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Bau bleibt auf Wachstumskurs

Von Reinhardt Quast, Präsident des Zentralverbandes Deutsches Baugewerbe, Berlin

Die deutsche Wirtschaft schwächelt, von einer Rezession ist aber noch keine Rede. Die Forschungsinstitute gehen für 2020 von einem Wachstum von einem Prozent aus; die Bundesbank hat ihre Prognose aber gerade auf 0,6 Prozent korrigiert. Auch sie warnt vor nicht zu leugnenden Abwärtsrisiken. Dazu gehören eine abgeschwächte Weltkonjunktur, außenwirtschaftliche Gefahrenherde genauso wie der nun zu erwartende Brexit. Auch die Bauwirtschaft verlangsamt ihr Wachstum, wir gehen für 2020 immer noch von einem Plus von 5,5 Prozent aus, nach 8,5 Prozent 2019. Angesichts zu erwartender Preissteigerungen für Löhne und Material liegt das Wachstum real dann nahezu bei null. Zum Jubeln besteht auch für uns kein Anlass.

Wir gehen davon aus, dass der Wohnungsbau angesichts des weiter bestehenden Wohnungsmangels in den Ballungsgebieten mit einem Plus von 7 Prozent weiter wachsen wird, darauf weisen auch verschiedene Frühindikatoren wie reale Einkommenszuwächse und günstige Finanzierungsmöglichkeiten hin. Weitere Steigerungen sind aber nicht zu sehen, da es Engpässe beim verfügbaren Bauland gibt und durch Kostensteigerungen aus gesetzlichen Anforderungen und gestiegenen Materialpreisen die Rentabilität immer weiter verringert wird. Allerdings wird sich auch hier die Entwicklung deutlich verlangsamen. Die von der Bundesregierung getroffenen flankierenden Maßnahmen, wie das Baukindergeld und die Sonder-Afa, werden nur kurzfristige Impulse setzen können.

Gebraucht werden darüber hinaus 80 000 Sozialwohnungen jährlich, um die Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum zu befriedigen. Daher freuen wir uns, dass der soziale Wohnungsbau weiterhin durch die Bundesregierung gefördert wird. Nun sind zunächst einmal Länder und Kommunen an der Reihe entsprechende Projekte an den Start zu bringen, was sie bisher nur sehr eingeschränkt getan haben.

Schwieriger ist die Situation bei der energetischen Gebäudesanierung. Die Förderung hier weiter auszubauen, ist Teil des Klimapakets der Bundesregierung. Denn bisher stagniert dieses Aufgabenfeld, die Sanierungsquote verharrt unter einem Prozent, was zur Erreichung der Klimaziele zu wenig ist. Daher fordern wir seit langem eine steuerliche Förderung. Diese hatte die Bundesregierung auch beschlossen. Wir setzen darauf, dass sie kommt und diesem Marktsegment neuen Schwung verleiht.

Auch im Wirtschaftsbau ist die konjunkturelle Lage noch mit ausreichend zu beschreiben; wir erwarten einen Zuwachs von 5,5 Prozent. Wir haben im Bereich Fabrik- und Werkstattgebäude deutliche Rückgänge, bei Handels- und Lagergebäuden eine stabile Entwicklung zu verzeichnen. Die zunehmende Erwerbstätigkeit schlägt sich zudem in einem erhöhten Bedarf an Büroflächen nieder. Die Entwicklung im Wirtschaftshochbau birgt die größten Risiken, ist sie doch von den Investitionen der schwächelnden, gewerblichen Wirtschaft abhängig.

Der Wirtschaftstiefbau verzeichnet einen positiveren Trend, vor allem wegen der hohen Investitionstätigkeit der Deutschen Bahn. Der Bundeshaushalt sieht für das kommende Jahr noch einmal eine Erhöhung der Investitionszuschüsse um 1,1 Milliarden Euro auf 6,6 Milliarden Euro vor. Angesichts des Zustandes unserer Schieneninfrastruktur sind diese Investitionen dringend geboten. Die abgeschlossene LuFV III ermöglicht es der Bahn, ihre Investitionstätigkeit auf einem hohen Niveau fortzuführen. Hier kommt es darauf an, dass die mittelständische Bauwirtschaft in die Auftragsvergabe mit einbezogen wird. Nur so lässt sich das immense Investitionsvolumen stemmen. Denn es geht um mehr, als nur Schienen in Gleisen zu verlegen; es geht um die Sanierung von Bahnhöfen, den Ausbau von Park&Ride-Plätzen sowie um die Sanierung von Bahnhofsvorplätzen.

Und auch im öffentlichen Bau werden die Umsätze mit plus 4 Prozent noch etwas steigen. Denn nach Jahren der Investitionszurückhaltung sehen wir seit 2016 eine Investitionsoffensive im Bundesfernstraßenbau, die in einer Vielzahl von Baustellen erlebbar ist. Allerdings scheint dem Bund die Luft ausgegangen zu sein, denn seit Mai stellen wir einen realen Rückgang der Auftragseingänge um 9 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres fest. Es hat den Anschein, als ob sich die Länder im Hinblick auf die Gründung der Autobahn GmbH, die ja zum 1. Januar 2021 starten soll, bereits aus der Vergabe zurückgezogen haben. Das darf nicht sein, wir brauchen eine verstetigte Vergabe durch die Auftragsverwaltung der Länder – und zwar bis zum 31. Dezember 2020. Mit dem Übergang der Auftragsverwaltung zurück zum Bund, zur Autobahn GmbH, sind ÖPP-Projekte endlich obsolet geworden. Dass sie unwirtschaftlich sind, beweisen nicht nur die hohen Nachforderungen, die bei vielen Projekten erhoben werden. Jetzt gilt es, den Übergang möglichst reibungslos zu gestalten und vor allem die Planungskapazitäten entsprechend wieder aufzubauen.

Die höhere Bautätigkeit im vergangenen Jahr war nur mit mehr Mitarbeitern möglich. Im Jahresdurchschnitt waren 857 000 Menschen im Bauhauptgewerbe beschäftigt, und damit rund 20 000 mehr als im Vorjahr. Aber auch die Zahl der Auszubildenden und der Studierenden im Bereich Bauingenieurwesen hat sich erhöht. Dennoch reichen diese Arbeitskräfte nicht aus. Wir werden auch in Zukunft auf ausländische Arbeitskräfte angewiesen sein. Daher fordern wir auch, die sogenannte Westbalkan-Regelung über 2020 hinaus zu verlängern.

Noch blicken wir einigermaßen gelassen die Zukunft, wenn uns auch die unsichere Entwicklung Sorgenfalten auf die Stirn treibt. Dennoch bleiben wir dabei: "Gebaut wird immer!"

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 01/02/2020.

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