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Alexander Greschner, CSO der Wacker Neuson Group

"Großes Potenzial, Marktanteile zu gewinnen"

Alexander Greschner, CSO der Wacker Neuson Group sieht es als große Stärke an, als Gruppe mit den Marken Wacker Neuson, Kramer und Weidemann Produkte und Dienstleistungen für die Bau- sowie die Landwirtschaft anbieten zu können.

Vor kurzem stellte Wacker Neuson neue Kompaktmaschinen wie Bagger und Dumper sowie Innovationen im Bereich Verdichtung und aus der zero-emission-Reihe vor. ABZ-Chefredakteur Kai-Werner Fajga sprach mit Alexander Greschner, CSO der Wacker Neuson Group über das aktuelle Marktgeschehen, Neuentwicklungen und die strategische Ausrichtung des Münchner Unternehmens.

ABZ: Herr Greschner, wie beurteilen Sie die aktuelle Marktentwicklung?

Greschner: Unsere Kunden fragen unsere kompakten Baumaschinen und -geräte, innovativen Lösungen und flexiblen Dienstleistungen weiterhin nach und wir freuen uns über gut gefüllte Auftragsbücher. Sorgen bereitet uns derzeit vor allem die Verfassung der globalen Lieferketten. Da sind zum einen die durch die Pandemie verursachten. Zum anderen besteht laufend das Risiko von Personalknappheit durch Erkrankungen oder Quarantänemaßnahmen, sei es bei uns oder unseren Lieferanten. Dazu sehen wir mit der allgemein anziehenden Nachfrage deutliche Preissteigerungen bei für uns wichtigen Rohstoffen wie zum Beispiel Stahl. Aber auch die Transportkosten sind in die Höhe geschnellt. Die Containerraten haben sich in den vergangenen Monaten teilweise verdreifacht, die Dynamik ist enorm. Als Konsequenz arbeiten wir daran, die Lieferkette zu verkürzen. Das bedeutet, wir holen Komponenten zurück nach Europa, teilweise auch in unsere eigenen Werke, beispielsweise den Bereich Stahlbau an unserem Standort Kragujevac in Serbien.

ABZ: Beeinflusst das auch Ihre Produktion?

Greschner: Derzeit können wir unsere Produktionsprogramme im geplanten Umfang fahren. Allerdings müssen wir in der Produktion flexibel sein und gegebenenfalls Maschinen vorziehen, für die wir das Material haben, um andere zu einem späteren Zeitpunkt zu produzieren. Was die Kosten angeht, so können wir trotz umfangreicher Maßnahmen zur Produktivitätssteigerung und laufender interner Einsparungen Preisanpassungen am Markt nicht vermeiden. Dabei bleibt es unser Bestreben, die gewohnte Produkt- und Servicequalität zu fairen Preisen anzubieten.

Wacker Neuson stellte jüngst aus der zero-emission-Reihe elektrischer Baumaschinen unter anderem den Vollelektrischer Minibagger EZ17e vor. Er kann kabellos genutzt oder auch im laufenden Betrieb an Stromquellen von 100 bis 415 Volt geladen werden.

ABZ: In welche Richtung will Wacker Neuson sein Geschäft künftig entwickeln?

Greschner: Durch innovative Produkte und Dienstleistungen, die speziell auf die Kundenbedürfnisse ausgerichtet sind, werden wir unser Geschäft weltweit weiter ausbauen. In Europa, und vor allem der DACH-Region, sind unsere Baumaschinen und -geräte bereits seit vielen Jahren etabliert.

Hier möchten wir unsere starke Marktposition halten und weiter ausbauen. Im Vergleich dazu befinden sich die Märkte in Nordamerika – vor allem im Kompaktmaschinensegment – und Asien noch in einem vergleichsweise jungen Stadium. Hier sehen wir großes Potenzial, Marktanteile durch innovative Lösungen zu gewinnen.

ABZ: Was sehen Sie als Ihren Wettbewerbsvorteil?

Greschner: Insgesamt betrachtet ist eine unserer großen Stärken, dass wir als Gruppe mit den Marken Wacker Neuson, Kramer und Weidemann Produkte und Dienstleistungen für die Bau- sowie die Landwirtschaft anbieten. Durch die unterschiedlichen Branchenzyklen in der Bau- und Landwirtschaft sind wir widerstandsfähiger gegenüber Schwankungen. Weiterhin werden wir großen Fokus auf unsere elektrisch betriebenen Baugeräte und Kompaktmaschinen legen. In Anbetracht der ehrgeizigen Ziele des EU Green Deal wird sich auch die Bauindustrie in den nächsten Jahren einer strengeren Regulatorik ausgesetzt sehen. Kombiniert mit zu erwartenden Technologiesprüngen im Bereich der Batterietechnik werden rein elektrisch betriebene Baugeräte und Kompaktmaschinen damit voraussichtlich stark an Bedeutung gewinnen. Deshalb werden wir weiterhin gezielt in den Ausbau unseres Portfolios rein elektrisch betriebener Maschinen investieren. In diesem Zuge ist auch der Ausbau unserer digitalen Lösungen zu nennen. Themen wie die digitale Anbindung von Kunden in den verschiedenen Geschäftsprozessen sind von großer Bedeutung, um den Nutzen der Maschinen weiter zu steigern. So bieten wir bereits jetzt im Bereich der digitalen Servicierung die Telematiklösung EquipCare an. Außerdem wurde mit der Entwicklung von EquipZip, einer digitalen Plattform zur Anbindung unabhängiger Mietflotten als Fleet Share Lösung für den US-amerikanischen Markt begonnen. Hierbei handelt es sich um eine App, über die Kunden eine Mietmaschine buchen und diese über ein Access Control System kontaktlos am nächstmöglichen Stützpunkt abholen können, wodurch ein 24/7-Zugang zu Mietmaschinen möglich wird.

