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Anforderungen an ein KfW-Effizienzhaus 100 weit übertroffen

"Palmengarten Palais" in Leipzig umfassend energetisch saniert

Vor dem Abriss gerettet wurde das "Palmengarten Palais" in Leipzig durch eine Renovierung. Die Anforderungen an ein KfW-Effizienzhaus 100 nach EnEV 2009 werden nun weit übertroffen. Alle denkmalgeschützten Außenwände erhielten eine Innendämmung mit iQ-Therm 30. Die Gebäuderückseiten, Decken, Loggien und Terrassen wurden konventionell mit PU-, EPS- und Karbonatplatten gedämmt, ergänzt durch eine dachseitige Zwischensparren- und Zwischenbalkendämmung.

Leipzig (ABZ). – Architekt Otto Gerstenberger ließ 1910 das "Palmengarten Palais" in Leipzig errichten, ein Ensemble von Stadthäusern in der Jahnallee 61 und in der Luppenstraße 26/28. Es wurde Schauplatz dramatischer Ereignisse und spiegelt ein Stück deutscher Geschichte mit den Kapiteln Aufstieg, Fall und Wiederaufstieg.

So fotografierte Robert Capa am 18. April 1945 auf dem Balkon des Hauses Jahnallee 61 den 21-jährigen amerikanischen Soldaten Corporal Raymond J. Bowman, kurz bevor er von einem deutschen Scharfschützen erschossen wurde. Sein Foto erschien unter dem Titel "Der letzte Tote des Krieges" im US-Nachrichtenmagazin "LIFE" und machte den Fotografen weltberühmt.

Dass die Häuser der Gründerzeit heute wie vor hundert Jahren ihre schönen Straßenfassaden zeigen, deren Ornamente Stilelemente der Renaissance und des Barock zum Ausdruck bringen, ist eine großartige Leistung der Baudenkmalpflege, eines mutigen Investors und der Handwerker. Denn die wechselvolle Geschichte dieses Hauses, die mit Glanz und Gloria begann, drohte in den 90er-Jahren katastrophal zu enden. Der Gebäudekomplex stand leer und verfiel. Intensive Bemühungen der Stadt um seine Erhaltung blieben lange erfolglos. In der Neujahrsnacht 2012 brannte der Dachstuhl der Luppenstrasse 28 aus, hinzu kamen Sturmschäden im Dachflächenbereich. So konnte jahrelang Regenwasser eindringen. Die Stadt Leipzig genehmigte daher den Abriss des baufällig gewordenen Gebäudekomplexes.

Das "Palmengarten Palais" in der Jahnallee erhielt auf der "denkmal 2016" in Leipzig den Bernhard-Remmers-Preis in der Kategorie "National". Einige Jahre zuvor drohte der Abriss des baufällig gewordenen Gebäudekomplexes.

2012 entfachten die Leipziger jedoch einen Proteststurm gegen diese Pläne. Dieser brachte die im bayerischen Mühldorf ansässige LS Immobiliengruppe GmbH auf den Plan, die zum Retter in der Not wurde. Obwohl Geschäftsführer Horst Langner wusste, welch ein immenser Aufwand für Renovierung und Restaurierung erforderlich sein würde, entschloss er sich, den Bestand in einen zeitgemäßen Wohnraum zu verwandeln. Er sah nicht nur den Verfall, sondern auch stuckverzierte Fassaden und Decken, imposante Raumhohen, originalgetreue Türen und Boden der Gründerzeit, edle Kombinationen aus schwarzen und weisem Marmor, stilvolle Türeinfassungen und Geländer aus Holz im Jugendstil. Obwohl die Zerstörung weit fortgeschritten war, hatte all das nichts von seiner Wirkung verloren. "Wir wissen um die Einzigartigkeit dieses Gebäude-ensembles und möchten ihm nun den Ausdruck von Tradition und glanzvoller Vergangenheit zurückgeben", so Langner damals.

