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Beim Streusalz läuft alles rund

Eine Kuppel für das "weiße Gold"

Jedes Segment besteht aus geteiltem Hauptbinder mit Nebenträgern, teilweise mit integrierten Lichtkuppeln, Beplankung mit OSB-Platten und Dachabdichtung.

Heilbronn (ABZ). – Die Südwestdeutsche Salzwerke AG (SWS AG) mit Sitz in Heilbronn ist einer der bedeutendsten Salzproduzenten Europas mit rd. 1000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an vier Standorten in Baden-Württemberg und Bayern. Im Geschäftsbereich Salz werden Stein- und Siedesalze für gewerbliche Anwender, die Industrie, den Winterdienst sowie private Haushalte produziert. Darüber hinaus unterhalten die Salzwerke mit den Salzbergwerken Bad Friedrichshall und Berchtesgaden sowie der Alten Saline Bad Reichenhall auch touristische Ausflugsziele.

Knapp 5 Mio. Jahrestonnen Förderkapazität hat das Heilbronner Steinsalzbergwerk mit seinen beiden Schächten in Heilbronn. Da kann eine Lagerkapazität von 75 000 t knapp werden – besonders wenn neue Kunden u. a. aus Österreich dazukommen.

Deswegen wird zzt. die vierte Lagerhalle der SWS AG in Zusammenarbeit mit der Schaffitzel Holzindustrie aus Schwäbisch Hall fertiggestellt. 25 000 t Auftausalz wird sie aufnehmen können. Über eine Bandanlage, die mit einer der schon bestehenden Lagerhallen verbunden ist, sollen über einen 4 m hohen Einbringturm bis zu 300 t/h in die neue Lagerhalle befördert werden. Von dort kann das Salz direkt verladen werden, v. a. auf Schiffe, die europaweit Kunden bedienen. "Mit dieser zusätzlichen Lagerkapazität optimieren wir unsere Logistikprozesse und reduzieren das Risiko von Lieferengpässen", erklärt Ulrich Fluck, Sprecher des Vorstands der SWS AG.


Das Besondere an der neuen Halle: Sie ist rund und das Tragwerk besteht aus Brettschichtholz. Die bisherigen Lagerhallen der SWS AG haben zwar auch ein Holztragwerk, sind aber traditionell eckig gebaut, z. T. mit spitz zulaufendem Dach. Mit einem Ø von 45 m und einer Höhe von 29 m im Scheitelpunkt entsteht ein mächtiger Kuppelbau mit angeschlossenem Verladebereich. In Zusammenarbeit mit dem Ingenieurholzbaubetrieb Schaffitzel Holzindustrie wurde auf dem runden, 10 m hohen Betonsockel im März dieses Jahres ein Schalentragwerk aus Holz montiert. Das Tragwerk wurde für die Montage in 16 einzelne Dachsegmente unterteilt, die im Firstbereich an einen Stahlkranz (V4A, nicht rostender Stahl) mit einem Ø von 4 m treffen. Mit einer Montagehöhe von rd. 25 m war dieser Kranz und seine Verbindung zu den Holzsegmenten eine besondere Herausforderung. Ein spezielles Gerüst wurde dafür aufgestellt, welches den Stahlkranz vorübergehend trägt. Nach Fertigstellung des Dachtragwerks wird dieses wieder abgebaut. Die einzelnen Segmente bestehen aus geteilten Brettschichtholz-Hauptbindern mit Nebenträgern, teilweise mit integrierten Lichtkuppeln, Beplankung mit OSB-Platten und Dachabdichtung.

Mit einer Montagehöhe von rd. 25 m war ein Stahlkranz mit 4 m Ø und seine Verbindung zu den 16 Holzsegmenten eine besondere Herausforderung.

Sie wurden am Boden auf einem ebenfalls speziell hierfür gefertigten Montagegerüst komplett vorgefertigt. Der Hauptbinder mit einer Bogenlänge von 26,5 m wurde der Länge nach in zwei Teilbinder mit je 14 cm Breite geteilt, um bei der segmentierten Bauweise den optimalen Halt zu gewährleisten: Unter Berücksichtigung eines kleinen Luftspalts zum Toleranzausgleich wurden die Segmente an den stabilsten Punkten zusammengefügt. Gleichzeitig wurde oberseitig an den Verbindungspunkten eine zusätzliche OSB-Platte sowie eine weitere überlappende Abdichtung angebracht, um das Holz gegen eindringende Feuchtigkeit zu schützen.

Bei dieser Art der Tragwerkkonstruktion sind keine zusätzlichen Dachverbände notwendig, da die OSB-Platten als Dachscheibe schubsteif ausgebildet sind. Die Lichtkuppeln lassen genügend Tageslicht ins Halleninnere und die Dachentwässerung wird über Kastenrinnen und rostfreie Regenfallrohre sichergestellt.

Eine weiterer rd. 600 m² großer Verladebereich schließt direkt an die kuppelförmige Salzlagerhalle an. Dieser wird in offener Bauweise errichtet, sodass die Zufahrt zum Kuppelbau und damit das Verladen des Salzes bequem ist.

Allgemein ist beim Bau von Salzhallen darauf zu achten, dass die verwendeten Materialien nicht auf Dauer vom Salz angegriffen werden. Die Kombination von Holz und Beton eignet sich dafür besonders gut. "Holz ist gegenüber Salz resistent und braucht keinerlei chemische Beschichtung", weiß Günther Fröhlich vom planenden Architekturbüro Arcin GmbH aus Stuttgart. Das Salz trägt sogar zur besseren Konservierung des Holzes bei. Der teure, rostfreie Stahl wird nur dort eingesetzt, wo er durch die anderen beiden Materialien nicht zu ersetzen ist. Mit den neuen Lagerkapazitäten ist die SWS AG für den nächsten Winter gerüstet.

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Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 29/2019.

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