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Bauen auf einer Mülldeponie

Neue Hagedorn-Niederlassung entsteht in Köln

Beim Spatenstich waren vor Ort (v. l.): Marius De Groot (Wirtschaftsförderung Köln), Christian Hülsewig (Gründer und CEO von Schüttflix), Thomas Hagedorn (Inhaber der Hagedorn-Unternehmensgruppe), Klaus Müller (von Müller Architecture) und Dr. Jürgen Margane (von Mull und Partner).

Köln (ABZ). – An der Venloer Straße in Köln wird auf einer ehemaligen Deponie ein neuer Standort der Hagedorn-Unternehmensgruppe realisiert. Das Besondere: Der Hausmüll bleibt auf der Deponie, was eine spezielle Abdichtung erfordert. Nun fand der Spatenstich zum Baustart statt.

Alte Mülldeponien nehmen in Deutschland große Flächen ein. Einige sind aufgrund ihrer Lage und Erschließung optimale Standorte, zum Beispiel für Gewerbeimmobilien – doch solche Flächen zu revitalisieren, ist aufwendig und das Bauen auf ehemaligen Müllhalden eine Herausforderung. Die Hagedorn-Unternehmensgruppe ist darauf spezialisiert, ungenutztes Areal zu recyceln, anstatt neue Flächen zu versiegeln. An der Venloer Straße hat das Gütersloher Familienunternehmen seine Fähigkeiten genutzt: Aus einer alten Hausmülldeponie wurde auf 17 400 m² eine Fläche geschaffen, auf der eine neue Niederlassung für mehr als 200 Mitarbeitende entsteht. Um den Baustart zu feiern, fand vor Kurzem ein symbolischer Spatenstich statt.

Das Team der Hagedorn Köln GmbH wird gemeinsam mit Mitarbeitenden der Schüttflix GmbH, die digitale Plattform für Schüttgüter und innovatives Start-up der Gruppe, in das Gebäude ziehen. "Die Entwicklung von Schüttflix zeigt das riesige Potenzial digitaler Lösungen in der Baubranche. Mit dem neuen Gebäude in Köln legen wir (sprichwörtlich) den Grundstein für das weitere Wachstum", sagt Nils Klose, Geschäftsführer von Schüttflix.

"Wir bauen aus Überzeugung auf einer Deponie, denn Gewerbe- und Industriegebiete sind von erheblicher Bedeutung für Regionen mit Strukturwandel – aber ein ausgesprochen knappes Gut. Ausgediente Flächen zu revitalisieren, ist der einzige Weg, um den Flächenfraß in Deutschland zu vermeiden. Zudem leisten wir damit einen wichtigen Beitrag, um die Klimaziele der Bundesrepublik zu erreichen", erläutert Thomas Hagedorn, Inhaber der Hagedorn Unternehmensgruppe. Mit dem Geschäftsmodell seines Unternehmens, Brownfields zu entwickeln, ist er deutschlandweit erfolgreich. Durch den Zusammenschluss mit dem Bergheimer Kranspezialisten Wasel GmbH im Juli dieses Jahres werde die Hagedorn-Gruppe den Strukturwandel in Nordrhein-Westfalen noch besser begleiten können.

Auch Rick Mädel, Geschäftsführer der Hagedorn Revital GmbH, betont: "Mit der Revitalisierung an der Venloer Straße setzen wir Maßstäbe für die Zukunft. Unser Konzept ist nachhaltig, technisch durchdacht und wurde in enger Zusammenarbeit mit den Behörden entwickelt." Die Planung des Hochbaus übernimmt der Kölner Architekt Klaus Müller, die Projektsteuerung zur Vergabe der wesentlichen Hochbaugewerke verantwortet die Borchard Group aus Bielefeld. Auf 17 400 m² entsteht ein viergeschossiges Bürogebäude mit Lochfassade, großzügigen Glasflächen und besonderem Konzept hinsichtlich Raumakustik, Be- und Entlüftung, Kühlung und Beleuchtung. Das Gebäude misst rund 5500 m² ohne Terrassen. Der annähernd 100 m lange, knapp 15 m hohe und 16 m breite Baukörper werde durch seine gestreckte Form und den elliptischen Abschluss einem eleganten Schiffskörper ähneln, sagt Müller.

Nach dem Rückbau begannen im Februar dieses Jahres die Arbeiten im Erdreich, durchgeführt von dem Team der Hagedorn Bau GmbH. Das Besondere dabei: Der Hausmüll wird nicht abgetragen, sondern bleibt dauerhaft auf der Deponie und ist somit Teil des Untergrunds, auf dem die vierstöckige neue Hagedorn-Niederlassung gebaut wird. Weil Mülldeponien gasen und der Müll als alleiniger Untergrund nicht stabil genug ist, musste vor Beginn des Hochbaus viel Mühe in die Abdichtung und Stabilisierung des Bodens gesteckt werden. Im ersten Schritt musste den Behörden daher ein detailliertes Konzept vorgelegt werden. Das Umweltamt prüfte vor Beginn des Hochbaus genau, ob vom Boden keine gesundheits- und umweltschädlichen Auswirkungen mehr ausgehen, bevor die Abdichtung der Deponie bewilligt wurde. Damit das Gebäude auf festem Grund steht, wurde das Fundament für den Hochbau nicht direkt auf die Deponie gebaut, sondern auf einen betonierten Steg, dessen Pfähle im Boden unterhalb der Deponie den nötigen Halt finden.

Bevor es so weit war, bauten die Hagedorn-Mitarbeitenden die bestehenden Gebäude zurück und entsiegelten die Fläche. Der Boden wurde mit Sand- und Schotterschichten verdichtet und anschließend konnten die 25 m langen Pfähle durch die Deponie bis tief in den Boden gerammt werden. Nachdem die Pfähle stabil standen, wurde über die gesamte Fläche eine gasdichte Folie gezogen, die rund um die Pfähle fest verschweißt wurde. Die sogenannte Kunststoffdichtungsbahn trennt die gasführende Schicht im Boden von der gasfreien Schicht des Oberbaus. Unterhalb der Folie laufen Polyethylen-Rohre, durch die die weiterhin entstehenden Gase kontrolliert am Rande des Baugeländes ausgeleitet werden.

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