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Abdichtungen

Flachdächer mit EPDM-Planen effizient sanieren

Von Roland Fritsch

In Kombination mit dem RhinoBond-System wird die Hertalan-Plane per Induktions-verschweißung mit den Haltetellern verbunden.

Hamburg. – Jährlich werden in Deutschland etwa 90 Millionen Quadratmeter Flachdach-fläche mit einer neuen Abdichtung belegt, etwa zwei Drittel davon sind Sanierungsfälle. Bei der Sanierung muss zunächst eine Entscheidung darüber getroffen werden,ob der vorhandene Schichtenaufbau verbleibt oder erneuert wird.

Die Bewertung des Ist-Zustandes umfasst dabei vordergründig Aspekte des Wärme- und Feuchteschutzes, des Brandschutzes, der Windsog- und Standsicherheit und der Entwässerung. Fällt diese Bewertung positiv aus, kann der Altdachaufbau in aller Regel verbleiben. Die Dachfläche muss dann lediglich mit einer geeigneten Neuabdichtung versehen werden. Gegebenenfalls muss aus energetischen Gründen noch eine zusätzliche Dämmschicht oberhalb der Altabdichtung angeordnet werden. Abhängig von der Gesamtkonstellation kann die Neuabdichtung lose mit Auflast, verklebt oder mechanisch befestigt werden. Dachabdichtungen werden vorrangig aus bahnenförmigen Stoffen ausgebildet, sowohl im Neubau als auch im Sanierungsbereich. Möglich sind auch Abdichtungen aus flüssig zu verarbeitenden Werkstoffen. Eine spezielle und vorteilhafte Alternative ist die Verlegung von Werkstoffen auf Basis des Synthesekautschuks EPDM.

Die spezifischen stofflichen Vorzüge dieses Werkstofftyps sind hinlänglich bekannt. Sie haben in einem sehr breiten Temperaturbereich ein dauerelastisches Verhalten und sind gleichzeitig äußerst alterungs- beziehungsweise witterungsbeständig. Hohe Nutzungsdauern von mehreren Jahrzehnten sind bei einem fachgerechten Einbau also sichergestellt. Eine großflächige Planenverlegung, wie sie nur bei diesem Materialtyp möglich ist, bietet darüber hinaus in vielen Fällen zusätzlich verlegetechnische Vorteile. Die Planen werden beim Hersteller aus Bahnenmaterial durch Heißvulkanisation unter definierten Temperatur- und Druckbedingungen vorgefertigt.

Je nach Größe des Daches und dem entsprechenden Aufmaß werden eine Gesamtplane oder mehrere Teilplanen gefertigt und nach der Verlegung abschließend auf der Baustelle miteinander wasserdicht verbunden. Es müssen bis zu 90 % weniger Nahtverbindungen auf der Baustelle hergestellt werden als bei einer Abdichtung mit Bahnenware. Da die EPDM-Planen an fast allen An- und Abschlussbereichen, vornehmlich im Dachrandbereich und an aufgehenden Wänden, ohne Unterbrechung aus der Regelfläche hochgeführt und dort standfest verklebt werden, verringert sich der Anteil von verschweiß- oder verklebbaren Fügenähten zusätzlich. Im Idealfall, zum Beispiel bei kleinflächigen Dächern mit rechteckigem Grundriss, sind sogar gar keine Nahtfügungen mehr erforderlich. Insgesamt entsteht eine maßgeschneiderte Lösung, angepasst an die jeweilige Dachgeometrie. Die Planen können erheblich schneller verlegt werden als bei einer herkömmlichen Bahnenverlegung. Es muss dabei kein Bitumenkocher oder eine offene Flamme eingesetzt werden.

Roland Fritsch ist als Beratungsingenieur bei der Carlisle Construction Materials GmbH tätig.

Es gibt eine besondere Verlegevariante derartiger großflächiger, vorkonfektionierter EPDM-Planen mit der Bezeichnung Hertalan Easy Cover. Der Hersteller Carlisle CM Europe fertigt diese Planen seit etwa 50 Jahren. Das homogene Material enthält keine Einlage, Kaschierung oder innenliegende Verstärkung. Hertalan Easy Cover kann lose verlegt oder teil- beziehungsweise vollflächig auf zahlreichen Untergründen mit speziellen Klebstoffen verklebt werden.

Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, derartige Planen im Induktionsverfahren auch mechanisch in der Tragschicht zu befestigen, ohne dass die Dachhaut durchdrungen wird. Hierbei werden zunächst die speziellen Einzelbefestiger gemäß der Windsogberechnung über die gesamte Dachfläche verteilt in die Tragschale geschraubt und nach dem Auslegen der Plane mit deren Unterseite mit einem speziellen Schweißgerät windsogsicher verbunden.

Diese spezielle Art der Feldbefestigung ist bei Untergründen aus Stahltrapezprofilen, wie sie vorrangig auf großflächigen Industriedächern vorkommen, nicht an den Obergurtabstand der Profile gebunden. Das Verfahren kann aber auch auf allen anderen infrage kommenden Tragschichten mit oder ohne Wärmedämmschichten angewendet werden. Im Gegensatz zur traditionellen Saumbefestigung wird die Windlast gleichmäßig auf die Plane verteilt. Hierdurch wird die asymmetrische Krafteinwirkung auf Teller und Naht verhindert und vermieden, dass die Abdichtung flattert.

Diese Anwendung beschränkt sich nicht nur auf den Neubau, sondern kann auch im Sanierungsbereich bei Belassung des vorhandenen Schichtenaufbaus eingesetzt werden. Altabdichtungen und Dämmstoffe mit jeglicher stofflicher Beschaffenheit können im direkten Kontakt mit Hertalan Easy Cover belegt werden. Das schließt sogar die unmittelbare Sanierung von Altabdichtungen aus weichmacherhaltigem PVC-P ein.

Eine weitere Besonderheit bei der Sanierung sind die Anforderungen des allgemeinen technischen Regelwerkes an die Schrauben. Es dürfen nur korrosionsbeständige Schrauben verwendet werden, um deren Funktionssicherheit dauerhaft zu gewährleisten. Wenn vorhandene Dachschichten belassen werden, muss immer davon ausgegangen werden, dass Restfeuchte eingeschlossen ist. Nach DIN 18531 müssen derartige Schrauben sogar im Bereich des Neubaus eingesetzt werden, wenn die Anforderungen an die Anwendungsklasse K2 für höherwertige Abdichtungen erfüllt werden sollen. Das Carlisle Befestigungssystem sieht hierfür Schrauben aus Edelstahl vor.

Bei direkter Befestigung auf harten Untergründen ohne zusätzliche Wärmedämmung, wie Beton, Porenbeton oder Holz, besteht das Befestigungssystem aus der passenden Schraube und dem speziellen, für das Induktionsverfahren zugelassenen Halteteller. Enthält der Schichtenaufbau eine Wärmedämmung, wird zusätzlich eine Tülle aus Kunststoff integriert. Dadurch wird die Schraubenlänge reduziert und es wird auch die Durchtrittsicherheit gewährleistet, so dass die Dachbahn nicht zerstört werden kann. Je nach Dämmschichtdicke haben die Tüllen Längen von 30 bis 150 mm. Eine patentrechtlich geschützte Besonderheit bildet eine Schmelzsicherung am unteren Ende der Kunststofftülle. Beim Eindrehen der Schraube wird die Schmelzsicherung plastisch verformt und bildet dadurch eine Unterlagsscheibe. Die auftretende Reibungswärme wird somit absorbiert. Bestimmte Untergründe garantieren keine ausreichende Festigkeit, nämlich

  • Trapezblech, das weniger als 0,75 mm dick ist,
  • Porenbeton (bei Altdächern oder bei Feuchteschäden),
  • Bims- und Bimshohlkammerdielen,
  • Beton-Hohlkammerdielen (abhängig von der Betondeckung über den Hohlkammern),
  • Holz und Holzwerkstoffe bei Holzstärken unter 21 mm oder bei Durchfeuchtungen und
  • andere Problemuntergründe wie zum Beispiel Aludächer, Sandwichelemente oder KalZip.

Hier müssen die Bemessungslasten der Befestiger durch Auszugsversuche bestimmt werden.

Die Schraubensysteme werden mit Setzautomaten sowie Handsetzgeräten verarbeitet. Ein weiterer Vorteil des Induktionsverfahrens ist, dass die EPDM-Plane später von den Haltetellern getrennt werden kann, ohne beschädigt zu werden. So kann zum Beispiel bei einer nachträglich geplanten Flachdachaufstockung die Plane für eine erneute Induktionsverschweißung wiederverwendet werden. Es müssen lediglich neue, speziell beschichtete Halteteller eingesetzt werden.

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Der Autor ist Beratungsingenieur im Bereich Anwendungstechnik bei der Carlisle Construction Materials GmbH.

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