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Bauaussichten 2019

Wohnraumoffensive bringt Wachstum und Herausforderung

Von Marcus Nachbauer, Präsident des Bundesverbandes Gerüstbau und Bundesinnungsmeister, Köln

Seit vier Jahren eilt das gesamte Handwerk von Allzeithoch zu Allzeithoch. Allerdings ist die künftige Erwartung der Betriebe eher auf Stabilisierung denn auf eine Fortsetzung der Wachstumsdynamik gerichtet.

Besonders gut laufen die Geschäfte in den Bau- und Ausbauhandwerken, in denen im Vergleich zu den anderen Gewerkegruppen Spitzenwerte erreicht werden: Lediglich 2 % im Bau- und 3 % in den Ausbauhandwerken klagen über eine schlechte Geschäftslage, die große Mehrzahl (74 % bzw. 73 %) spricht von einer guten Geschäftslage.

Auch im Gerüstbauer-Handwerk wird die Lage mehrheitlich gut eingestuft. In der mittel- bis langfristigen Einschätzung der Geschäftslage wird immer häufiger reflektiert, dass die Wirtschaft zyklisch verläuft und dem langanhaltenden Aufschwung irgendwann ein Abschwung folgen wird. Dass es 2019 im Gerüstbaugewerbe zu einem konjunkturellen Wendepunkt kommen könnte wird nicht gesehen.

Die Wohnraumoffensive der Bundesregierung fördert den Wohnungsbau mit 6 Mrd. Euro in sechs Jahren. Zudem kommen vom Bauhaupt- und Ausbaugewerbe für das nächste Jahr gute bis sehr gute Prognosen. Vor diesem Hintergrund erwartet der Gerüstbau eine Umsatzsteigerung von bis zu 4 % in diesem Jahr. Die Betriebszahlen werden, wie in den Vorjahren auch, stagnieren bzw. leicht rückläufig sein. Die Anzahl der Arbeitnehmer steigt voraussichtlich um etwa 2 %.

Gerne würden die Betriebe mehr Personal einstellen, doch fehlen hierfür die passenden Fachkräfte. In nahezu jedem Gewerk existiert ein Engpass, trotz finanziell lohnender und langfristiger Perspektiven. Auch wird es immer schwieriger, junge Menschen für eine Berufsausbildung zu begeistern. Der demografische Wandel und die zunehmende Akademisierung erschweren es den Betrieben zunehmend, ausreichend neue Auszubildende zu gewinnen. Deshalb ist es eine der vordringlichen Herausforderungen im Handwerk, aber auch der Politik, den Fachkräftebedarf zu sichern.

Die Personalkosten sind aufgrund von Facharbeitermangel und Tarifabschlüssen deutlich gestiegen. Außerdem werden die Bauzeiten wegen der kritisch hohen Kapazitätsauslastung in nahezu allen Baubranchen voraussichtlich noch länger werden, was die Gerüstbauunternehmen zu Investitionen zwingt. Höhere Abschreibungen sind die Folge. Infolge der drohenden Dieselfahrverbote entsteht auch im Fuhrpark mit vorwiegend schweren Nutzfahrzeugen weiterer Investitionsbedarf, der durch außerordentliche Wertverluste bei den Bestandsfahrzeugen flankiert wird. Dass die Einkaufspreise für Treibstoff, Verbrauchsmaterial und Anlagevermögen auch 2019 weiter steigen werden ist absehbar. Wegen der anhaltend guten Nachfrage im kommenden Jahr geht die Bundesinnung des Gerüstbauer-Handwerks davon aus, dass die steigenden Kosten in Form von höheren Preisen weiter gegeben werden können.

Was die Gerüstbau-Branche in diesem Jahr beschäftigen wird, ist die Neufassung der "Technischen Regeln für Betriebssicherheit (TRBS 2121)", die am 27. November vergangenen Jahres beschlossen wurde und deren Inkrafttreten in Kürze zu erwarten ist. Einige der neuen Regelungsinhalte werden voraussichtlich einen hohen Investitionsbedarf auslösen und die Produktivität im Gerüstbau belasten. Natürlich ist es unverzichtbar, in jedem Betrieb ein Arbeitsschutzsystem zu installieren, das eine Einhaltung der Regelwerke sicherstellt. Der damit steigende Kostenaufwand für den Arbeitsschutz in den Betrieben ist eine sinnvolle Investition, wenn hierdurch zukünftig Unfälle vermieden werden können. Als Bundesinnung für das Gerüstbauer-Handwerk und Bundesverband Gerüstbau haben wir uns im Rahmen der uns eingeräumten Möglichkeiten in der Erarbeitung des neuen Regelwerks stets für einen ganzheitlichen Ansatz im Arbeitsschutz ausgesprochen. Dieser beinhaltete, dass die Situation auf der Baustelle und das Verhalten der Baubeteiligten ebenso mit einbezogen werden wie die technischen Möglichkeiten zur Sicherung. Im Ergebnis hat sich der staatliche und berufsgenossenschaftliche Ansatz durchgesetzt, der vorrangig auf die technischen Sicherungsmaßnahmen setzt und die Haftung des Unternehmers für den Einzelfall erhöht.

Bundesinnung und Bundesverband Gerüstbau verbinden mit der neuen TRBS 2121 – trotz der geäußerten kritischen Haltung zu ihrem Inhalt – die Hoffnung auf eine weitere Steigerung der Arbeitssicherheit im Gerüstbau. Auf die neue Vorschriftenlage sollten sich alle Baubeteiligten einstellen: der Auftraggeber, der Gerüstersteller wie auch der Gerüstnutzer. Mitgliedern von Bundesinnung und Bundesverband Gerüstbau stehen zur Umsetzung des Arbeitsschutzes in den Betrieben verschiedene Hilfsmittel zur Verfügung. Die beste Vorsorge im Betrieb ist es, durch ein funktionierendes Arbeitsschutzsystem Unfälle zu vermeiden.

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