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Aktuelle Unfallzahlen am Bau

Alarmierender Trend bei Hautkrebserkrankungen

Präsentierten in Berlin aktuelle Unfallzahlen aus der Bauwirtschaft: Dr. Annette Wahl-Wachendorf und Klaus-Richard Bergmann.

Berlin (rb). – Mit der anhaltend hohen Auslastung im Baugewerbe ist zuletzt auch die Zahl der Arbeitsunfälle am Bau leicht gestiegen. Das geht aus aktuellen Zahlen hervor, welche die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG Bau) kürzlich präsentierte. V. a. bei der Zahl der Hautkrebsfälle mache sich eine alarmierende Tendenz bemerkbar. Der Bau boomt und damit auch das Risiko beruflich bedingter Unfälle und Erkrankungen. Das zeigen auch die Zahlen, welche die BG Bau kürzlich im Rahmen eines Pressegesprächs in Berlin vorgestellt hat. Demnach verzeichnete die Berufsgenossenschaft 2018 105 687 meldepflichtige Arbeitsunfälle (2017: 103 755). Meldepflichtig ist ein Arbeitsunfall dann, wenn er eine mindestens dreitägige Arbeitsunfähigkeit nach sich zieht. Die Zahl der tödlichen Arbeitsunfälle (88) blieb auf dem Niveau des Vorjahres. Die tödlichen Wegeunfälle erreichten nach einem Rekordtief im Jahr 2017 wieder ihren Durchschnittswert.

Trotz des leichten Anstiegs bei den Arbeitsunfällen zeige die Präventionsarbeit der BG Bau klare Erfolge, erklärte BG-Bau-Hauptgeschäftsführer Klaus-Richard Bergmann bei der Vorstellung der Zahlen. Dem gegenüber stehe immerhin ein Zuwachs von 102 597 Versicherten im vergangenen Jahr. Umgerechnet auf 1000 Personen sei das Unfallgeschehen mit einem aktuellen Wert von 53,1 sogar leicht rückläufig. Wenngleich sich die Situation in den vergangenen Jahren stark verbessert habe, bilde die Bauwirtschaft noch immer das Schlusslicht in den gewerblichen Unfallstatistiken, sagte Bergmann. "Alle Beteiligten müssen noch stärker daran arbeiten, die Baustellen sicherer zu machen. Unser Ziel ist es, in Zukunft v. a. tödliche Unfälle ganz zu verhindern."

Insbesondere das Thema Hautkrebs bereitet der Berufsgenossenschaft zunehmend Kopfschmerzen. Seit 2015 wird der sog. weiße Hautkrebs offiziell als Berufskrankheit anerkannt und in den Statistiken erfasst. Seitdem ist die Zahl gemeldeter Verdachtsfälle um etwa 6 % gestiegen, so Dr. Annette Wahl-Wachendorf, ärztliche Direktorin des Arbeitsmedizinischen Dienstes der BG Bau (AMD) und Vizepräsidentin des Verbands Deutscher Betriebs- und Werksärzte e. V. (VDBW). Mit 2944 Verdachtsfällen im vergangenen Jahr sei der weiße Hautkrebs die inzwischen häufigste angezeigte Berufskrankheit (etwa 20 %), gefolgt von Lärm und Lungenkrebs durch Asbest.

Gerade vor dem Hintergrund des Klimawandels müsse dem Risiko von Erkrankungen und Unfällen durch Sonnenstrahlung und Hitze eine besondere Aufmerksamkeit zukommen. Zwar ließe sich aufgrund der langen Latenzzeiten von Hautkrebserkrankungen keine Verbindung zwischen aktuellen Wetterphänomenen und aktuell erfassten Krankheitsbildern herstellen, wie Dr. Wahl-Wachendorf erklärte, jedoch steige die Gefahr für entsprechende Vorfälle mit der Zunahme von Hitzeperioden und Sonnenperioden immer mehr an. "Vor diesem Hintergrund müssen hier die entsprechenden Weichen gestellt werden, um die Zahl der Erkrankungen einzudämmen", betonte auch Bergmann.

