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Bauschutt statt Kies

Recycling-Beton noch ein Nischenprodukt

Von Oliver Schmale

Baustoffe, Betonbau und Stahlbetonbau

Ein Vorarbeiter sieht auf die Baustelle des neuen Wiegehauses am Recyclinghof in Winnenden (Baden-Württemberg). Das Wiegehaus wird als Testobjekt vollständig aus Recyclingbeton gebaut. Bei diesem Verfahren werden Teile des Rohmaterials aus altem Abbruch wiedergewonnen.

WINNENDEN. – Die Besonderheit ist dem Rohbau auf dem Gelände des Recyclingunternehmens Schief in Winnenden (Rems-Murr-Kreis) nicht anzusehen: Das gerade entstehende Gebäude – eine Wiegehalle für Lastwagen – besteht komplett aus Recycling-Beton, bei dem anstelle von Kies Bauschutt verwendet worden ist. Dieser ist bislang immer nur zugemischt worden. Bisher seien höchstens 45 % erlaubt, sagt Florian Knappe vom Institut für Energie- und Umweltforschung. Fachleute sprechen von R-Beton. In der Schweiz wird er schon seit Jahren kräftig eingesetzt. Und nun trommelt Baden-Württembergs Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) dafür, dass künftig mehr Bauschutt bei der Herstellung von Beton verwendet wird. Denn das spart Ressourcen: Steine, Kies und Sand werden der Natur entnommen. "Zur Gewinnung werden jeden Tag immense Landesflächen beansprucht." Alleine 2013 seien mehr als 12 Mio. t Bauschutt und Straßenaufbruch angefallen. Fast 10 Mio. t seien als Schüttgut verwendet worden. Nur 40 000 t wurden für Recycling-Beton wiederverwendet.

Generell liegt der Anteil von Beton bei Wohngebäuden inzwischen bei mehr als 50 % und bei gewerblichen Hochbauten häufig sogar bei 90 %. "Es lohnt sich also, sich mit diesem Thema intensiv zu befassen", sagt der Grünen-Politiker. Im Südwesten sind bereits einige Modellprojekte umgesetzt worden. So bspw. in Heilbronn oder in Stuttgart. In der Landeshauptstadt sind damit 110 Wohnungen entstanden.

Damit der Bauschutt wiederverwertet kann, muss er zunächst aufbereitet werden. "Er darf kein Holz, keinen Kunststoff und kein Metall mehr enthalten", wie Knappe erklärt. Nach der Vorsortierung des Materials wird es dann gebrochen und gesiebt. Die entsprechenden Maschinen können die Steine inzwischen bis zur Erdnussgröße aussieben, sagt Walter Feeß, Inhaber der Firma Erdbau Feess. Das Unternehmen bereitet seit vier Jahren den sogenannten Umschlaganteil aus Bauschutt auf, der dann weiterverarbeitet wird.

Und die Wiederaufbereitung ist bislang noch das Problem. Denn es gibt bisher nur vereinzelt Unternehmen, die das machen. "Wir würden mehr Recycling-Beton herstellen, wenn es mehr entsprechendes Material gibt", sagt Burkhard Kunze von dem Betonwerk Heinrich Krieger und Söhne KG. Das Unternehmen ist in Winnenden mit von der Partie. Für einen der führenden Zementhersteller, HeidelbergCement, ist diese Art von Beton momentan gleichfalls noch ein Nischenprodukt, wie ein Sprecher erläutert. Regional werde er angeboten. Als Beispiel nennt er die Benelux-Länder und deren Küstenabschnitte.

Der besondere Beton darf in Deutschland aber bisher nicht überall eingesetzt werden, etwa weil er gegen Tausalz empfindlich ist. Bspw. ist er Tabu beim Brückenbau, wie Dieter Diener, der Hauptgeschäftsführer vom Verband der Bauwirtschaft im Südwesten erläutert. "Nachteilig sind derzeit noch die etwas höheren Kosten sowie der Umstand, dass dieser noch nicht flächendeckend angeboten wird."

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