Der Kettendumper DT10e, der Raddumper DW15e und der Radlader WL20e (Foto) ermöglichen Kunden den effizienten Transport von Material ohne direkte Abgasemissionen und mit äußerst geringen Geräuschemissionen.

ABZ: Welche Wünsche tragen Wacker Neuson-Kunden an das Unternehmen heran?

Greschner: Für unsere Kunden ist es zunehmend wichtig, jederzeit flexibel zu sein und auf veränderte Rahmenbedingungen reagieren zu können. Dafür bieten wir ihnen in Deutschland vielfältige Miet- und Mietkauflösungen an, beispielsweise "Testen ohne Risiko." Kunden können hier ihre Wunschmaschine konfigurieren und bis zu einem Jahr lang in der Miete testen. Entscheiden sie sich dafür, die Maschinen dauerhaft in ihren Fuhrpark zu übernehmen, ist das jederzeit möglich. Das gibt unseren Kunden mehr Planungssicherheit und Flexibilität. In Kombination mit unserem großen Angebot an Gebrauchtmaschinen können wir unseren Kunden sehr individuelle Lösungen anbieten – auch abseits des klassischen Neumaschinenkaufs. Gerade im vergangenen Jahr der Krise hat es sich gezeigt, dass damit in Deutschland sehr gut aufgestellt sind. Vor allem in der DACH-Region profitieren wir von unserem flächendeckenden Direktvertriebsnetz mit flexiblen Miet-, Verkaufs- und Servicelösungen.

ABZ: Das Thema CO2-Minderung wird heiß diskutiert, auf welche alternativen Antriebskonzepte setzt Wacker Neuson?

Greschner: Gerade im Leistungsbereich bis 20 Kilowatt sind rein elektrisch betriebene Baumaschinen eine attraktive Alternative zu konventionellen Produkten. Deshalb setzt Wacker Neuson auf den Ausbau seiner zero emission Serie, die aktuell je drei Akkustampfer und Akkuplatten, ein Innenrüttlersystem zur Betonverdichtung, einen vollelektrischen Minibagger, einen Elektro-Radlader, elektrische Ketten- und Raddumper sowie einen dual power Minibagger, der zusätzlich zum Dieselmotor mit einem elektrohydraulischen Aggregat betrieben werden kann, umfasst. Damit kann eine typische innerstädtische Baustelle völlig frei von direkten Abgasemissionen und nahezu geräuschlos betrieben werden.

Die CO2-Werte der Wacker Neuson zero emission Produkte wurden kürzlich von TÜV Austria geprüft: Bis zu 93 Prozent an CO2-Emissionen können damit über die gesamte Produktlebensdauer eingespart werden, einschließlich der Batterieproduktion und Energiegewinnung (EU-Mix), verglichen mit einem konventionellen Produkt der gleichen Klasse.

Betrachtet man weitere alternative Antriebsarten, neben dem rein elektrischen Antrieb, ist technisch gesehen ist vieles möglich – wichtig für uns ist dabei, dass es eine wirtschaftliche Lösung ist, die unseren Kunden einen wirklichen Mehrwert bringt.

ABZ: Wie viele/welche "zero emission"-Geräte werden 2021/2022 zur Verfügung stehen?

Greschner: Derzeit bieten wir unseren Kunden aus der Bauwirtschaft insgesamt 13 verschiedene zero emission Lösungen an. Die bestehenden Produkte entwickeln wir stetig weiter. So wurde beispielsweise das Gewicht des akkubetriebenen Hochfrequenz-Innenrüttlers ACBe deutlich reduziert. Mit einem Gesamtgewicht von nunmehr 13,5 Kilogramm, davon rund neun Kilogramm Akku-Gewicht, wird das Betonverdichten für unsere Kunden noch komfortabler. Wir setzen auch in Zukunft auf den Ausbau unserer zero emission Reihe und launchen in den nächsten Monaten weitere Produkte, beispielsweise im Bereich der Bodenverdichtung. Auch im Bereich der Kompaktmaschinen arbeiten wir an neuen Lösungen und werden bis Mitte 2022 diverse Produkte einführen.

Neue Bagger wie der EZ50 von Wacker Neusion sind mit dem neuen Active Working Signal ausgestattet, das für die Personen in der Arbeitsumgebung der Bagger eine höhere Sicherheit gewährleisten soll: Ein roter LED-Streifen, der in die Motorhaube integriert ist, signalisiert die Betriebsbereitschaft der Maschine.

ABZ: Was steckt hinter den "WeCare"-Lösungen von Wacker Neuson?

Greschner: In einigen unserer Direktvertriebsmärkte, auch in Deutschland, bieten wir unsere "Rundum-sorglos-Service-Pauschale" WeCare an. Damit können Kunden die Wartung ihrer Maschinen komplett auslagern. Die gesamte Disposition der Wartungsarbeiten übernimmt dabei Wacker Neuson – von der Planung bis zur Ausführung. Wenn beispielsweise die Maschine die entsprechenden Betriebsstunden erreicht hat oder eine Wartung ansteht, gehen unsere Mitarbeiter proaktiv auf den Kunden zu. Die Informationen zum Maschinenzustand basieren auf Daten aus unserer Telematiklösung EquipCare, die wir seit 2019 anbieten. Bei WeCare profitieren Kunden von einem persönlichen Service, von minimalen Stillstandszeiten sowie maximaler Lebensdauer der Maschinen. Und sie verlängern automatisch die Gewährleistung ihrer Produkte. Dabei gibt es verschiedene Paketmodelle, sodass alle Kunden eine für sie passende Lösung finden.

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 16/2021.

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