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Beim Erweiterungsbau der Uni Kassel

Sonderschalungen für komplexe Bauteil-Formen entwickelt

Harsco, Betonbau und Stahlbetonbau

Ein anspruchsvoller Sichtbeton-Bau: Der Neubau des Hörsaal und Campus Center in Kassel.

KASSEL (ABZ). - Mehr als 5000 m² Sichtbetonflächen in den Anforderungen SB3 und SB4 kennzeichnen den Neubau des Hörsaal und Campus Center (HCC) in Kassel, den die Berliner Architekturgesellschaft "raumzeit" entworfen hat. Ein interessantes, anspruchsvolles Projekt mit geometrisch komplexen Bauteil-Formen, für das Harsco Infrastructure im Auftrag der ausführenden Riedel GmbH & Co. KG nicht alltägliche Sonderschalungen entwickelt hat.

Das knapp 32 Mio. Euro teure HCC entsteht gut erreichbar von allen Fachbereichen auf einem bisherigen Universitätsparkplatz in unmittelbarer Nachbarschaft zur Zentralmensa. Als neuer Mittelpunkt des Universitätscampus bietet der Gebäudekomplex mit einer Nutzfläche von mehr als 4900 m² sechs neue Hörsäle (insgesamt 2400 Plätze) und sechs Seminarräume. Mit seinem fünfeckigen Grundriss folgt das fünfgeschossige HCC in seiner Geometrie den umgebenden Straßen. Die Nord- und Südwestseite des Gebäudes sind jeweils 61m und 70 m lang. Die Westseite hat eine Länge von 32 m, die Ostseite ist 42 m und die Südostseite 23 m lang. Das Gebäude besitzt ein UG und erreicht mit vier OG eine Gesamthöhe von 16 m. Das 3. OG füllt die fünfeckige Außenkontur in der Dachaufsicht nicht vollständig, hier sind zwei Innenhöfe geplant. Ein zentrales Atrium erhebt sich vom EG bis ins 2. OG.

Der Rohbau ist eine Stahlbetonkonstruktion. Als vertikaler Lastabtrag dienen vor allem die Wände, aber auch V-förmige Innenstützen in SB4 sowie geschosshohe Stahl-Fachwerkträger. Die 20 cm starken Plattenbalkendecken über den Hörsälen und im Anschluss daran überbrücken lichte Weiten von 15 bis 20 m. Die im Abstand von 2 m platzierten Unterzüge sind 80 cm hoch und besitzen Aussparungen zur Bedienführung. Decken mit geringeren Spannweiten sind als Flachdecken konzipiert. Die Beschreibung lässt es schon erahnen: Das HCC geizt bei der Rohbauerstellung nicht mit schalungstechnischen Herausforderungen. Kein Geschoss gleicht dem anderen – jede Gebäudeebene hat einen anderen Grundriss, besitzt bis zu 20 m weit spannende Decken und verlangt bei der Fertigung einen exakt vom Architekten vorgegebenen Fugenverlauf. Beispiel: Trotz der unterschiedlichen Grundrisse müssen bspw. im Treppenhaus alle lotrechten Fugen exakt übereinander stehen – von der untersten Etage bis ins oberste Geschoss. "Erschwerend kommt hinzu, dass wir die Sichtbetonflächen teilweise bei schwierigen Witterungsbedingungen herstellen müssen", beschreibt Bauleiter Bernd Böttcher vom ausführenden Bauunternehmen Riedel GmbH & Co. KG, Erfurt die hohen Anforderungen.

Um das anspruchsvolle Projekt erfolgreich abwickeln zu können, haben Architekten, Bauleitung, Schalungsfachleute und Betonlieferant gemeinsam das Sichtbeton-Konzept erarbeitet und abgestimmt. Entsprechend aufwändig gestaltete sich die Planung, Berechnung und Ausführung der für den HCC Rohbau erforderlichen Sonderschallösungen. Als Sichtbetonschalung diente Neumaterial der Harsco Großflächen-Trägerschalung GF 20. Bereits im Vorfeld war klar: Für jede zu schalende Wandfläche mussten Ansichts-, Stell- und Montagepläne entwickelt werden, z.T. im 3D-Format. Zu den aufwändigsten Konstruktionen zählten bspw. Sichtecken mit Sparschalung aus Vollkonstruktionsholz oder auch riesige (bis zu 3 x 6 m große), geometrisch komplizierte Aussparungskästen in Sichtbetonklasse 4. "Diese Konstruktionen haben wir dreidimensional entwerfen müssen, um eine baustellengerechte Schallösung entwickeln zu können", beschreibt die federführende Harsco-Projektleiterin die Planung, die komplett von der Abteilung Projektentwicklung in Ratingen abgewickelt wurde. "Im Laufe des Bauvorhabens sind rund 160 Pläne zur ersten Durchsicht an die Architekten gegangen, überarbeitet und verfeinert worden, wieder in die Freigabe gegangen und schließlich als endgültige Version bei der Baustelle bzw. beim Schalungsbauer gelandet", so die Projektleiterin. Um die gefordert hohe Sichtbetonqualität erreichen zu können, hat die Schalungsplanung detaillierte Vorgaben für die Elementmontage entwickelt. Beim Schalungsbauer wurden dann die einzelnen Schalelemente exakt nach Vorgabe und gemäß Montageplan zugeschnitten und montiert. Anschließend wurden die Elemente mit einer Sonderabmessung (4,20 x 2 m) der Schalhaut Betoplan Top (Westag & Getalit AG) belegt und über eine Sparschalung von hinten verschraubt – Voraussetzung für eine Ansichtsfläche ohne jede Störstelle. Die Sonderbehandlung der Schalemente setzte sich dann auf der Baustelle fort: Hier wurde das wertvolle Schalmaterial ausschließlich stehend gelagert.

Riedel-Bauleiter Böttcher zeigt sich sehr zufrieden mit den von Harsco bereitgestellten Schallösungen: "Sichtbeton-Baustellen dieser Art sind stets eine echte Herausforderung. Da hilft es sehr, wenn man mit kompetenten Schalungsplanern zusammenarbeitet, die ihr Handwerk verstehen und wissen, worauf es ankommt."

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