Anzeige

Bauaussichten 2021

Betonbohr- und -sägebranche bleibt auch in schwierigen Zeiten stabil

Von Thomas Springer, Vorsitzender des Fachverbandes Betonbohren und -sägen Deutschland, Darmstadt

Das Geschäftsjahr 2020 begann ganz normal, bis etwa zum Februar 2020. Die Corona-Pandemie nahm eine immer größere Dimension ein, die sich wohl keiner im Vorfeld auch nur annähernd vorstellen konnte. Die persönlichen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Auswirkungen sind enorm und werden uns auch langfristig beschäftigen. Gleichzeitig muss man konstatieren, dass die Baubranche allgemein und damit auch die Betonbohr- und -sägebranche trotz allem eine vergleichsweise gute Auftragslage kennzeichnete. Das Gros der Fachbetriebe verzeichnet bis zum Jahresende eine hohe Auslastung. Von den Corona-bedingten Einschränkungen waren wir deutlich weniger betroffen als andere Branchen. Denn die Ausführung der Arbeiten ist auch mit Einhaltung notwendiger Hygieneregeln gut realisierbar. Deutlich mehr Einschränkungen erfuhren die Hersteller unter den Mitgliedern des Fachverbandes. Während des ersten Lockdowns war eine Kundenbetreuung im Vertrieb nahezu unmöglich.

Gleichzeitig herrschte aufgrund der großen Unsicherheit eine spürbare Zurückhaltung bei der Investitionsbereitschaft unter den ausführenden Fachbetrieben. Diese ging jedoch im Jahresverlauf mit Blick auf die gleichbleibende Auftragslage zurück, so dass Umsatzeinbußen zum Teil wieder ausgeglichen werden konnten. Getragen wurde die in Summe positive Entwicklung von der anhaltend stabilen Konjunktur im Bauwesen, vor allem im Bestand. Reserven zeigen sich insbesondere im Neubau. Hier gibt es erkennbar Rückstände bei Ausschreibungen der öffentlichen Hand. Erschwerend kommen auch Verzögerungen bei Genehmigungsverfahren innerhalb der Behörden hinzu. Hier vermisse ich eine bessere Verzahnung einzelner Behörden, damit die Verfahren zukünftig wieder flüssiger laufen. Zielsetzung sollte es sein, sich abzeichnende Engpässe zu vermeiden. Denn der Bedarf zu Sanierung und Neubau zum Beispiel von Schulen, Kitas und anderen öffentlichen Betrieben ist da.

Auch finanzielle Mittel stehen zur Verfügung. Deren Ausschreibung und Beauftragung müssen zukünftig jedoch wieder zügiger umgesetzt werden – auch wenn die Corona-Pandemie die eine oder andere Struktur etwas behindert. In diesem Jahr musste der Fachverband einige Einschränkungen in seiner Arbeit hinnehmen. Während die im Frühjahr terminierten Seminare noch alle stattfinden konnten, fiel Anfang März die Entscheidung, die Fachausstellung BeBoSa und auch die Jahreshauptversammlung abzusagen – ein Novum in der mehr als 35-jährigen Geschichte unseres Verbandes. Letztere konnte schließlich im Juni dieses Jahres unter Einhaltung strenger Hygieneregeln in kleinem Rahmen nachgeholt werden. Ein Höhepunkt war dabei die Unterzeichnung der "Charta für mehr Sicherheit auf dem Bau" der BG Bau. Damit erweitern wir das Bekenntnis unserer Branche zu höchsten Sicherheitsstandards und zur Vermeidung von Unfallrisiken. Aufgrund steigender Infektionszahlen im Herbst fanden auch die diesjährigen Regionaltreffen nicht statt. Als Alternative wählte der Fachverband mit einer virtuellen Online-Präsentation der geplanten Inhalte einen neuen Weg, die Mitglieder dennoch persönlich zu erreichen.

Rückblickend sind wir vergleichsweise gut durch dieses Jahr gekommen. Einen Blick in die Zukunft zu wagen, ist da etwas schwieriger. Ich habe durchaus die Erwartung, dass die Betonbohr- und -sägebranche im kommenden Jahr zumindest das Auftragsniveau halten wird. Vorbehaltlich natürlich, dass wir auch in den kommenden Monaten von Abstands- und Hygieneregeln weiterhin nur geringfügig ausgebremst werden. Und natürlich sehe ich mit den perspektivisch flächendeckend verfügbaren Impfstoffen eine Chance für einen weniger einschränkenden Umgang mit dem Coronavirus. So gehe ich auch davon aus, dass die BeBoSa 2021 stattfinden kann und wir in diesem Rahmen unsere Jahreshauptversammlung sicher veranstalten können. Wir arbeiten intensiv an der Umsetzung. Es gibt aktuell ein ausführliches Hygienekonzept, das im Vorfeld der Fachmesse noch einmal gemeinsam mit den Herstellern, dem Veranstalter und dem Organisator Patrick van Brienen geprüft und, sofern notwendig, angepasst wird.

Im Fachverband werden uns die Themen Arbeitssicherheit und qualifizierte Fachkräfte auch im kommenden Jahr beschäftigen, insbesondere blicken wir darauf, die "Charta für mehr Sicherheit auf dem Bau" bei den Entscheidungsträgern unserer Mitglieder zu verankern. So appelliere ich einmal mehr an alle Unternehmer und Fachbetriebe, dieses Instrument der Verhaltensprävention zu nutzen und zu leben: Unterzeichnen Sie gemeinsam mit Ihren Mitarbeitern die entsprechende betriebliche Erklärung! Denn ich kann es nicht oft genug erwähnen – unsere Mitarbeiter und deren Gesundheit sind unser höchstes Gut. Die gesamte Baubranche sucht nach Fachkräften, unsere Fachbetriebe natürlich auch. Hier sind Kreativität und Eigeninitiative gefragt. Wir brauchen qualifizierte Unternehmen, die ihre Mitarbeiter über Eigenqualifikationen weiterentwickeln. Im Frühjahr dieses Jahres haben die ersten Meister für Abbruch- und Betontrenntechnik ihre Ausbildung abgeschlossen.

Die nächste Meisterklasse ist bereits gesetzt. Das zeigt mir, dass zahlreiche Unternehmer den Nutzen erkennen, Leistungsfähigkeit und Qualität im Unternehmen zu sichern und zu erweitern. Der Fachverband unterstützt sie dabei mit seinen Weiterbildungsangeboten. Blicken wir also zuversichtlich nach vorn. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für unsere Branche stimmen weiterhin. Gestalten wir sie gemeinsam, auch unter den bisher noch geltenden Einschränkungen. In diesem Sinne wünsche ich allen Mitgliedern des Fachverbandes, Unternehmern und deren Mitarbeitern vor allem Gesundheit – sowie Geduld, Durchhaltevermögen und auch in schwierigen Zeiten kreative Kraft für wirtschaftlichen Erfolg.

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 01/2021.

Ausgewählte Unternehmen

Die Anbieterprofile sind ein Angebot von llvz.de
Anzeige

Weitere Artikel