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Berlin plant Spiele

Olympisches Dorf auf Landebahn

Von Christian Thiele

Stadtentwicklung, Messen und Veranstaltungen

Der Berliner Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (r.) und Bau-Staatssekretär Engelbert Lütke Daldrup zeigten, wo im Falle einer Olympia-Austragung auf einem Teil des Flughafengeländes das Olympische Dorf für die Sportler angesiedelt werden soll.

BERLIN. – Es braucht eine kräftige Portion Vorstellungskraft, um sich auszumalen, dass an den Landebahnen in Berlin-Tegel in ein paar Jahren Olympioniken wohnen könnten. Genau das aber plant der Senat im Fall einer Zusage für die Olympischen Sommerspiele 2024 oder 2028 in der Hauptstadt. Entschieden ist indes noch nichts, das Rennen zwischen den Bewerberstädten Berlin und Hamburg weiter offen.

Bevor beim Deutschen Olympischen Sportbund am 21. März die Würfel fallen trommelt deshalb der Senat für seine Bewerbung. Kürzlich besuchte Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD) den Flughafen Tegel, um dort seine Pläne für ein Olympisches Dorf vorzustellen.

Noch setzen beinah minütlich Flieger auf der Landebahn auf. Lampen leuchten, damit die Flugzeuge nicht neben die Piste geraten. Daneben liegen Grasflächen. Wohnen möchte man hier nicht. Geisels Vision eines Olympischen Dorfes soll ohnehin erst umgesetzt werden, wenn der Flughafen Tegel stillgelegt ist. In der zweiten Jahreshälfte 2017 soll der neue Hauptstadtflughafen an den Start gehen. Geisel rechnet damit, dass im Frühjahr oder Sommer 2018 Tegel endgültig Geschichte ist. Dann könnten erste Arbeiten für das Dorf beginnen.

Nach bisherigen Schätzungen verschlingt der Bau der Anlage 1 Mrd. Euro. Sie soll auf dem östlichen Teil des Geländes aus dem Boden gestampft werden. 5000 Wohnungen sind geplant, in denen 17 500 Athleten und Offizielle unterkommen sollen. Auf das Land Berlin könnten Kosten in Höhe von 245 Mio. Euro zukommen – etwa für die Erschließung der Fläche, für das Verlegen von Kanälen oder den Bau von Straßen und Kindertagesstätten. Einen Teil der Kosten will sich das Land etwa über den Verkauf von Grundstücken zurückholen. Die Wohnungen selbst sollen zur Hälfte den landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften errichtet werden der Rest von privaten Investoren. Ziel: bezahlbare Mieten für einen Teil von ihnen nach den Spielen.

Das Olympische Dorf ist als Wohngebiet geplant, auch um den angespannten Wohnungsmarkt in Berlin zu entlasten. Nach Prognosen wächst die Hauptstadt bis 2030 um 250 000 Einwohner. Für Geisel steht deshalb fest: Auch wenn die Spiele nicht nach Berlin kommen, wird das Wohngebiet gebaut. "Die Kosten bleiben die gleichen." Der Kritik, die Wohnungen kämen angesichts der aktuell großen Nachfrage nach Wohnraum zu spät, entgegnet der Senator: "Es gibt in der Stadt noch genügend weitere Flächen" – die vorher bebaut werden könnten. Im Fall eines Zuschlags für Olympia stünden die Wohnungen frühestens ab 2024 den Berlinern zur Verfügung.

Für das Olympische Dorf soll im ersten Halbjahr 2016 ein Städtebau-Wettbewerb ausgerufen werden. Der Senator und sein Staatssekretär Engelbert Lütke Daldrup rechnen für 2019 mit dem Baubeginn. Sie haben bei der Pressetour am Montag Entwürfe der Anlage dabei um einen Eindruck davon zu vermitteln, was entstehen soll: z. B. ein "Begrüßungs-Center" am Eingang des Dorfes, ein Amphitheater, ein riesiger Speisesaal, eine Poliklinik, ein multireligiöses Zentrum und "zwei bis drei" Wettkampfstätten.

Was davon nach den Spielen nicht mehr benötigt wird, soll zurückgebaut werden. "Die Kosten dafür übernimmt das Internationale Olympische Komitee IOC", erklärt Geisel. Sie werden auf 245 Mio. Euro geschätzt. Der Flughafen Tegel ist insgesamt 480 ha groß. 50 ha davon sind für das Olympische Dorf gedacht, 200 für Industrie und Forschung. Der Rest wird begrünt. Geisel richtet schon den Blick in die Zukunft: "Hier wird es dann ruhig."

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