Anzeige

Horizontalen betont

Pfosten-Riegel-Fassade komplett durchgezogen

Freyler, Architektur, Fassadengestaltung, Baustoffe, Stahlbau

Die Pfosten-Riegel-Fassade aus Glas und Aluminium gibt dem Verwaltungsgebäude trotz unterschiedlicher Geschosshöhen eine ruhige und gleichmäßige Optik.

Ulm (ABZ). - Die Firma Seeberger ist bekannt für ihre Trockenfrüchte und Nüsse sowie Kaffeespezialitäten. Am Hauptsitz in Ulm entstanden jetzt ein neues Hochregallager mit einer Kapazität von ca. 23 000 Palettenplätzen, zusätzliche Büroflächen und ein Labor. Highlight ist die imposante Verbindungsbrücke zwischen Alt- und Neubau über eine öffentliche Straße hinweg. Geplant und realisiert wurde der Gebäudekomplex von kab architekten, die filigranen Glas-Alu-Fassaden sind in Zusammenarbeit mit Freyler Metallbau entstanden.

Neben dem riesigen Hochregallager wurde ein dreigeschossiger Trakt mit Büros und Laboren realisiert, der sich in späteren Bauabschnitten einfach erweitern lässt und dann einen L-förmigen Grundriss erhält. "Aufgrund unterschiedlicher Nutzungen der einzelnen Etagen besitzt der Verwaltungsbau drei unterschiedliche Geschosshöhen. Damit dies nach außen hin nicht sichtbar ist, haben wir für die Eingangsfront eine Pfosten-Riegel-Fassade gewählt", berichtet Helge Clauß, verantwortlich für den architektonischen Entwurf bei kab Architekten. "So konnten wir einen ruhigen, flächigen Ausdruck erzeugen und optisch die Geschosshöhen gleichmäßig darstellen."

Zur Umsetzung der Fassade wurde Freyler Metallbau beauftragt, die die technische Konstruktion gemeinsam mit den Architekten durchplanten und die präzise vorgefertigten Teile auf der Baustelle termingerecht montierten. Die Pfosten-Riegel-Fassade ist komplett durchgezogen, läuft vor der Attika entlang und endet direkt am Himmel – nach oben hin ist kein Rohbauabschluss sichtbar. Zwischen den Fensterbändern verlaufen horizontal jeweils schwarze Glaspaneelen. Das Raster und die Brüstungen nehmen sich zurück durch eine dunkle Ton-in-Ton-Optik. Wird der Verwaltungsbau später über Eck ergänzt, lässt sich das Erscheinungsbild als komplette Glasfassade fortführen.

Das neue Baugrundstück ist von dem des Bestandsbaus durch eine Straße getrennt. Dieses logistische Problem lösten kab architekten mit einer 100 m langen und 4 m breiten, straßenquerenden Brückenkonstruktion, die beide Gebäudekomplexe miteinander verbindet. Im Inneren befinden sich zwei Fahrspuren sowie ein Gehweg. Optisch erscheint die Brücke elegant und filigran, das Glas ist in voller Höhe bis auf die Attikahöhe durchgezogen. "Die Tragkonstruktion aus Stahl mit ihrem Zickzack-Profil sollte durch das Glas hinweg zu sehen sein, und zwar in ihrer Gesamtheit, nicht angeschnitten", erklärt Clauß den architektonischen Entwurf. "Zudem wollten wir die Horizontalen betonen, um die Bewegung der automatischen Transportfahrzeuge und der Personen zu unterstreichen. Daher haben wir uns für liegende Glasformate entschieden und die Vertikalprofile leicht zurückgenommen." Auch die farblich anpassbare LED-Beleuchtung hinter der Fassade am oberen Rand betont diese Horizontalbewegung.

"Herausforderung waren die große Durchbiegung sowie Schwankungen und Verformungen im laufenden Betrieb, die auf die Brücken-Konstruktion einwirken", berichtet Wolfgang Adelhelm, verantwortlich für den konstruktiven Entwurf/AVA bei kab architekten. "Dabei bewegt sich der lange Steg in drei Dimensionen: Durch thermisches Dehnen und Zusammenziehen in der Länge, durch die Windlasten, die zu einem seitlichen Versatz führen und durch den Transport hoher Lasten der Flurförderzeuge, der eine Bewegung nach oben und unten verursacht." Genau dies mussten die Fassadenanschlüsse aufnehmen können, denn die Brücke steht nur auf acht eingespannten Stützen und wirkt dadurch wie frei schwebend.

Für die technische Detailplanung und Umsetzung dieser Konstruktion haben die Architekten ebenfalls mit den Metallbauspezialisten von Freyler zusammengearbeitet. Gemeinsam wurde überlegt, wie sich die elegant filigrane Optik und gleichzeitig hohe Tragfähigkeit der Brücke vereinen lassen. "Um Bewegungs-Toleranzen auszugleichen, haben wir die Fassade von oben abgehängt", erklärt Stefan Gauss, Geschäftsbereichsleiter Freyler Metallbau. "Die Pfosten-Riegel-Konstruktion hängt jetzt an Kragarmen, was die notwendige Flexibilität gewährleistet." Das Glas wurde zudem als Sicherheits- und Sonnenschutzglas ausgeführt.

Freyler, Architektur, Fassadengestaltung, Baustoffe, Stahlbau

Die Stahlkonstruktion ist auch im Inneren der Brücke präsent, das Glas ist als Sicherheits- und Sonnenschutzglas ausgeführt.

Da die vertikalen Profile sich dezent zurücknehmen sollten, mussten die Windlasten über die horizontalen Riegel abgeleitet werden – üblicherweise übernehmen diese Funktion die vertikalen Pfosten. In der Brückenkonstruktion leiten jetzt die Riegel und filigrane Zugstäbe die Lasten ab in das sichtbare Stahl-Fachwerk. "Durch den gemeinsamen Dialog, technische Ideen und Wünsche von beiden Seiten – von uns kab architekten und Freyler – ist ein in sich rundes Konzept entstanden, das sich auch gut umsetzten ließ", freut sich Wolfgang Adelhelm.

"Die Anschlusspunkte der Brücke an die Baukörper sind so realisiert, dass sie nicht nur bis zu 6 cm Abweichung aufnehmen, sie durften auch keine Lücken und Öffnungen bieten, über die Ungeziefer ins Gebäude gelangen könnte", berichtet Gauss. Zur Belüftung sind unter der Brücke Lüftungselemente in ein spezielles Gerüst eingebaut. Der Anschluss an die Glasfassade des neuen Verwaltungsbaus wurde mit Alucobond ummantelt, um nicht Glas auf Glas stoßen zu lassen. Auf der anderen Seite ist die Brücke mit einem Steg an die Putzfassade angedockt.

Die Bauphase der Brückenkonstruktion vor Ort dauerte nur etwa zwei Monate. Der Stahlbau war in drei Teilen vorgefertigt, wurde auf der Baustelle zusammengeführt und dann in einer spektakulären Aktion eingehoben. Anschließend montierte Freyler die komplett vorgefertigte Pfosten-Riegel-Fassade.

ABZ-Stellenmarkt

https://jobs-in-gruen-und-bau.de/index.php?id=123&tx_patzerboerse_paboeplugin[unterthemen]=408++53++187++183&no_cache=1

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 46/2015.

Anzeige

Weitere Artikel