Bauen mit Mauerwerk im Geschosswohnungsbau

Kostenoptimierung wird durch Typisierung ermöglicht

Berlin (ABZ). – Laut einer aktuellen Studie der Hans-Böckler-Stiftung fehlen in Deutschland 1,9 Millionen bezahlbare Wohnungen. Die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise dürften den Bedarf in den kommenden Jahren noch weiter erhöhen. Als bezahlbar gelten Wohnungen, deren Warmmiete weniger als ein Drittel des Haushaltseinkommens ausmacht. Legt man das durchschnittliche Haushaltseinkommen von Geringverdienern von 2200 Euro zugrunde, dürfte die Warmmiete 660 Euro nicht überschreiten.
Mauerwerksbau
In Schleswig-Holstein sind 25 Wohnungsbauprojekte aus typisiertem Mauerwerk nach dem "Kieler Modell" entstanden. Foto: Ziegelwerk BlomescheWildnis Heinrich Pollmann

Umgerechnet auf den Quadratmeter wären das zum Beispiel für eine 92 m² große Wohnung 7,20 Euro/m². Mit Erstellungskosten, die aktuell zwischen 2100 und 5000 Euro/m² Wohnfläche liegen, lassen sich derartig günstige Mietpreise mittlerweile nicht mehr realisieren. Für Heft 5 der DAfM-Publikationsreihe hat die Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen e. V. (ARGE//eV) untersucht, welchen Beitrag typisiertes Bauen mit Mauerwerk zur Schaffung von bezahlbarem Wohnraum leisten kann.

Mehr als 90 % aller Geschosswohnungsbauten in Deutschland werden aktuell nach individuellen Planungen errichtet. Die so entstandenen Wohngebäude sind auf das jeweilige Grundstück, den städtebaulichen Kontext, die regionalen Besonderheiten sowie die Wünsche des Bauherrn "maßgeschneidert" – und damit vergleichsweise kostenintensiv. Standardisiertes Bauen könnte zu deutlichen Kosteneinsparungen führen, wird aber immer noch mit in Plattenbauweise errichteten Hochhaussiedlungen assoziiert. "Mittlerweile sind sehr differenzierte Standardisierungslösungen möglich, die sowohl wirtschaftlich als auch architektonisch überzeugen.

Die in DAfM-Heft 5 veröffentlichten Untersuchungsergebnisse der ARGE//eV zum standardisierten Bauen mit Mauerwerk sind eindeutig und liefern wichtige Erkenntnisse für den sozialen Wohnungsbau in Deutschland", macht Dr. Ronald Rast, Vorstandsvorsitzender des DAfM, deutlich. Neben einer detaillierten Analyse der aktuellen Baukosten zeigt die Publikation Potenziale und Grenzen unterschiedlicher standardisierter Bauweisen auf. Eine besondere Form des standardisierten Bauens stellen typisierte Mauerwerkskonstruktionen dar, die besonders große Einsparpotenziale eröffnen.

Wie groß die Kostenunterschiede zwischen individualisiertem, seriellem und typisiertem Bauen im Geschosswohnungsbau sein können, zeigt eine in der Studie veröffentliche Gegenüberstellung. Verglichen wurden die Bauwerkskosten von individuell errichteten Häusern, sogenannten Typenhäusern sowie seriell errichteten Gebäuden gleicher Größe. Mit 2300 Euro/m² ist das individuelle Gebäude erwartungsgemäß am teuersten, das seriell gefertigte hingegen liegt mit 2080 Euro/m² im Mittelfeld. Als kostengünstigste Variante erwies sich der typisierte Mauerwerksbau mit 1950 Euro/m² Wohnfläche.

Zu noch besseren Ergebnissen kam eine Auswertung von 25 nach dem "Kieler Modell" gebauten Typenhaus-Projekten in Schleswig-Holstein. Hier lagen die Bauwerkskosten im Median für diese Mauerwerksbauten bei 1800 Euro/m² Wohnfläche – und gehören damit zu den kostengünstigsten Geschosswohnungsbauten auf dem deutschen Wohnungsmarkt.

Heft 5 der DAfM-Schriftenreihe "Kostenoptimiertes und typisiertes Bauen mit Mauerwerk im Geschosswohnungsbau" kann bei der DAfM bestellt werden.

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