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B 33 Tunnel Konstanz-Waldsiedlung

Nah am Wasser und doch im Trockenen bauen

Von Joachim Mahrholdt

Kai Penkwitz ist der alleinige Polier auf dieser besonders anspruchsvollen Baustelle. Für den 39-jährigen Storz-Mitarbeiter eine Herausforderung.

Konstanz(ABZ). – Der Bodensee liegt im Süden nur einen Steinwurf entfernt, von den Hängen des Bodanrück im Norden drückt das Grundwasser – dazwischen entsteht der Tunnel Waldsiedlung bei Konstanz. Dieser Teilabschnitt der Neugestaltung der B 33 dürfte wohl zu den kompliziertesten des gesamten Projektes zählen. Es gilt, ganz nahe am Wasser im Trockenen zu bauen – und zwar nicht im übertragenen Sinne. Kai Penkwitz von Storz-Verkehrswegebau scheint hin und hergerissen zu sein. Diese Großbaustelle sei eine Premiere für ihn – als alleiniger Polier. Eine besondere Herausforderung, die ohne gute und kompetente Kollegen auf allen Stufen der Hierarchie nicht zu stemmen sei. Damit meint der 39-Jährige sowohl die Facharbeiter in seiner Kolonne als auch die gemeinsamen Chefs. Nicht alle seien sie übrigens Storzianer. Doch die Zusammenarbeit mit den Kollegen von Schleith klappe vorzüglich, so der Capo. Storz und Schleith bilden die Tiefbau-ARGE. "Wir arbeiten hier, wo andere Urlaub machen. . .", sagt er außerdem mit Blick auf die nahe Insel Reichenau und das Wollmatinger Ried. Aber wenn er ergänzt, dass er auf dieser Baustelle schon einmal 14 km pro Tag zu Fuß zurücklegt, dann wird klar, dass er damit keine Spaziergänge meint. Derzeit schaffen hier zwei Dutzend Kollegen in Baggern, Raupen, Dumpern und Lkw die Voraussetzungen dafür, dass hier vom Sommer an gebaut und betoniert werden kann.

Diese Baustelle sei nämlich deutlich komplizierter als andere, erklärt Penkwitz. Hier treffe man auf viele verschiedene Bodenarten, natürlich auf viel Sand, und v. a. auf große Mengen Wasser. Man will es gerne glauben: Der See liegt schließlich nur einen kräftigen Steinwurf weit entfernt.

Inzwischen sei die Grundwasserkommunikation fertig, längs der kompletten Baugrube liege nord- und südseitig eine Drainage. Das heißt praktisch: Alle 30 m führen Schächte nach unten, in denen von der nördlichen Hangseite drückendes Wasser gesammelt, in 15 m Tiefe durch Kanalrohre nach Süden abgeleitet und jenseits der entstehenden Baugrube wieder hochgepumpt wird, um anschließend durch ein Versickerungssystem in Richtung See abzufließen. In diesen sogenannten Dükern liefen die Pumpen 24 Std. am Tag, sagt Penkwitz.

Und dann arbeite man derzeit am Vorabtrag. Was das heißt, lassen die zahlreichen Lkw erahnen, welche die Baustelle befahren. Sie fahren Sand und kiesiges Moränenmaterial ab, auf dem Rückweg bringen sie Schotter. Auf den ersten Blick ein Widerspruch, der nach einer Erklärung verlangt. Und die liefert der Polier. Denn für den künftigen Tunnel Waldsiedlung mit seinen 450 m Länge und die beiden zusätzlichen sogenannten Einlauf- und Auslaufbauwerke von 200 m und 60 m müsse man die Baugrube ausheben. Das gehe aber nur etappen- bzw. etagenweise. Denn die nötigen Spundwände links und rechts, die mehr als 20 m tief in den Erdboden reichen müssten, ließen sich nicht ohne weiteres und in einem Rutsch in diesen Untergrund setzen. Vielmehr müsse der vorbereitet werden. Das geschehe durch Bohrungen, die lockeres Material einbrächten. Das dafür nötige Bohrgerät allerdings wiege rd. 85 t, und wenn man dies nicht auf festen Grund setze, würde es schlicht einsinken.

Deshalb habe man großflächig in der künftigen Baugrube Vlies ausgebracht und mit Schotter belegt, eine Baustraße geschaffen. Sobald die Spundwände auf eine gewisse Tiefe gesetzt seien, entferne man wieder Schotter und Vlies, koffere weiteren Boden aus, um anschließend wieder Schotter und Vlies zu verlegen; um diese Baustraße wieder für die schweren Maschinen zu befestigen, damit das "Spiel" von neuem beginne könne, aber eben eine Etage tiefer. Erst Mitte Juni sei man dann auf dem Planum angelangt und die Kollegen des Tunnelbau-Unternehmens Baresel könnten beginnen zu betonieren. Mit Baresel bildet Storz die sogenannte Dach-ARGE für das gesamte Projekt "Tunnel Waldsiedlung".

Was von Ferne also nur geschäftig und getaktet aussieht, ist bei näherer Betrachtung ein fein abgestimmtes Uhrwerk: zwischen Planungen und Praxis, zwischen Unternehmen, zwischen beteiligten Menschen. Hier geht es täglich um Höchstleistungen – ingenieur- und bautechnisch. Es geht um die Kunst, nahe am Wasser im Trockenen zu bauen.

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Der Autor ist freier Journalist, Moderator und Medienberater.

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