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Bauaussichten 2017

Baustoffindustrie weiter auf moderatem Wachstumskurs

Von Michael Basten, Hauptgeschäftsführer Bundesverband Baustoffe – Steine und Erden, Berlin

Baustoffe, bbs Bundesverband Baustoffe - Steine und Erden

Michael Basten, Hauptgeschäftsführer Bundesverband Baustoffe – Steine und Erden.

Die Baustoff-, Steine-und-Erden-Industrie blickt alles in allem zuversichtlich auf das Jahr 2017. Die Ausgangslage ist positiv: Die Baunachfrage ist 2016 bereits deutlich gestiegen, wobei insbesondere der Wohnungsbau als Wachstumstreiber fungiert hat. Auch im öffentlichen Bau nimmt die Investitionsbereitschaft von Bund, Ländern und Kommunen zu, der enorme Investitionsstau bei der Infrastruktur soll verstärkt angepackt werden. Insgesamt dürfte die wertmäßige Baustoffproduktion 2016 um real 2,5 % angestiegen sein. Im neuen Jahr ist von einem weiteren Anstieg auszugehen, wobei die Zuwachsraten voraussichtlich etwas schwächer ausfallen werden als 2016. Die Wachstumsimpulse dürften dabei auch 2017 aus dem Wohnungsbau und dem öffentlichen Bau kommen.

So ist der Wohnungsbaubedarf nach wie vor hoch.

Es besteht weiterhin hoher Zuzug in die Metropolregionen, zudem erfordert die Integration von Flüchtlingen in den Wohnungsmarkt zusätzlichen Neubau. Auch wenn die Baugenehmigungen 2016 stark angestiegen sind, liegt die Bautätigkeit weiter deutlich unterhalb des vom Bundesbauministerium identifizierten Bedarfs von mindestens 350 000 Wohnungen jährlich. Insbesondere im unteren Preissegment wird zu wenig gebaut, was sich auch in steigenden Mieten und Kaufpreisen niederschlägt. Zwar ist die Verdreifachung der Bundeszuweisungen an die Länder für den sozialen Wohnungsbau ein wichtiger Schritt. Dringend erforderlich bleibt allerdings, auch den Bau günstiger, nicht geförderter Wohnungen voranzutreiben. In diesem Zusammenhang ist auf die Ergebnisse des Bündnisses für bezahlbares Wohnen und Bauen zu verweisen, deren Umsetzung bislang noch zu großen Teilen aussteht. Auch die Anpassung der steuerlichen Abschreibungsrate im Mietwohnungsbau auf mindestens 3 % wäre ein wichtiges Signal an Investoren. Daneben könnte die Einführung einer wirksamen Wohneigentumsförderung die Wohnungsmärkte spürbar entlasten.

Im öffentlichen Bau sind die Vorzeichen 2017 ebenfalls nach oben gerichtet. Hier greift u. a. der Investitionshochlauf bei den Bundesverkehrswegen, der das Bauvolumen in diesem Bereich sukzessive ansteigen lässt. Mit dem im vergangenen Jahr vorgelegten Bundesverkehrswegeplan 2030 ist auch längerfristig eine nachhaltige Infrastrukturpolitik vorgezeichnet. Dabei wird die Ausweitung der Nutzerfinanzierung in den kommenden Jahren das Finanzierungsvolumen im Verkehrsbereich weiter stabilisieren. In diesem Zusammenhang ist auch die von Bund und Ländern vereinbarte Gründung einer Fernstraßengesellschaft zu begrüßen. Diese wird dazu beitragen, die Verantwortlichkeiten für die Autobahnen und vierspurigen Bundesstraßen klar zu bündeln und Reibungsverluste zu minimieren. Auf der Ebene der Städte und Gemeinden wirkt sich die Entlastung von Sozialausgaben durch den Bund positiv aus, wodurch teilweise neue Investitionsspielräume eröffnet werden. Allerdings bleibt die äußerst heterogene Finanzlage im kommunalen Bereich eine Herausforderung.

Darüber hinaus muss auf allen föderalen Ebenen sichergestellt werden, dass wichtige Investitionsprojekte nicht durch personelle Engpässe in den öffentlichen Verwaltungen verzögert werden. Wichtige Impulse können auch von dem durch das Bundesverkehrsministerium initiierten "Innovationsforum Planungsbeschleunigung" ausgehen.

Während die Investitionen in den Wohnungsneubau und in Erhalt und Ausbau der Infrastruktur aktuell zulegen, entwickelt sich die Sanierungstätigkeit verhalten. Dies ist insbesondere im Hinblick auf die Umsetzung der Energiewende bedenklich.

Nach wie vor entfallen knapp 40 % des deutschen Endenergieverbrauchs auf Gebäude; der Bereich ist daher eine zentrale Stellschraube für mehr Energieeffizienz und Klimaschutz. Um die Effizienzpotentiale im Gebäudebereich ausschöpfen zu können, ist mindestens eine Verdoppelung der energetischen Sanierungsrate, die derzeit nur bei rund 1 % liegt, erforderlich. Angesichts der langen Amortisationszeiträume der Investitionen ist dafür eine attraktive Förderkulisse notwendig. So sollten die KfW-Programme vereinfacht und die Förderung für Selbstnutzer ausgebaut werden. Um Marktverzerrungen zu vermeiden, ist die technologieoffene Ausgestaltung von Förder- und Ordnungsrecht von größter Bedeutung. In diesem Punkt weist auch der von der Bundesregierung vorgelegte Klimaschutzplan 2050 erhebliche Defizite auf.

Angesichts des bestehenden Wohnungsmangels und des Investitionsstaus in der Infrastruktur leistet die Bauwirtschaft wesentliche Beiträge zur Lösung aktueller politischer Herausforderungen. Immerhin hat die Politik die investiven Rahmenbedingungen in Teilen bereits deutlich verbessert. Nun kommt es darauf an, die genannten Stellschrauben in den Bereichen Wohnungsneubau, Sanierungen und Infrastruktur so zu justieren, dass die erforderlichen Investitionen zeitnah realisiert werden können.

ABZ-Stellenmarkt

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Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 01/2017.

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