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Bauaussichten 2021

Ziegelindustrie geht mit Optimismus und Respekt in das Jahr 2021

Von Stefan Jungk, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Ziegelindustrie, Berlin

"2020 – das Jahr, in dem die Erde stillstand" ist ein Titel, der häufiger für diese einzigartigen zwölf Monate genannt wird. Doch von Stillstand konnte in der Ziegelindustrie keine Rede sein. Gleiches gilt für die politischen Vorhaben, die unsere Branche besonders betreffen: Der Green Deal der EU-Kommission hat so richtig an Fahrt aufgenommen. Bereits bis 2030 soll der CO2-Ausstoß in Europa um 55 Prozent gegenüber 1990 gesenkt werden, Klimaneutralität soll 2050 erreicht sein. Außerdem ist am 1. November 2020 das Gebäudeenergiegesetz in Kraft getreten und im vergangenen Juni hat die Bundesregierung neben dem Konjunkturpaket auch eine langfristige Renovierungsstrategie beschlossen, um vor allem den CO2-Verbrauch im Gebäudesektor zu reduzieren. Kurz gesagt, ein Jahr vor der Bundestagswahl wurden viele Weichen in Richtung Zukunft gestellt.

Obwohl auch die Baubranche mit Corona-bedingten Ausfällen zu kämpfen hatte, konnten wir uns zum wiederholten Mal als wirtschaftlicher und sozialer Stabilitätsanker in Krisenzeiten beweisen. Wir Ziegler haben daran einen nicht unerheblichen Anteil, denn wir sind als regional aufgestellte Branche das gesamte Jahr über lieferfähig geblieben. Deshalb sind wir froh, dass trotz aller Umstände die aktuellen Marktzahlen positiv ausfallen: Hinter- und Vormauerziegel sowie Pflasterklinker verzeichnen – selbst in Krisenzeiten – ein solides Wachstum, auch die Produktion von Dachziegeln hat sich mit leichtem Plus gegenüber dem Vorjahr verstetigt. Es wäre dennoch fatal, davon auszugehen, dass unsere Branche die Folgen der Pandemie beziehungsweise ihrer zweiten Welle nicht noch heftiger als bisher zu spüren bekommt.

Deshalb schauen wir mit Optimismus und gleichzeitig mit Respekt in das neue Jahr. Wir gehen davon aus, dass die Sanierung im Bestand aufgrund der aufgelegten Förderung weiter anzieht. Wohlwissend um den Mangel an Fachkräften und Kapazitäten im Handwerk, könnte dies dennoch Wachstumsimpulse für die gesamte Branche auslösen und gesamtwirtschaftlich für den dringend benötigten Konjunkturschub sorgen. Auch 2021 werden wir uns für zusätzliche Anreize im Rahmen der Förderkulisse, etwa die Verlängerung des Baukindergeldes, einsetzen.

Wir Ziegler verstehen die Ressourcenwende als ein zentrales Anliegen zur Erreichung der Klimaschutzziele sowohl im nationalen als auch im europäischen Kontext. Und das mit Erfolg, sei es beim verstärkten Einsatz von Recyclingmaterialien in der Herstellung, bei der Reduzierung des CO2-Austoßes der Branche mit minus 40 Prozent gegenüber 1990, oder bei der Verknüpfung von Erneuerbaren Energien mit unseren Baustoffen, etwa durch Aufdach-Photovoltaik-Anlagen auf sanierten oder neu gebauten Steildächern. Es muss aber auch klar sein, dass die Ressourcenwende nicht zur Abschaffung der Wettbewerbsfähigkeit führen darf. Nachhaltig sein bedeutet in erster Linie das Gleichgewicht zwischen Ökologie, Ökonomie und Sozialem zu finden. Den Weg in die Klimaneutralität können wir nur gemeinsam mit der gesamten Baubranche, der Politik und mit dem Verbraucher gehen. Hier muss der ergebnisoffene, realistische Austausch weiter intensiviert werden. Mit Blick auf den Wohnraummangel lässt sich sagen, dass 2019 so viele Wohnungen fertiggestellt wurden wie seit zwei Jahrzehnten nicht mehr. Dennoch reicht das nicht, um genügend bezahlbaren Wohnraum in Ballungszentren zur Verfügung zu stellen. Der Bauüberhang wächst, die Gründe dafür sind bekannt: fehlende Flächen, zu wenig Kapazitäten, zu lange Genehmigungsprozesse. Der überhitzte Immobilienmarkt kühlt nicht ab, ganz im Gegenteil: Home-Office und Quarantäne generieren neue Bedürfnisse, das eigene Haus mit Garten ist gefragter denn je, und die Wohnfläche pro Person steigt in vielen Prognosen wieder an.

Die anhaltende Baukonjunktur wirkt sich positiv auf die Nachfrage unserer Produkte aus: DAufgrund seiner Wirtschaftlichkeit und leichten Verarbeitung ist der Ziegel mit einem Marktanteil von mehr als 30 Prozent führend im Wohnungsbau. In innovativen Ansätzen wie dem modularen, seriellen oder robotergestützten Bauen sehen wir eine Chance, die entstandene Schere zum Baubedarf perspektivisch zu schließen und werden uns dafür einsetzen, dass die politischen Entscheidungsträger die dafür notwendigen Rahmenbedingungen gestalten. Es muss aber nicht immer der vordergründig innovative Ansatz sein. Wir Ziegler lösen die Probleme auch mit bewährten Verfahren und das gelingt uns ausgesprochen gut. Auch das Steildach scheint im Neubau wieder an Boden gut zu machen und die Sanierung wird immer beliebter – beides sind gute Voraussetzungen für unsere Dachziegel. Vieles was 2020 passiert ist, ob in den Unternehmen, in der Politik oder in unserer Gesellschaft, wird uns noch lange begleiten. Als Ziegelindustrie stehen wir bereit, alle Herausforderungen jetzt anzupacken. Derzeit entwickeln wir unsere Roadmap 2050, in der wir Szenarien und Lösungen zur Klimaneutralität unserer Branche entwickeln. Die Vorteile des Baustoffs Ziegel in puncto Nachhaltigkeit und Klimaschutz gegenüber der Politik zu vertreten, ist und bleibt ein zentraler Bestandteil unserer politischen Arbeit, denn hier vermissen wir nach wie vor ausreichende Transparenz und in weiten Teilen ein deutliches Bekenntnis zur Technologieoffenheit. 2021 wird insofern nicht weniger spannend werden als 2020. Zusätzlich wird in knapp zehn Monaten ein neuer Bundestag gewählt, dazu kommen dieses Jahr sechs Landtagswahlen. Mit Pionier- und Unternehmergeist starten wir in das Jahr 2021: Sicher ist, es gibt ein Leben und Bauen mit und nach Corona.

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 01/2021.

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