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Bauindustrie ist für Klimaschutz entscheidend

Wie neue Technologien und Arbeitsmethoden die Nachhaltigkeit erhöhen

Von Manuel Emmerich

BIM-Anwendungen steigern die Prozesseffizienz auf dem Bau und tragen somit erheblich zur Ressourceneinsparung bei.

Weiterstadt. – Spätestens seit den weltweiten Klimaprotesten nimmt in Deutschland die Sensibilisierung für Nachhaltigkeitsfragen deutlich zu. In der Industrie stehen vor allem Automobil- und Energiekonzerne in der öffentlichen Kritik. Aber auch das Bauwesen muss sich vermutlich bald verstärkt rechtfertigen, schließlich verursacht die Branche einen erheblichen Ressourcenverbrauch und Energieaufwand. Das bedeutet aber auch: Die Bauwirtschaft kann durch neue Technologien, nachhaltigere Produktionsweisen und intelligentere Materialnutzung erheblich zu einer geringeren Umweltbelastung beitragen.

Mehr als 10 % des weltweiten CO2-Austoßes und die Hälfte des gesamten Abfallaufkommens in Deutschland gehen auf das Baugewerbe zurück. Um dauerhaft erfolgreich wirtschaften zu können, sollte die Branche deswegen neben ökonomischen auch verstärkt ökologische Einflussfaktoren berücksichtigen. Umwelt- und Bautechnologie müssen sich über alle Bauphasen hinweg ergänzen, um optimale Produktivitätsgewinne erreichen und einen wirkungsvollen Beitrag zum Klimaschutz leisten zu können.

Bauprojekte lassen sich durch vielfältige Möglichkeiten ressourcenschonend und energiesparend umsetzen. Gleichzeitig stehen Verantwortliche vor einer herausfordernden Aufgabe, bei der zahlreiche Aspekte berücksichtigt werden müssen. Fachleute sollten alle Baustoffe und Bauprozesse sowie den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes betrachten. Von der Planung und Errichtung über die Gebäudenutzung bis zur Modernisierung und dem Rückbau gilt es, den Einsatz von Rohstoffen und Energie zu optimieren und die Belastung für die Umwelt zu minimieren. Nachhaltiges Bauen heißt dementsprechend, das gesamte Gebäude sowie enthaltene Baustoffe und -produkte kontinuierlich und detailliert auf ihre ökologische Qualität zu prüfen. Neben den Emissionswerten spielen dabei unter anderem die Recycling-Eigenschaften der verwendeten Baustoffe, der Einsatz von Betriebsmitteln und der Energiebedarf eine Rolle.

Manuel Emmerich ist Regional Sales Manager Nordrhein-Westfalen bei Victaulic.

Der Gebäudesektor erzeugt den höchsten Energieverbrauch und ist der größte Emittent von Treibhausgasemissionen in Europa. In Deutschland ist die Gebäudenutzung für 14 % der gesamten CO2-Emissionen verantwortlich, das entspricht etwa 120 Millionen t/a an Treibhausgasen. Klimaneutrale Bau- und Betriebskonzepte versprechen vor allem in der Gebäudetechnik mehr Nachhaltigkeit, beispielsweise in Form von Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung, der intensiveren Nutzung von Sonnenenergie durch neue Baumaßnahmen zur Verringerung des Energiebedarfs bei neuen und bestehenden Gebäuden oder effizientere Heiztechnologien. Der Weg zum klimaneutralen Gebäude ist trotz dieser Entwicklungen weit, denn Bauwerke gelten erst dann als CO2-neutral, wenn die Jahresbilanz der Treibhausgas-Emissionen im Gebäude bei null liegen.

Ein Beispiel für die erfolgreiche Umsetzung eines klimaneutralen Gebäudes ist das ICE-Instandhaltungswerk der Deutschen Bahn in Köln-Nippes. Im Vergleich zu einer herkömmlichen Bauweise spart das Werk im laufenden Betrieb jährlich rund 1000 t CO2 ein. Durch die geothermische Nutzung des Grundwassers werden die Anlagen CO2-neutral klimatisiert. Das Wasser kühlt im Sommer die Wartungshalle und die angrenzenden Gebäude, im Winter wird es von solarbetriebenen Wärmepumpen genutzt, um die Gebäude zu heizen. Die im Vergleich zu einer herkömmlichen Wärmeerzeugung mit Gasbrennwertkesseln höheren Investitionskosten der Anlage amortisieren sich aufgrund der deutlich geringeren Nutzungskosten nach sieben bis acht Jahren.