Intensive Sonnenstrahlung und Hitze erfordern gerade auf Baustellen beim Arbeiten unter freiem Himmel den Einsatz wirksamer Schutzmaßnahmen.

Dabei gilt es nicht nur, Hautkrebserkrankungen vorzubeugen. Auch die Zahl meldepflichtiger Arbeitsunfälle aufgrund von Hitzeeinwirkung ist nach Angaben der BG Bau deutlich gestiegen – zuletzt auf 12 im Jahr 2018 gegenüber drei im Jahr 2017. Für 2019 geht die Berufsgenossenschaft von einem weiteren Anstieg aus.

"Vielen Beschäftigten ist nicht bewusst, welcher Gefahr sie sich bei der Arbeit in der Sonne auf der Baustelle aussetzen", mahnt Bergmann. Unternehmen und Arbeitnehmer könnten hier auf verschiedenen Wegen entgegen wirken: Neben technischen und organisatorischen Schutzmaßnahmen, für die ein Arbeitgeber sorgen kann, seien dies auch persönliche Maßnahmen wie Sonnenschutz durch UV-Schutzcremes oder Kleidung sowie organisatorische Maßnahmen wie die Verlegung der Arbeitszeiten.

Der AMD bietet allen Mitgliedsunternehmen Vorsorge für ihre Beschäftigten an. "Mit unseren Untersuchungen sollen u. a. Krebserkrankungen verhindert und frühzeitig erkannt werden. Dazu führen wir jährlich über 500 000 Vorsorgeuntersuchungen durch", so Dr. Wahl-Wachendorf. Zusätzlich hat die BG Bau gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention der Deutschen Krebshilfe einen Selbsttest zum Thema Hautkrebs entwickelt. Der Test soll eine Einschätzung zum individuellen Gefährdungspotential geben und auf mögliche Faktoren für eine Erkrankung aufmerksam machen.

Auch an strengeren allgemeinverbindlichen Regeln werde derzeit gearbeitet. Erste Ergebnisse erwartet Dr. Wahl-Wachendorf hierfür im kommenden Jahr. Entsprechende Vorschriften durchzusetzen gestalte sich allerdings immer wieder schwierig, wie Bergmann erklärt. Nicht zuletzt aufgrund der zunehmenden Zahl von Solo-Selbstständigen, die heute vielfach in gemischten Teams auf der Baustelle unterwegs sein und nicht den staatlichen Regeln des Arbeitsschutzes unterliegen. "Hier müssen Antworten gefunden werden, um ein einheitliches Sicherheitsniveau auf den Baustellen zu gewährleisten", so Bergmann.

Ein wirksamer Arbeitsschutz beginnt stets in den Köpfen derer, die es zu schützen gilt, betont Bergmann. Ganz oben auf der Agenda stehe deshalb Aufklärung und Sensibilisierung. Auf Arbeitnehmerseite geschieht dies bspw. im Rahmen von Aktionstagen, welche die BG Bau regelmäßig an Ausbildungsstätten veranstaltet und die laut Bergmann sowohl von den Verbänden der Baubranche massiv unterstützt werden als auch auf ein großes Interesse bei den Teilnehmern stoßen. Auf Arbeitsgeberseite tritt die Berufsgenossenschaft zudem verstärkt auf Unternehmen zu, um diese von der Wirtschaftlichkeit von Arbeitsschutzmaßnahmen zu überzeugen.

Bergmann: "Arbeitsschutz ist kein Kostenfaktor, sondern eine Investition in das wichtigste Kapital eines Betriebes." Um das zu untermauern, hat die BG Bau von Studenten verschiedene Masterarbeiten zu diesem Thema erarbeiten lassen. Das Ergebnis, so Bergmann, war immer: Arbeitsschutz lohnt sich. Gleichsam gibt er zu, dass hier immer wieder "dicke Bretter zu bohren sind".

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Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 35/2019.

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