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Auf großem Fuß

XXL-Turmelement entwickelt

Ende Juni wurde das neue Turmelement erstmalig testweise auf dem Werksgelände in Luckau montiert. Mit einem Außenmaß von 6 x 6 m wiegt es 28 t. Für die Montage ist schweres Gerät nötig.

Luckau (ABZ). – Auf seiner Grundfläche hätte ein Boxring oder zwei Einzelgaragen Platz: für das Staumauer-Projekt Spitallamm auf dem Schweizer Grimselpass entwickelte Wolffkran das TV-60-Turmelement mit einem Außenmaß von 6 x 6 m. Voraussichtlich im Spätsommer sollen zwei Wolff 1250 B mit den XXL-Türmen auf der hochalpinen Baustelle montiert werden.

Anfang des Jahres erhielt Wolffkran den Zuschlag für das Krankonzept für den Bau der Ersatzstaumauer Spitallamm am Grimselsee in knapp 2000 m über dem Meeresspiegel. In den vergangenen Monaten wurde im Hause Wolffkran unter Hochdruck konstruiert, geschweißt und geschraubt, denn jetzt im September soll die Montage stattfinden. Im Juli wurden die ersten beiden TV 60 im Wolffkran-Werk Brandenburg für Testzwecke erstmalig erfolgreich montiert. Doch der knapp bemessene Zeitplan ist nicht die einzige Herausforderung.

"Die beiden Wolff 1250 B müssen mit jeweils 92 Metern Turmhöhe freistehen, da sie weder an der Staumauer noch am Felsmassiv angebunden werden können – und das im hochalpinen Gelände mit extremen Wetterverhältnissen", erläutert Patrick Witteck von der Technischen Beratung bei Wolffkran und verantwortlich für die Neuentwicklung des TV 60. "Dabei müssen sie 16 Tonnen bei einer maximalen Ausladung von 70 bis 80 Metern heben können. Mit unserem größten Standard-Turmelement TV 33 mit einem Außenmaß von 3,3 x 3,3 Metern wäre das statisch nicht möglich gewesen. Deshalb haben wir für das Projekt das TV 60 entwickelt." Die Krane können damit ohne Abspannung nicht nur die geforderten Lasten heben, sondern in der Windzone D50 (nach EN 14439) Windstärken bis zu 220 km/h in Außer-Betrieb-Stellung standhalten. "Das war ausschlaggebend, denn die "Wölffe" werden den ganzen Winter über auf der Hochgebirgsbaustelle stehen bleiben", teilt Witteck mit.

Begleitet wurde die Montage von Projektleiter Patrick Witteck von der Technischen Beratung (ganz vorn, M.), Kollegen aus dem Werk Brandenburg, die für die Produktion der neuen TV-60-Turmelemente verantwortlich sind, sowie Servicetechnikern aus der Schweiz und Deutschland, die sich auf dem Werksgelände mit der Montage des neuen Turmelements vertraut machten.

Trotz der Dimensionen des Turm-elements, das mit 288 Schrauben und 24 Bolzen zusammengebaut wird, legte das Entwicklungsteam großen Wert auf eine möglichst einfache Montage. "Durch die Verwendung von ausschließlich M48- und M24-Schrauben kann das Anzugswerkzeug problemlos einhändig gehandhabt werden. Auch die Schraubbolzen für die Verbindung der Turmstücke miteinander sind so positioniert, dass keine festgelegte Anzugsreihenfolge notwendig ist und sie von einer Person gehandelt werden können", sagt Witteck. Wolffkran geht von einer Montagezeit von rund vier Stunden pro Turmelement aus.

Insgesamt werden für das Staumauer-Projekt 14 TV 60 Turmelemente gefertigt. Auch ein neuer Verbindungsrahmen VR 3360 wurde entwickelt, um TV 60 mit TV 33 zu einem Turm zu kombinieren, wie es auf der Grimselsee-Baustelle geplant ist. Zusammen mit dem Wolff 1250 B sind freistehende Höhen von rund 130 m möglich. Das 28 t schwere XXL-Turmelement kann in seine Einzelteile zerlegt auf nur 1,5 Lkw verladen werden und ist zudem für den Containertransport optimiert. Seine überzeugende Stabilität gepaart mit Montage- und Transportfreundlichkeit machen das TV 60 auch interessant für Projekte jenseits der Schweizer Alpen: Etwa für den Kraftwerks- und Windanlagenbau oder für Hochhausprojekte, bei denen eine Abspannung unwirtschaftlich wäre oder nicht umsetzbar ist.

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 38/2020.

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