, in dem überall mit Hochdruck gearbeitet wird, fest eingeplant wird", freute sich VDBUM-Vorstandsmitglied und -Geschäftsführer Dieter Schnittjer.

Faktor Mensch

In mehr als 50 Fachvorträgen und Workshops wurde erneut ein weites Themenspektrum behandelt. Angesichts des sich zunehmend offenbarenden Fachkräftemangels griff der VDBUM-Talk mit dem Thema "Fachkräfte – Garanten für Innovation, Wettbewerbsfähigkeit und Wachstum" ein heißes Eisen auf und stellte die zentrale Bedeutung des Faktors Mensch für den Unternehmenserfolg als Kernbotschaft in den Raum.

Auf dem Podium diskutierten Prof. Dr. Thomas Bauer, Aufsichtsratsvorsitzender der Bauer AG, Friedrich Duensing, Geschäftsführender Gesellschafter der Friedrich Duensing GmbH, Jakob Mehrtens als Vertreter des umworbenen Nachwuchses, Michael Ziegler, Personaldirektor bei Total Deutschland, Michael Heidemann, stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsführung der Zeppelin Baumaschinen, und Peter Guttenberger, Geschäftsführer der Max-Bögl-Gruppe und Präsident des VDBUM.

Professor Bauer sieht die Baubranche in einer sehr guten Verfassung. Allerdings werde die Konkurrenzsituation in den kommenden Jahren massiv zunehmen. "Wenn wir nicht total innovativ sind in den nächsten Jahren, werden wir in diesem Wettbewerb mit Sicherheit zurückfallen." Dafür brauche es eine Innovationskultur in den Unternehmen.

Mit Blick auf den Nachwuchsmangel brachte Friedrich Duensing die Situation auf den Punkt: "Die Nachfrage ist stark gestiegen, und die Demographie spielt gerade gegen uns." Deshalb warte sein Unternehmen seit einigen Jahren nicht mehr auf Bewerbungen, sondern gehe gezielt in Schulen und Universitäten, um junge Menschen möglichst früh anzusprechen. Mittlerweile würden verstärkt auch Flüchtlinge integriert. Insgesamt müsse man Berufseinsteiger von Unternehmensseite weiterqualifizieren.

Als Vertreter des Nachwuchses war Jakob Mehrtens gefragt. Er hat nach dem Abitur gerade seine Ausbildung als Land- und Baumaschinenmechatroniker abgeschlossen und beginnt demnächst ein duales Studium. Er plädierte dafür, dass wieder mehr Menschen eine Ausbildung machen, auch wenn sie anschließend studieren wollen, um wichtige praktische Erfahrungen zu sammeln. Besonders spricht ihn der familiäre Umgang in mittelständischen Unternehmen an. "Da ist man nicht nur eine Nummer, sondern hat persönlichen Kontakt zur Geschäftsführung, kennt die Inhaber."

Die Preisträger des VDBUM Förderpreises 2019 (v. l.): Dirk Bennje, Vizepräsident des VDBUM, Jan Wagener, Firma Ernst Wagener Hydraulikteile, Dirk Fasthoff und Hans-Hermann Bergmann, Firma Bergmann Maschinenbau, Tianyang Huang und Isabelle Ays, KIT Karlsruhe, Peter Schmid, Firma Naturspeicher GmbH, Prof. Dr. Jan Scholten, Vorstandsmitglied des VDBUM, und Peter Guttenberger, Präsident des VDBUM.

Für Michael Ziegler sind Innovationen wie die Digitalisierung in einem Großkonzern langsamer und schwieriger umzusetzen als im Mittelstand. Die Frage sei: Wie kriege ich das in die Köpfe der Mitarbeiter hinein? Da müsse man Durchhaltevermögen haben: "Digitale Transformation ist kein Sprint, sondern ein Marathon." Die Nachwuchskräfte von heute stellten neue Anforderungen, z. B. hinsichtlich einer stringenten Work-Life-Balance. Die Unternehmen müssten eine Flexibilisierung der Arbeit, neue Arbeitszeitmodelle und tarifliche Regelungen anbieten.

Michael Heidemann sieht für Zeppelin in der Beschaffung von Fachkräften zukünftig eine der ganz großen Aufgaben. Man müsse sich viel stärker um die Nachwuchskräfte bemühen, als man das in den letzten Jahren gewohnt war. Dazu gehöre auch ein respektvoller Umgang auf Augenhöhe. Eine familiäre Atmosphäre zu schaffen, sei ganz wichtig, um Mitarbeiter an das Unternehmen zu binden. Ältere Mitarbeiter würde man auch gerne über die eigentliche Altersgrenze hinaus noch im Unternehmen halten, damit sie ihr in Jahrzehnten angehäuftes Wissen weiterhin einbringen.

Peter Guttenberger, Geschäftsführer der Max-Bögl-Gruppe und Präsident des VDBUM, forderte im Hinblick auf die Nachwuchsgewinnung: "Man muss sich dabei fragen: Warum ist die Arbeit auf dem Bau weniger attraktiv als woanders?" Und er gab selbst die Antwort: "Weil es dort staubt und vibriert." Oft sei zudem der Arbeitsplatz weit vom Wohnort entfernt. Aber auch hier könnten Innovationen zu einer Verbesserung der Arbeitsumwelt beitragen. Durch Innovationen ließen sich unangenehme Tätigkeiten ausklammern.

