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Bauaussichten 2021

Wir haben an Stimmkraft gewonnen

Von Dr. Rolf Heddrich, Geschäftsführer und Sprecher des Verbandes bauforumstahl, Düsseldorf

Für mich als Vertreter eines Spitzenverbandes haben sich im vergangenen Jahr zwei Dinge bestätigt: 1. Wir können nur gemeinsam etwas bewegen und 2. Wir brauchen eine nachhaltige und maßvolle Politik, die die richtigen Weichen stellt. Für eine starke Wirtschaft und für einen nachhaltigen Klimaschutz. Und wenn es uns gelingt, beides miteinander zu verbinden, entsteht daraus Innovationskraft, die uns im Verlauf der Geschichte schon durch manche schwere Krise getragen hat.

Unsere Mitglieder haben im vergangenen Jahr gezeigt, dass die Stahlbaubranche auch unter erschwerten Bedingungen für Stabilität sorgt. Wir haben schnell digitale Lösungen gefunden und Strukturen geschaffen, die trotz Pandemie für einen reibungslosen Ablauf auf den Baustellen gesorgt haben. Und: Wir haben an Stimmkraft gewonnen. Nicht nur Ministerpräsident Armin Laschet, sondern auch Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz haben deutliche Wortegefunden: "Die Stahlbauindustrie ist systemrelevant."

Aber was heißt systemrelevant und was bedeutet dieser Status für uns als Gesellschaft? Es bedeutet, dass der Stahlbau ein wichtiger Wirtschaftsmotor ist. Dass wir Arbeitsplätze schaffen in Europa. Und dass wir eine zukunftsfähige Branche sind, die nicht nur über Nachhaltigkeit spricht, sondern Teil der Lösung ist. Unsere Recyclingquote liegt heute bereits bei 88 Prozent zuzüglich 11 Prozent Wiederverwertung. Ziel der Stahlindustrie ist, bis 2050 in allen Stahlerzeugungsverfahren CO2-neutral zu produzieren. Jetzt ist es an der Zeit, dass der Bund das Thema Nachhaltigkeit auch adäquat würdigt, das heißt wir müssen weg von einer kurzfristig gedachten Preispolitik zugunsten einer ganzheitlichen Betrachtung von Bauprojekten. Nachhaltigkeitsaspekte müssen bereits bei Ausschreibung und Vergabe berücksichtigt werden. Wenn das geschieht, haben wir im internationalen Markt automatisch die Nase vorn.

Europa hat ein substanzielles Interesse am Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit der Stahlindustrie und der damit verbundenen Arbeitsplätze. Deshalb dürfen wir nicht müde werden zu betonen, dass Stahl ökonomisch und ökologisch einer der nachhaltigsten und wirtschaftlichsten Baustoffe überhaupt ist. Dass wir für das Thema Digitalisierung stehen wie kaum eine andere Branche der Bauindustrie. Und dann kann es gelingen, dass wir auch über die Grenzen der Corona-Pandemie hinweg ein stabiler Wirtschaftsfaktor bleiben, der unsere Gesellschaft durch diese schwere Zeit trägt.

Der gesamtwirtschaftliche Rückgang wird natürlich auch Auswirkungen auf den Bausektor nach sich ziehen. Investitionen werden zum Teil zögerlicher angestoßen. Dies spiegeln auch die Einschätzungen der Wirtschaftsforschungsinstitute wider. Im gewerblichen Bau rechnet man mit einem deutlichen Rückgang im dritten Quartal 2020. So sieht sich die Bauindustrie im Wirtschaftsbau seit dem Jahreswechsel 2019/2020 einem rückläufigen Auftrags-trend gegenüber, insbesondere im Tiefbau, wenn auch die Auftragsbestände weiterhin hoch sind.

Die im Zuge der Corona-Krise verschlechterte Erlössituation der Unternehmen wirkt überdies dämpfend.

Dennoch gehen wird davon aus, dass sich der Markt 2022 bis 2023 wiedererholt, spätestens mit Abklingen der Pandemie und der Erholung der Ausrüstungsinvestitionen dürfte, leicht verzögert, auch die Dynamik im Wirtschaftsbau wiederanziehen. Bis dahin ist es an uns und an der Politik, wichtige Voraussetzungen zu schaffen. Um die Investitionshaushalte im Baubereich zu sichern, ist ein neues Zukunftsinvestitionsprogramm des Bundes und der Länder zwingend notwendig, aus dem Neubau und Sanierung kommunaler Infrastrukturprojekte finanziert werden können.

Außerdem fordern wir die Erstattung Corona-bedingter Mehrkosten, die sich je nach Baumaßnahme auf 5 bis 15 Prozent der Auftragssumme belaufen. Auch eine steuerliche Entlastung des Mittelstandes ist wünschenswert. Zur Sicherstellung der Liquidität in den Bauunternehmen ist es außerdem unerlässlich, dass die öffentlichen Auftraggeber leistungsnah zahlen. Auch die Bearbeitung, Prüfung und Bezahlung von Nachträgen sollte zügig erfolgen.

Aber auch im Bereich Nachhaltigkeit und in der Normung muss noch vieles bewegt werden. Wichtiges Thema für den Stahlbau ist beispielsweise der Brandschutz.

Wir brauchen keine stumpfen Gesetzesvorgaben. Es gibt genügend innovative Lösungen für alle Formen von Gebäuden. Deshalb engagieren wir uns als Spitzenverband überall dort, wo politische Entscheidungen getroffen werden und wo Entscheidungsträger über zukünftige Bauweisen diskutieren. Als Vertreter der deutschen Stahlbauindustrie, als Stimme für einen zukunftsfähigen Baustoff und als Wirtschaftsmotor unserer Gesellschaft.

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