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Baustelle Fuhrpark

Mit TCO raus aus der Kostenfalle

Von Manfred Godek

Für ein qualifiziertes TCO-Management bedarf es eines leistungsfähigen IT-Programms, das nicht nur Kosten addiert, sondern Querauswertungen und Analysen unter den verschiedensten Fragestellungen ermöglicht.

Monheim. – In vielen Unternehmensbereichen wird erfolgreich gespart. Im Fuhrpark erscheinen die hohen Kosten oft wie in Stein gemeißelt. Experten wissen, wie ein Durchbruch gelingen kann: Durch ein Management, das nach dem "TCO-Prinzip" strategisch denkt und aktiv lenkt. Muldenkipper und Cheflimousine werden sich womöglich nie begegnen. Obwohl sie Gemeinsamkeiten haben. Sie sind versichert, verbrauchen Kraftstoff, verschleißen Reifen oder werden regelmäßig gewartet. Controller erkennen die Chance: Durch eine Einkaufsbündelung ließen sich Rabatte aushandeln. In der Materialwirtschaft ist dies längst eine Selbstverständlichkeit. Sie stoßen allerdings auf Granit. In vielen Unternehmen werden die einzelnen Fahrzeugarten getrennt verwaltet. Dem entsprechend sind nicht nur die Personal-, sondern auch die Betriebskosten höher als nötig. "Solche Parallelwelten behindern ein effektives Kostenmanagement", kritisiert Majk Strika, Geschäftsführer der ARI Fleet Germany, eines auf gemischte Flotten spezialisierten Fuhrparkmanagement-Dienstleisters.

Der Experte erklärt, was erfolgreiche Unternehmen besser machen: Sie orientieren sich am Prinzip der Total Cost of Ownership – kurz "TCO". Strika: "Ein konsequent TCO-orientiertes Flottenmanagement deckt die komplette Wertschöpfungskette ab – mit den drei Säulen Finanzierung, Fahrzeugmanagement und Remarketing." Mit drei strategischen Hebeln könne sich der Fuhrpark aus der Kostenfalle befreien: Durch eine lückenlose Erfassung und 100%ige Transparenz aller Aufwendungen, durch gründliche Analysen zur Ermittlung von Optimierungs- und Kostensenkungspotenzialen und eine konsequente Umsetzung der gewonnenen Erkenntnisse durch eine leistungsfähige Administration in einer Hand.

Etwa nach dem Vorbild der Porr Group, eines der größten und erfolgreichsten europäischen Bauunternehmen. "Die Betreuung der Fahrzeuge und Geräte liegt ausschließlich bei speziellen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Durch diese Handhabung werden Abläufe transparenter und Synergien können wirkungsvoll genutzt werden. Lediglich bei den Auswertungen der Steuerungsparameter wird zwischen Pkw, Nutzfahrzeugen und Geräten differenziert", so Frank Conrad, Leiter Fuhrparkmanagement von Porr Deutschland.

"Ein Management für alle Fahrzeugarten – daraus können sich auch Synergien und Einspareffekte durch einheitliche Prozesse etwa im Schadenmanagement, bei Bestellungen oder Reparaturen ergeben", bestätigt Michaela Kuban, Leiterin Fuhrpark der Spitzke SE.

Bechmarkanalysen belegen laut Strika Einsparungen von bis zu 20 %. Fuhrparks entwickeln sich vom Kostentreiber zum Renditefaktor. Ein Rechenbeispiel verdeutlicht die Auswirkungen auf das Unternehmensergebnis: Nettoumsatz gleichbleibend 100 Mio. Euro, Betriebsergebnis 5 %, Fuhrparkkosten 2,7 %: Eine Reduzierung der Fuhrparkkosten von nur 7,5 % verbessert das Ergebnis um 200 000 Euro auf 2,7 %. Das Renditeplus beträgt 4 %.

Für ein qualifiziertes TCO-Management bedarf es eines leistungsfähigen IT-Programms, das nicht nur Kosten addiert, sondern Querauswertungen und Analysen unter den verschiedensten Fragestellungen ermöglicht. Idealerweise können mit einer Schnittstellenanbindung von Telematik auch Mobilitätsdaten wie Verbräuche oder Fahrzeugauslastungen laufend automatisch eingespeist und verarbeitet sowie eine vorausschauende Wartungsplanung im Sinne von Predictive Maintenance realisiert werden. Das wiederum verbessert die Performance des Unternehmens, denn eine hohe Einsatzbereitschaft und kurzfristige Verfügbarkeit von Fahrzeugen ist in der Bauwirtschaft ein essenzieller Wettbewerbsfaktor.

"Make or buy?" lautet die oft gestellte Frage. Ein eigenes Fuhrparkmanagement rechne sich mit zunehmender Flotten-Größe, erläutert Matthias Droste, geschäftsführender Gesellschafter der Beratungsgesellschaft für Kostenmanagement Expense Reduction Analysts (DACH) GmbH. Bereits ab etwa 30 Fahrzeugen sei ein qualifiziertes internes Fuhrparkmanagement wünschenswert. Ab 100 Kfz könne ein professionelles externes Fuhrparkmanagements ins Kalkül gezogen werden. Oft stellten hybride Modelle eine adäquate Lösung dar: ein Management in eigener Hand, unterstützt durch die Fremdvergabe einzelner Leistungen an Spezialisten.

Von Herstellern und Leasingfirmen unabhängige Fuhrparkmanagement-Dienstleister stellen inzwischen die beliebten und weit verbreiteten Full-Service-Leasingverträge unter TCO-Gesichtspunkten auf den Prüfstand. Diese sind zwar komfortabel, aber zugleich teuer. Die pauschale Rate – der Festpreis für Finanzierung und Fahrzeugservices in einem – deutlich über dem Marktniveau für vergleichbare Leistungen. Die Gebühren für Laufzeit- und Laufleistungsänderungen verteuern die notwendige Flexibilität. Frank Conrad von Porr Deutschland.

"Die Fahrleistungen in der Bauindustrie sind aufgrund der laufend wechselnden Baustellenörtlichkeiten im Vorfeld kaum greifbar und schwankend." Ein bekanntes Ärgernis sind zudem die Rechnungen für sog. Rückgabeschäden, während Verkaufserlöse des Fahrzeugs an die Leasinggeber fließen.

Experten raten zu einer Trennung von Finanzierung und Fahrzeugservices. Wie für Lkw und Spezialfahrzeuge könnten auch für Pkw und Transporter darlehensähnliche Vollamortisationsverträge abgeschlossen und sämtliche weiteren Fahrzeugservices auf dem freien Markt zu deutlich besseren Konditionen einkauft werden. Strika: "Durch die Möglichkeit der flexiblen Nutzung, die absolute Transparenz und Steuerbarkeit der Kosten und schließlich die Wiedervermarktung des Fahrtzeugs zu bestmöglichen Konditionen zugunsten des Nutzers macht ein solches Modell, wie wir es bspw. unter der Bezeichnung ARI Flex-Lease anbieten, einem herkömmlichen Full-Service-Leasing deutlich überlegen." Damit hätten Muldenkipper und Cheflimousine noch etwas gemeinsam.

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Der Autor ist freier Journalist für Wirtschafts- und Managementthemen.

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