Auf deutschen Baustellen entstehen jährlich mehr als 200 Millionen t mineralische Abfälle wie Bauschutt, Bodenaushub oder Baggergut. Viele dieser Rohstoffe und Materialen lassen sich im Rahmen der Kreislaufwirtschaft wiederaufbereiten. Unternehmen sollten allein schon aus Kostengründen ein Eigeninteresse an diesem regenerativen System und dem effizienten Umgang mit Ressourcen haben. Insbesondere die beim Abriss und der Sanierung von Gebäuden anfallenden wertvollen Baustoffe, wie etwa Gesteinskörnungen, Dämmmaterialien oder Gips, eignen sich für die Wiederverwertung. Im Idealfall wird bereits bei der Produktentwicklung der gesamte Lebenszyklus der verschiedenen Baumaterialen mitgedacht. Das gilt insbesondere für die immer weiter verbreiteten Verbundwerkstoffe, deren einzelne Bestandteile, wie Metalle, Kunststoffe oder Dämmstoffe, derzeit kaum voneinander getrennt und wiederverwertet werden können.

Die Firma Victaulic stellt beispielsweise ihre Produkte aus einer Kombination von natürlichen und wiederverwerteten Rohstoffen her. 90 % des in der Produktion verwendeten Stahls ist recycelt. Darüber hinaus beschichten Facharbeiter die LEED-zertifizierten Rohrverbindungs-systeme in einem Dip-Coating-Verfahren. Im Gegensatz zur Sprühlackierung wird hierbei der Lack nicht zerstäubt. Daher entfällt der Einsatz flüchtiger umweltschädlicher Lösungsmittel, die zum Verdünnen von Lacken im Sprühlackierprozess zum Einsatz kommen und sich in der Luft verbreiten.

Für nachhaltige Bauprojekte ist die Prozesstransparenz durch BIM-Anwendungen ein entscheidender Erfolgsfaktor. Im Bereich des Rohrleitungsbaus ermöglichen entsprechende Produktivitätstools die volle Kontrolle über jedes Detail bei der Arbeit an dem gemeinsamen 3D Modell. Das Autodesk-Add-In "Victaulic Tools for Revit" teilt etwa mittels Pipe-Splitting-Funktion die geplanten Rohre in benutzerdefinierte Längen und übermittelt diese Daten an die Betriebe in der Vorfertigung. Die Rohre kommen maßgeschneidert auf der Baustelle an und müssen nicht vor Ort aufwändig bearbeitet werden. Solche Vorgehensweisen sparen nicht nur Zeit und Kosten bei der Rohrmontage, sondern schonen auch Ressourcen, reduzieren Abfall und minimieren die Umwelteinwirkungen.

Zur Nachhaltigkeit im Rohrleitungsbau trägt auch die Installationsmethode bei. Schweißfreie Verfahren wie Nutverbindungen können die Umweltbelastung durch Gifte auf der Baustelle und den Stromverbrauch drastisch verringern. Während das Schweißen einer Acht-Zoll-Rohrverbindung bis zu 4 kWh Strom verbraucht, fällt bei der Installation von genuteten Rohrverbindungen nur 1 kWh an. Verantwortlich dafür ist die mechanische Beschaffenheit der Verbindungstechnik. Installateure können die Nutsysteme von Victaulic durch einfaches Anziehen von zwei Muttern und Schrauben mit Akkuschraubern energieeffizient montieren. Außerdem entsteht beim Nuten kein Schweißrauch, der unter anderem Blausäure und Bleioxide enthalten kann. Beide Stoffe belasten Umwelt und Gesundheit. Geschweißte Rohrverbindungen weisen zudem einen kürzen Lebenszyklus als genutete Verbindungssysteme auf, die sich einfach modifizieren und recyclen lassen.

Der Handlungsbedarf zur Reduktion von Energieaufwand, Ressourcenverbrauch und Treibhausgasemissionen im Baugewerbe ist dringend. Die potenziellen Maßnahmen sind vielfältig und würden das Baugewerbe im besten Sinne nachhaltig verändern, wodurch die Branche neben ihrer wirtschaftlichen, auch ihrer gesellschaftlich-ökologischen Verantwortung stärker nachkommen könnte. Schließlich sind beide Handlungsbereiche für einen langfristigen Erfolg entscheidend.

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Der Autor ist Regional Sales Manager Nordrhein-Westfalen bei Victaulic.

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 13/2020.

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