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Bahnbrücke

Sanierung erfolgt im besten Brückenalter

Die alte Übergangskonstruktion zwischen Überbau und Widerlager wurde materialschonend mit Wasser-Höchstdrucktechnik ausgebaut und durch eine neue ersetzt.

Ummendorf (ABZ). – Im Süden von Biberach an der Riß liegt Ummendorf – ein malerisches Landstädtchen an der Oberschwäbischen Barockstraße samt Schloss. Auch verkehrstechnisch ist das Städtchen gut versorgt – der Knotenpunkt wichtiger Bundestraßen liegt nah. Nur auf der zweigleisigen Bahnstrecke in Richtung Ravensburg tut sich derzeit nicht viel – sie wird elektrifiziert. "Ein Glück für uns", sagt Bernd Weimer, Storz-Bereichsleiter Bauwerkinstandsetzung und freut sich, denn er und seine Kollegen sanieren derzeit die Brücke der K7502 über die Bahnlinie. Die aktuelle Stilllegung der Strecke sei mit der Bahn nicht verabredet gewesen, erleichtere aber die Arbeit deutlich. Bis Oktober will man mit dem 800 000-Euro-Auftrag fertig sein. Weimer hat zusätzlich die Bauleitung übernommen und besucht Polier Hannes Wappis und seine drei Kollegen regelmäßig. "Eigentlich eine Sanierung im besten Brückenalter", meint der Ingenieur. Hier finde man das nach rd. 35 Jahren Übliche vor: Undichtigkeiten. Wasser – im Winter mit Salzen angereichert – suche sich seinen Weg unter den alten Abdichtungen hinweg bis an die Bewehrungseisen der tragenden Konstruktion. "Hier ist eine komplette Instandsetzung fällig", sagt Weimer.

Die Kappen mit den Geländern und den Schutzplanken habe man abgenommen, ebenso die Fahrbahndecken und die alten Abdichtungen. Was jetzt oben noch steht, ist der Überbau der Brücke, also die nackte Betonkonstruktion. Hier lasse sich sehr gut sehen, dass eine solche Spannbetonbrücke ein sehr komplexes Bauwerk ist: Eingegossen in die Betondecke verlaufen Hüllrohre mit gespannten Stahlseilen; diese Kombination nehme bestens Zug und Druck auf. Gleichzeitig muss das Bauwerk aber im Wechsel der Jahreszeiten und Temperaturen sich auch ausdehnen oder schrumpfen können. Die alte Übergangskonstruktion zwischen Überbau und Widerlager wurde materialschonend mit Wasser-Höchstdrucktechnik ausgebaut und wird durch eine neue, maßgefertigte ersetzt. Später folgen Entwässerung, Abdichtung des Überbaus, Neubau der Kappen und schließlich die Fahrbahn. "Eigentlich", so sagt Weimer mit Blick auf den Betonkern des Bauwerks, "ist diese Brücke noch in einem ganz guten Zustand." Spannbetonkonstruktionen wie diese seien typisch für die 70er-/80er-Jahre gewesen. Die kämen jetzt ins Sanierungsalter; ihre Tragreserven könne man aber wieder aktivieren. Schließlich seien Ingenieurbauwerke wie diese Bahnbrücke für 100 Jahre konzipiert. Weimer: "Brücken muss man eben pflegen."

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 33/2019.

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