Das Werben um den qualifizierten Nachwuchs hat sich der VDBUM schon länger auf seine Fahnen geschrieben und dabei nicht zuletzt den "Baumaschinenerlebnistag" ins Leben gerufen. Auch auf dem Großseminar bot der Verband mit dem Patenschaftsprogramm Studenten und Meisterschülern die Chance zur Teilnahme. Hierbei sponsern Partnerunternehmen und der VDBUM den Besuch der Fachtagung von Studenten aus baurelevanten Fakultäten und Meisterschülern. Die Nachwuchskräfte haben dadurch die Möglichkeit, die maßgeblichen Unternehmen der Branche kennenzulernen und Kontakte für Praktika und Examensarbeiten zu knüpfen. Den Unternehmen verhilft das Programm zu wertvollen Kontakten mit aussichtsreichen künftigen Mitarbeitern. Die Teilnehmerzahl hat sich von 30 im Vorjahr auf 74 Nachwuchskräfte in diesem Jahr mehr als verdoppelt.

Gute Ideen lohnen sich

Um die Aktivierung menschlicher Leistungspotenziale und damit in eine ähnliche Richtung geht es bei dem jährlich vergebenen VDBUM-Förderpreis für Innovationen in der Baubranche, der bereits zum siebten Mal verliehen wurde. Es wurden diesmal wieder mehr als 30 hochwertige Einreichungen vorgelegt, von denen 26 von einer hochkarätigen Jury für die Preisverleihung ausgewertet wurden. Die Preisverleihung mit Vorstellung der preisgekrönten Arbeiten erfolgte auf einer Abendveranstaltung im Rahmen des VDBUM-Seminars.

Eine Besonderheit: In diesem Jahr wurden in der Kategorie "Entwicklungen aus der Industrie" aufgrund exakt gleicher Punktezahl bei der Bewertung zwei Einreichungen geehrt. Ausgezeichnet wurde in diesem Jahr u. a. die Firma Ernst Wagener Hydraulikteile für den GRIFAsoftstep, ein ergonomisch optimiertes Zugangssystem für mobile Maschinen. Ein weiterer Preis ging an das Unternehmen Bergmann Maschinenbau für die Einbaumaschine Bergmann 4035, die mit der intelligenten Maschinentechnik Dyn-Control ausgestattet ist. Das Unternehmen Naturspeicher GmbH erhielt eine Auszeichnung für die Entwicklung des PipeCrawlers, eine neue Technologie für erdverlegte Rohrleitungen, die erstmals auf einer selbstfahrenden Plattform aufbaut und so Arbeiten im Graben überflüssig macht. Ein weiterer Preis ging an das Teilinstitut Mobima des KIT Karlsruher Institut für Technologie, die mit dem sog. Carbon Capture Storage (CCS) eine mögliche Lösung entwickelt haben, mit der sich CO2-Emissionen in der Maschine abfangen und speichern lassen.

Ergänzt wurde das umfangreiche Vortragsprogramm auch in diesem Jahr durch eine begleitende Fachausstellung mit 106 Ständen auf 1200 m² Fläche im Indoor-Bereich und zusätzlichen Präsentationsmöglichkeiten für besonders große Exponate im Außengelände. Im Anschluss an die prall gefüllten Seminartage eröffnen die bei den Besuchern so beliebten Abendgalas den angenehmen Rahmen für erweiterte Fachgespräche, Erfahrungsaustausch und das Knüpfen neuer Kontakte.

Der VDBUM hat es trotz der stetig wachsenden Dimensionen seiner Großveranstaltung verstanden, dem Ereignis seinen familiären Charakter zu erhalten. "Der Nachwuchs wird dabei natürlich ebenso in die VDBUM-Familie aufgenommen. In den letzten Jahren war eine starke Verjüngung bei den Besuchern zu beobachten", so Dieter Schnitter.

Das nächste VDBUM-Seminar findet vom 11. bis 14. Februar 2020 in Willingen statt.

Im Anschluss an das diesjährige VDBUM-Seminar fand die Mitgliederversammlung statt. Neben den turnusmäßigen Wahlen stand eine Satzungsänderung auf dem Programm. Danach bestimmen die Mitglieder zukünftig ein Präsidium, bestehend aus Präsident und Vizepräsident. Dazu VDBUM-Vorstandsmitglied und -Geschäftsführer Dieter Schnittjer: "Der VDBUM [...] spielt inzwischen in allen wesentlichen Fragen der Baumaschinentechnik in Politik und Gremien eine maßgebliche Rolle. Dieser gewachsenen Bedeutung entsprechend wird der Vorstand künftig von einem Präsidenten und einem Vizepräsidenten geführt und nach außen repräsentiert." Die Entscheidung zur Satzungsänderung wurde einstimmig angenommen. Neben dem Präsidenten und Vizepräsidenten verantworten fünf gleichberechtigte Vorstandsmitglieder die Verbandspolitik. "Ein besonderer Dank gilt Michael Hennrich, der aufgrund seines baldigen Ausstiegs aus dem Arbeitsleben nicht die gesamte Wahlperiode als zweiter Vorsitzender hätte ausführen können", berichtet Dieter Schnittjer. "Bis zum Ruhestand möchte Michael Hennrich aber seine Kompetenz und sein Engagement im Vorstand einbringen. Er macht somit für einen jüngeren Nachfolger in der ersten Reihe Platz." Die Vorstandswahl brachte das erwartete Ergebnis. Die drei zur Wiederwahl anstehenden Vorstände Dirk Bennje, Michael Hennrich und Prof. Dr. Jan Scholten wurden einstimmig bestätigt. Peter Guttenberger ist durch die Satzungsänderung automatisch zum Präsidenten und Dirk Bennje mit seiner Wahl zum Vizepräsidenten bestellt.

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