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Ausgleichsmaßnahme für A 14-Nordverlängerung

Ein unterirdischer Bunker nur für Fledermäuse

Von Wolfgang Benndorf

Das Fledermausquartier in einem ehemaligen Bunker sowjetischer Bauart. Das Quartier war als Ausgleichsmaßnahme wegen des Baus der Autobahn A 14 eingerichtet worden.

Colbitz. – In einem Wald bei Colbitz (Landkreis Börde) ist eine ganz besondere Wohngemeinschaft eingezogen. Ihr "Haus" liegt tief im Wald und rd. 5 m unter der Erde. Besuch ist unerwünscht – denn die Bewohner sind sehr scheu. Ein früherer Munitionsbunker der Sowjetarmee in der Colbitz-Letzlinger Heide ist zum Domizil für seltene Fledermausarten geworden.

Die artgerechte Behausung für die Flattertiere wurde extra von Menschenhand geschaffen. "Vermieter" ist die Bundeswehr, Bauherr die Landesstraßenbaubehörde Sachsen-Anhalts, um die Betreuung kümmert sich die untere Naturschutzbehörde des Landkreises. Für das Umfeld ist der Bundesforstbetrieb zuständig.

"Kurios aber wirkungsvoll", nennt Stefan Kauert das Objekt. Die Tiere hätten das Ende 2016 geschaffene Quartier sofort angenommen, freut sich der Bauleiter der A 14-Nordverlängerung, die wenige Kilometer entfernt Gestalt annimmt. Die Idee zur Umnutzung des Bunkers sei bei den Planungen für die Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen durch die Straßenbaubehörde entstanden. Baukosten für die unterirdische Fledermaus-Villa: Rd. 34 000 Euro. Der Bunker besteht aus mehreren Räumen und Gängen. Die sanierte Gesamtfläche beträgt etwa 170 m². Eingebaut wurden Hangplätze für die Fledermäuse, zusätzlich eine Luft-Befeuchtungsanlage sowie Ein- und Ausflugsschlitze. "Rauhaut-, Mücken-, Fransenfledermaus und Kleines Mausohr", zählt Forstrevierleiter Holger Wille einige der streng geschützten Arten auf, die in dem Bunker ein Winterquartier gefunden haben. Insgesamt sind mehr als ein Dutzend Arten auf dem Truppenübungsplatz "Altmark" heimisch. Sie finden hier optimale Bedingungen. Da das Gelände für die Öffentlichkeit tabu ist, bleiben die scheuen Tiere ungestört.

Holger Wille, Revierleiter Lindenwald, steigt auf dem Truppenübungsplatz Altmark in der Letzlinger Heide nahe Colbitz die Treppe zu einem ehemaligen Bunker sowjetischer Bauart hinauf. Dort befindet sich ein Fledermausquartier, das als Ausgleichsmaßnahme wegen des Baus der Autobahn A 14 eingerichtet worden war.

Und: "Der Tisch ist für die Tiere reich gedeckt", weiß Wille. Insekten, wie Mücken, Fliegen und Nachtfalter oder Käfer tummeln sich im Wald. Für sie bot der trockene Sommer optimale Bedingungen.

In der gesamten Colbitz-Letzlinger Heide hat sich im Schatten jahrzehntelanger militärischer Nutzung eine einmalige Flora und Fauna entwickelt. Viele bedrohte Tierarten finden hier trotz des laufenden Übungsbetriebes einen Rückzugsort. Nicht nur Wolf und Wildkatze streifen über das Gelände, auch selten gewordene Vogelarten wie Wiedehopf, Ziegenmelker und Steinmätzer sind hier zu finden. In den Gehölzen fühlen sich Eremit, Heldbock und andere Käferarten, wie der Veilchenblaue Wurzelhalsschnellkäfer, wohl.

Allein 850 Käferarten sind in Eichen zu finden, in Buchen kann man nach bis zu 650 Arten suchen. Hinzu kommen Insekten, Schmetterlinge oder wie die Blauflügelige Ödlandheuschrecke, Reptilien und anderes Getier. "Die Bandbreite der Natur ist auf diesem Areal besonders groß", sagt Rainer Aumann, Leiter des Bundesforstbetriebes Nördliches Sachsen-Anhalt, zu dem die Heide gehört. Weite Teile seien als Europäisches Vogelschutzgebiet ausgewiesen. Der Bundesforstbetrieb sehe sich als Dienstleister der Bundeswehr für den Erhalt und die Pflege der Landschaft. Der Schutz von Flora und Fauna sei dabei eine zentrale Aufgabe, betont Aumann.

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