Auslagern oder nicht?

Wert der Bauleitung für Verteilnetzbetreiber

Von Dr. Manfred Fitzner

Dr. Manfred Fitzner.

Berlin. – Welchen Wert hat die Bauleitung für Netzbetreiber und Stadtwerke? Ist eine eigene Bauleitung im Unternehmen wirtschaftlich sinnvoll oder sollte diese Aufgabe ausgelagert werden.

Im Rahmen einer Analyse für einen namhaften Verteilnetzbetreiber (VNB) ist Projektspezialist und Unternehmensberater Dr. Manfred Fitzner diesen Fragen nachgegangen. Netzbetreiber und Stadtwerke müssen der Marktentwicklung begegnen, indem alle Unternehmensbereiche regelmäßig auf den Prüfstand gestellt werden: Wo gibt es Einsparungspotentiale, was ist eigentlich die Kernkompetenz und welche Tätigkeiten sollte man auslagern?

Viele der historisch gewachsenen Aufgaben sind nicht nachvollziehbar bepreist, geschweige denn einer belastbaren Kosten-Nutzen-Analyse unterzogen worden. Dazu gehört u. a. auch das Thema Bauleitung. Bei einem namhaften Verteilnetzbetreiber wurde eine Analyse der Wertigkeit dieses Aufgabenbereichs durchgeführt. Die wesentlichen Ergebnisse sollen im Folgenden aufgeführt werden.

In der Analyse wurde bestätigt, dass Bauen eine der Hauptaufgaben eines VNB ist, vor allem in wachsenden Städten wie München, Düsseldorf, Köln, Berlin etc. Die Haupteinnahmequelle eines VNB ist die Faktur von Netznutzungsentgelten und das Netz stellt dafür die Grundlage dar.

Die Aufgaben Instandhaltung, Aus- und auch Um- bzw. Rückbau sichern die Effizienz eines Netzes und die Anbindung der Kunden. VNB werden immer bauen müssen, die Anzahl und der Umfang der Projekte/Maßnahmen (z. B. Hausanschlüsse) haben sich in den letzten Jahren eher erweitert als das sie stagnieren oder gar reduziert werden.

Baustellen gehören ins Stadtbild – sind aber immer große Ärgernisse für den Verkehrsfluss, produzieren Lärm und Schmutz. Daher wird in den Ausschreibungen von Konzessionen immer mehr auf Qualitätsmerkmale des Baugeschehens Wert gelegt: Die Politik möchte für den Bürger eine "smarte" Stadt organisieren, ohne die Entwicklung (das Baugeschehen) zu bremsen. So werden mitunter Vorgaben gesetzt, zu gewissen Zeiträumen und für gewisse Gebiete Baustellen ganz zu vermeiden. Der Bauleiter (BL) trägt in diesem Zusammenhang eine große Verantwortung, denn neben der Organisation, dem fachlichem Input, dem Controlling von Zeit, Kosten, Terminen und Qualitäten präsentiert er mit der Baustelle das Gesicht seines Unternehmens und sichert den Erfolg weiterer Konzessionsbewerbungen.

Ist Bauleitung eine Kernkompetenz oder sollte man diese Aufgabe eher auslagern? Um diese Frage zu beantworten, wurden verschiedene Vertragskonstellationen beleuchtet, eine Bauleitung extern zu besetzen. In allen Szenarien konnte beim Einsatz eines eigenen BL nachgewiesen werden, dass die Sicherung der Erfolgsfaktoren Zeit, Termine, Ergebnis und Ergebnisqualität nur mit einem eigenen BL nachhaltig gesichert werden kann. Bei genauerer Betrachtung wird deutlich, dass eine Verbesserung der Parameter mehr Arbeit für den BL bedingt – dass von diesen Merkmalen umspannte Aufgabenfeld wird umso größer, je mehr verlangt wird! Ein externer BL würde bei der Verbesserung der Projektparameter nicht automatisch mehr Geld bekommen – die Motivation zur Verbesserung ist daher eher gering. Im Gegenteil: Einige, am Markt eingeführten Verträge zur Bindung eines externen BLs, wirken eher kontraproduktiv. Beispiel Festpreisvertrag: Hier will der BL schnell fertig werden und vernachlässigt die Qualität.

Bei einem Kabelzug führen Qualitätsmängel während der Ausführung zur Minderung der technischen Nutzungsdauer, könnten aber nur vom BL selbst erkannt und verhindert werden. Beispiel Aufwandsvertrag (gemäß HOAI): Hier partizipiert der BL eher von einer Ausweitung des Auftrages bzw. der Verlängerung der Bauzeit, wird also bei Abweichungen von der Planung nicht ganz gezielt an Optimierungen und der Suche nach konstruktiven Kompromissen arbeiten.

Ein weiterer Grund, den Personalstamm "BL" firmenintern zu pflegen und zu entwickeln, ist der Kostenvorteil, wenn man eine Gesamtsicht einnimmt. Der externe BL ist vom Stundensatz her ggf. preiswerter, aber bei seinem Einsatz müssen zusätzliche Aufgaben und die daraus resultierenden Aufwände und Zeitverzüge beachtet werden, um nachhaltig im Sinne der Unternehmensstrategie zu agieren. Dazu gehören u. a. die Sach- und BNetzA-gerechte Aufteilung der Kosten, die Priorisierung der Maßnahmen und Projekte, die vollumfängliche Übernahme der Bauherrenverantwortung u. v. m.

Es ist angezeigt, zwei am Markt eingeführte Basisgrundlagen zu nutzen: Für die Berechnung der Honorare wird die HOAI, für den Bereich Netzbau die Tafel des § 44 verwendet. Die Auswahl der Honorarzone, die sich aus dem Schwierigkeitsgrad des Bauvorhabens ergibt, wird mit der Stadt abgestimmt. Der gemäß HOAI mögliche Honorar-Zuschlag für Umbau ("Umbauzuschlag") wird überall dort verwendet, wo beim Bau Versorgungsunterbrechungen zu organisieren sind (hier können zusätzliche Honorare bis zu 50 % der anrechenbaren Kosten vereinbart werden!). Eine fixe Mindestpauschale vermeidet Unterbezahlung bei Kleinstmaßnahmen, denn Vor-Ort-Besuche und Dateneingaben generieren einen zeitlichen Mindestaufwand, der damit Beachtung (und finanzielle Anerkennung) findet. Auch für Korrekturbuchungen sollten (interne) Preise festgelegt werden.

Unterhalb einer berechenbaren Größenordnung für die anrechenbaren Kosten muss eine Mindestpauschale vereinbart werden, da sonst Verluste produziert werden. Bei Großprojekten wird zusätzlich eine Projektmanagementleistung kalkuliert, die sich in diesem Falle nach der LHO; Heft 9 "Projektmanagement" richtet. Spezielle fachliche Arbeiten der BL wie z. B. das Auslesen der Mittelspannungskabel werden als Zusatzaufwände bewertet und berechnet. Wie die Analyse gezeigt hat, ist eine Auslagerung der BL für VNB nicht zu empfehlen. Die BL ist eine wesentliche Kernkompetenz eines VNB, sollte dort beheimatet sein und kann wertig organisiert und abgerechnet werden.

Der Autor ist promovierter Ingenieur, Spezialist für Energieversorgungsunternehmen und Inhaber von project biz, einem Beratungsunternehmen für erfolgreiches Projektmanagement Als Dozent an der FOM lehrt er technische Systeme und Digitalisierung.

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