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Bauarbeiten am Kreuz Braunschweig Süd

Brückenbauwerk an der Autobahn wurde umfassend erneuert

In Summe konnten die Ausführenden durch die Aufbereitung des Bodenaushubes vor Ort rund 500 Ab- und Antransporte auf öffentlichen Straßen (etwa 4500 m³ Boden bei rund 15 m³ Ladevolumen) einsparen.

Braunschweig (ABZ). – Kommt es im Umfeld von Autobahnen zu Tiefbauarbeiten, spielt der Zeitfaktor eine besondere Rolle: Bauabläufe und Sperrungen sollen möglichst kurz gehalten werden, um den Verkehr so wenig wie möglich zu behindern. Stehen Arbeiten unterhalb oder unmittelbar neben der Fahrbahn an, so sind Planende in besonderem Maße gefragt, um praktikable Lösungen zu erarbeiten.

So geschehen für die Erneuerung der Überführung der A 36 über die A 39 am Kreuz Braunschweig Süd. Dort setzten die Verantwortlichen auf ein Flüssigbodenverfahren, um mit dem Aushub direkt weiterarbeiten zu können.

Die Ausführenden mussten die im Baufeld der neuen Brücke liegenden Regen- und Schmutzwasserkanäle vor der Erneuerung der Brücke verlegen – für diese Arbeiten sah die Bauplanung sechs Monate vor.

Neue Leitungen mit Rohrvortrieb verlegt

Sebastian Schulze von der Ingenieurgesellschaft Prof. Dr. E. Macke mbh aus Braunschweig erläutert die Maßnahme: "Die Kanäle mussten umverlegt werden, da sich diese im Widerlagerbereich der Brücke befanden", erläutert der Spezialist. "Hierbei sollten sowohl die B 4/A 36 als auch die A 39 möglichst ohne Beeinträchtigung des Verkehrs gequert werden.

Aus diesem Grund wurden die neuen Rohrleitungen (DN 2.200) größtenteils mittels Rohrvortrieb verlegt." Da im Zuge der Maßnahme sehr umfangreiche Bodenaushubmaßnahmen erforderlich waren, habe sich schnell die Frage gestellt, wie die Mitarbeitenden mit dem Aushub umgehen würden. "Bekommen wir es in dem vorgesehenen Zeitfenster hin, den Boden abzufahren, zwischenzulagern und wieder zu verfüllen? Wie lassen sich die bis zu 11 Meter tiefen Baugruben am einfachsten wieder verfüllen? Uns war schnell klar, dass dies mit einer herkömmlichen Bauweise logistisch nicht realisierbar gewesen wäre. Daher haben wir uns dazu entschieden, für diese Maßnahme ein Flüssigbodenkonzept zu erarbeiten.

Dieses sah vor, dass der vor Ort anfallende Aushub nach Beendigung der Vortriebe und Zusammenführung der Rohre für die Verfüllung der Baugruben wieder verwendet wurde", führt Schulze aus.

Unter Flüssigboden versteht man zeitweise fließfähige, selbstverdichtende Verfüllbaustoffe (ZFSV). Diese basieren auf aufbereitetem Erdaushub, geprüften Recyclingbaustoffen oder natürlichen beziehungsweise aufbereiteten Sand-Kies-Gemischen unter Zugabe definierter Additive und Wasser. Der Flüssigboden wurde bei dieser Maßnahme mit einer mobilen Mischanlage des Typs CM30+ von der Firma Max Kroker Bauunternehmung GmbH & Co aus Braunschweig aufbereitet.

Bestandteile der Mischung waren neben dem Boden, die Bentonitsuspension aus dem Rohrvortrieb und die im Vorfeld gebrochene Hochdruckinjektion (HDI); entstanden ist der Flüssigboden in einem trockenen, homogenen, Mischungsverhältnis. Das Gemisch erreicht dabei eine maximale einaxiale Druckfestigkeit von 0,3 N/mm² (nach FGSV H ZFSV). "Zunächst wurde der Boden aus den einzelnen Baugruben mittels einer mobilen Siebanlage aufbereitet.

Im Anschluss daran wurde das HDI mit einer Brecherschaufel gebrochen", erläutert Ingenieur Meik Arnemann von der Firma Kroker.

"Zur kontrollierten Zwischenlagerung der Bentonitsuspension wurden Becken angelegt. Abschließend haben wir die Komponenten mithilfe eines Baggers gemischt.

Der fertige Flüssigboden wird schließlich über eine hydraulisch verstellbare Rutsche direkt in den Graben beziehungsweise in die Baugrube gefüllt. Bei Bedarf kann er auch in Fahrmischern eingefüllt und auf die Baustelle transportiert werden. Eine laufende Überwachung der Rezepturen sichert dabei die Qualität des Bauwerks." Dass diese Bauweise viele Vorteile bietet, erklärt Sebastian Schulze: "Der entscheidende Vorteil bei der Verwendung von Flüssigboden liegt darin, dass wir den vor Ort anstehenden Boden wieder verwenden können.

Dadurch, dass wir Bentonit aus dem Rohrvortrieb vor Ort aufbereiten konnten, wurden viel weniger Rohstoffe (Compounds) zugefügt als sonst üblich.

Auch zerkleinerter Betonabbruch wurde der Mischung hinzugefügt. In Summe konnten durch die Aufbereitung des Bodenaushubes vor Ort rund 500 Ab- und Antransporte auf öffentlichen Straßen – etwa 4500 Kubikmeter Boden bei rund 15 Kubikmetern Ladevolumen – eingespart werden.

Ein weiterer Vorteil: Die bis zu 11 Meter tiefen Baugruben ließen sich mit Flüssigboden deutlich schneller und einfacher verfüllen, als wenn man dies händisch gelöst hätte", ist Schulze überzeugt.

BQF definiert verlässliche Qualitätsstandards

Um den bisher noch nicht genormten Baustoff Flüssigboden mit einer transparenten und zielgerichteten Qualitäts-sicherung am Markt zu platzieren, hat sich die Bundesqualitätsgemeinschaft Flüssigböden e. V. (BQF) seit 2010 das Ziel gesetzt, Richtlinien für diese Qualitätssicherung zu definieren und deren Umsetzung in der Praxis sicherzustellen.

"Seit 2020 ist das Unternehmen Max Kroker Mitglied bei der BQF. Für eine erfolgreiche Vermarktung dieses noch recht neuen Produktes war es für uns wichtig, einen Produktstandard zu definieren", betont Arnemann. "Diesen versprechen wir uns durch das BQF-Qualitätszeichen, das wir in Kürze anstreben." Die Baumaßnahmen am Autobahnkreuz Braunschweig Süd konnten vor Kurzem erfolgreich abgeschlossen werden. Maik Skrzypek, Oberbauleiter des Bauherren, der Stadtentwässerung Braunschweig, zeigt sich zufrieden.

"Die veranschlagte Bauzeit von nur einem halben Jahr wurde nicht zuletzt durch den Einsatz von Flüssigboden eingehalten", ist der Spezialist überzeugt. Die Vorgehensweise der Bauverantwortlichen habe sich auf ganzer Linie bewährt.

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