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Bauaussichten 2017

Nicht in allen Bereichen wirklich zufrieden

Von Martin Roth, Hauptgeschäftsführer Bundesverband der Deutschen Ziegelindustrie, Bonn

Baustoffe

Martin Roth, Hauptgeschäftsführer Bundesverband der Deutschen Ziegelindustrie.

Positive Entwicklungszahlen in der entgegen der in den Medien verbreiteten Meldungen über die boomende Baubranche ist die Wirklichkeit zumindest in der Ziegelindustrie nicht annähernd so positiv. Dabei gibt es sehr deutliche regionale und produktbezogene Unterschiede. Fangen wir mit den negativen Ergebnissen an. Überhaupt nicht profitiert von dem derzeitigen Bauboom haben die Hersteller von Dachziegeln. Im Gegenteil leiden sie darunter, dass die Verarbeiter – Dachdecker und Zimmerer – mit dem Bau von neuen, überwiegend großen Wohngebäuden mit Flachdächern beschäftigt sind. Die Renovierung von Ein- und Zweifamilienhäusern wird hintangestellt; das kann man nach Auffassung des Handwerks immer noch machen, wenn der Neubauboom abflacht. Nicht förderlich ist auch die nach wie vor fehlende Unterstützung der Politik. Entgegen vollmundiger Ankündigungen, den Gebäudebestand bis 2050 nahezu klimaneutral sanieren zu wollen, gibt es keine staatlichen Unterstützungsleistungen, die auch für den privaten Immobilienbesitzer unbürokratisch abzurufen wären. Hier müssen alle unsere Anstrengungen darauf ausgerichtet sein, mit steuerlichen Erleichterungen für energetische Sanierungen die Blockade aufzubrechen.

Ebenfalls schwierig ist das Baugeschehen auf dem Land, abseits der Ballungszentren und der Hochschulstädte. Der Markt für Wohnbauten in Deutschland ist fast exakt zweigeteilt, neben den prosperierenden Großstädten gibt es auch weite Regionen in der Bundesrepublik, in denen Häuser fast unverkäuflich sind und wo es kaum Anreize gibt, in eine Sanierung oder gar einen Neubau zu investieren. Demgegenüber – und nun kommen wir zu den positiven Aussichten – geht in vielen wirtschaftlich gesunden Regionen und in den Hochschulstädten die Post ab! Wider Erwarten hat sich in 2016 auch der Neubau von Ein- und Zweifamilienhäusern vor allem in Süddeutschland gut entwickelt. Nicht zuletzt dadurch getrieben, dass sich viele Bauherren ihre Baugenehmigung noch vor der kostentreibenden Verschärfung der Energieeinsparverordnung gesichert haben. Dieser Sondereffekt läuft 2017 aus und auch die Verschärfung der Kreditvergabe durch die Banken aufgrund der Vorgaben der EU dürfte einen negativen Effekt haben, obwohl eine Nachbesserung der Vorschrift in Arbeit ist. Es bleibt abzuwarten, ob das "Baukindergeld", mit dem die SPD in den Wahlkampf ziehen will, oder ähnliche Vorschläge der anderen Parteien auch in eine Koalitionsvereinbarung umgesetzt und tatsächlich auch wieder junge Familien in die Lage versetzen, Wohneigentum zu erwerben. Ewig wird das günstige Zinsniveau nicht anhalten und auch bei einem geringen Zinssatz ist das fehlende Eigenkapital der Hemmschuh, der junge Familien vom Bauen abhält. Hier ist die Politik gefordert, eine Starthilfe zu geben und den Wohnungseigentumserwerb zu fördern, der nicht zuletzt auch eine vernünftige Versorgung im Alter erleichtern wird, wovon der Staat indirekt auch wieder profitiert.

Sehr gut hat sich das Geschäft mit dem Neubau von Mehrfamilienhäusern entwickelt, das viele Jahre am Boden lag. Stark steigende Genehmigungszahlen korrespondieren noch nicht mit entsprechend hohen Fertigstellungen. Über die Ursachen wird gestritten, vermutlich ist die Kapazitätsgrenze bei vielen erreicht, von den Planern angefangen, über die Bauämter bis hin zu den bauausführenden Unternehmen. Die Ziegelindustrie ist dagegen lieferfähig und hat mit innovativen Produkten sowohl für die monolithische als auch die zweischalige Bauweise viel zu bieten. Gerade das einschalige Bauen hat angesichts der Probleme von Wänden mit Außendämmung von Polystyrol eine Renaissance erlebt. Gleiches gilt für die zweischalige Wand, die als langlebige, im besten Sinne nachhaltige Lösung auch bei jungen Architekten wieder mehr Anklang findet. Backsteinbauten sind wieder in! Dies zeigt nicht zuletzt der prämierte Entwurf für die neue Nationalgalerie in Berlin.

Für 2017 erwarte ich eine moderate Steigerung des Ziegelabsatzes. Aus den oben genannten Gründen wäre eine "schwarze Null" bei den Dachziegelherstellern schon ein Erfolg. Die Produzenten von Vor- und Hintermauerziegeln dürften aber – auch regional unterschiedlich – nochmals deutliche Zuwächse verzeichnen.

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Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 01/2017.

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