2014 begannen die Baumaßnahmen mit dem Ziel, das Gebäudeensemble denkmalgerecht zu rekonstruieren. Alles sollte wieder so werden, wie es Architekt Otto Gerstenberger einst errichten ließ. Für die Standsicherheit der drei Gebäude wurde unter ihnen eine Stahlbetonplatte von bis zu 42 cm eingebracht. Die Abdichtung im erdberührten Bereich erfolgte mit Remmers PBD 2K. Mit der Ausarbeitung des Konzepts für die energetische Sanierung beauftragte der Investor Langner das Energieberatungsbüro Preis.

Die Experten errechneten die Komponenten für den Effizienzhausstandard auf der Grundlage der Energieeinsparverordnung (EnEV) 2009. Das denkmalgeschützte Wohn- und Geschäftshaus ist unterkellert, hat vier Geschosse und ein ausgebautes Dach. Die Bezugsfläche nach EnEV beträgt daher 1394,7 m².

Die Ist-Analyse der Außenwände ergab einen U-Wert von 0,97 W/m² K. Der U-Sollwert eines Effizienzhauses 100 gestattet aber nur 0,24 W/m² K. Um diese Zielmarke zu übertreffen, entwickelten die Planer ein Konzept, das die Innendämmung mit iQ-Therm 30 aller denkmalgeschützten Außenwände vorsah und die konventionelle Dämmung mit PU-, EPS- und Karbonatplatten für die Gebäuderückseiten, Decken, Loggien und Terrassen, ergänzt durch eine dachseitige Zwischensparren- und Zwischenbalkendämmung.

Das Café Eigler im Erdgeschoss des "Palmengarten Palais" ist im Stil der 20er Jahre eingerichtet.

Nach der Umsetzung aller Maßnahmen, dem Einbau neuer Fenster und einer Optimierung der Anlagentechnik, ergibt sich ein Enenergiebedarf für das Gebäudeensemble von 106 000 kWh/Jahr.

Der Transmissionswärmeverlust H'T des Gebäudes liegt bei 0,502 W/m² K; der Primärenergiebedarf Qp bei 47,996 kWh/m² a. Mit diesen Werten wurden die Anforderungen an ein KfW-Effizienzhaus 100 nach EnEV 2009 weit übertroffen. Ein Vorteil für die Investoren war ein Tilgungszuschuss auf ihre Darlehenssumme durch die erfolgreich durchgeführte energetische Sanierung nach dem KfW-Programm Nr. 151.

Auch für den Innenausbau wurden Remmers-Produkte eingesetzt. Des weiteren erfolgte die Fensterbeschichtung mit Induline-Premium-Coatings (4-Schicht-Aufbau) und der Fassadenanstrich mit Remmers-Color-LA.

So wurde aus dem Gebäudeensemble wieder das "Palmengarten Palais". Es entstanden 41 Wohneinheiten mit überzeugenden Grundrisskonzepten und drei Gewerbeeinheiten. Hochwertig modernisiert unter anderem mit neuen Eichenparkettböden, stilvollen Holzfenstern, Bädern, Haustechnik, Videoporter und Aufzugsanlage. Die historischen Stuck-decken und Deckenmalereien im Treppenhaus wurden rekonstruiert. Seit 2016 dominiert das "Palmengarten Palais" wieder wie einst das gesamte Straßenbild in Leipzig. Das historische Treppenhaus mit seiner herrschaftlichen Holztreppe lädt Besucher zu einer Reise in die Vergangenheit ein.

Mieter sind eingezogen, und im Erdgeschoss hat das Café Eigler eröffnet, das frisch gebackene Kuchen nach alten Leipziger Rezepten und neue Kreationen serviert. Die Inneneinrichtung im Stil der 20er Jahre des vergangenen Jahrhunderts ist eine Reminiszenz an vergangene Zeiten. In drei Läden neben dem Café zog die Hausverwaltung, ein Planungsbüro und die Leipziger Denkmalstiftung ein, bei der Langner im Kuratorium ist. All das wurde durch die Verleihung des Bernhard-Remmers-Preises in der Kategorie "National" auf der "denkmal 2016" in Leipzig gewürdigt.

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