Betonpflaster als Tausendsassa

Ökologische Alternative zu Asphalt

Das Betonpflastersystem Drainston protect wirkt als Schadstoffsperre und versickert zugleich Regenwasser über die Fugen.

Berlin (ABZ). – Gerade im Wasserschutzgebiet kann Betonpflaster anstelle von Asphalt nicht nur eine gestalterische, sondern auch ökologische Lösung sein – das zeigt das Beispiel eines Berliner Wohninnenhofs, der von dem Büro Dagmar Gast Landschaftsarchitekten gestaltet wurde. Ein hoch versiegelter Innenhof mit 13 Stellplätzen im Wasserschutzgebiet – diese Anforderungen ließen den Planern zunächst wenig gestalterischen Spielraum. Die Baugenehmigung sah einen dauerhaft wasserundurchlässigen Belag vor, zur Auswahl stand somit eine geschlossene Asphalt- oder Betondecke. "Gestalterisch unbefriedigend", so das Urteil von Dagmar Gast Landschaftsarchitekten, ein Planungsbüro mit Sitz in Berlin und Hamburg. 

Die Neubauten am Sterndamm in Berlin grenzen direkt an einen Denkmalbereich mit Ensembleschutz an und dienen ausschließlich dem Wohnen. Das viergeschossige Vorderhaus entlang der Straße beherbergt im Erdgeschoss eine Wohngemeinschaft für Demenzkranke und schirmt das dahinterliegende dreigeschossige Gartenhaus vom Straßenlärm ab. Die Hoffläche liegt geschützt dazwischen. Wenn schon große Flächen versiegelt sein müssen, sollte das Wohnumfeld ansprechend sein, und gestalterisch vermitteln zum direkt angrenzenden Denkmalensemble, so das Landschaftsarchitekturbüro. Auf der Suche nach einem anderen Oberflächenbelag, der zugleich die technischen Anforderungen meistert, wurden die Planer schließlich bei der Godelmann GmbH & Co. KG fündig. Der Betonsteinhersteller aus Fensterbach in Bayern entwickelte ein Drainfugensteinsystem, das zusätzlich Schadstoffe filtert, und daher auch im Wasserschutzgebiet zugelassen ist – das Pflastersystem "Drainston protect". 

Für den Innenhof am Sterndamm die ideale Wahl, so die Planer: Der Belag versickert Regenwasser über die Fugen und die integrierten horizontalen und vertikalen Öffnungen an den Steinflanken, den sogenannten Sickerkanälen. Zugleich wirkt die Schicht aus gefügedichtem Pflasterstein, Fugen- und Bettungsmaterial als Schadstoffsperre und hält Schmutz, Öle und Feinstaub zurück. Da das Niederschlagswasser somit geklärt ins Erdreich einsickert, unterstützt es die Grundwasserneubildung. Ein weiteres ökologisches Plus ist die klimaneutrale Herstellung des Pflastersteinsystems. Ein zentrales Anliegen für Godelmann – das familiengeführte Unternehmen produziert seine Betonwaren ausschließlich klimaneutral und erstellt dafür jährlich eine Treibhausgasbilanz (Corporate Carbon Footprint). Am Sterndamm konnten die Planer durch ihre Belagswahl den Anschluss an das öffentliche Kanalnetz vermeiden, samt den teuren Gebühren für das Ableiten des Regenwassers. Einzig die Dachflächen sind an den öffentlichen Sammler angeschlossen – Terrassenflächen, Spielplatz und Baumersatzflächen ließen keinen Raum mehr, um das Dachwasser über eine belebte Bodenzone zu versickern.

Die Denkmalbehörde machte im Freiraum keine Vorgaben, nur für die Fassaden und Dächer. Dennoch wollten die Landschaftsarchitekten das Thema in den Oberflächen aufgreifen, und die Belagswahl nicht nur technisch, sondern auch gestalterisch optimieren. Die Farbpalette von Drainston ist groß, die Wahl fiel schließlich auf das maschinell gealterte "antikplus Grau-Schwarz nuanciert", das mit seinen gerumpelten Kanten stimmig auf die denkmalwürdige Nachbarschaft eingeht.

Glücklicherweise unterstützte der Bauherr die gestalterische und technische Intention der Planer und erkannte den Mehrwert in dem ausgereiften Betonpflastersystem. "Der Änderungsantrag bei der Genehmigungsbehörde war absolut unkompliziert", so die Planer, da für sämtliche Pflastersysteme der Linie Ecosave protect von Godelmann eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung vorliegt, so auch für Drainston protect. Die Bauartzulassung des Deutschen Instituts für Bautechnik (DIBt-Siegel) sorgt für ein vereinfachtes Genehmigungsverfahren und gewährleistet Sicherheit bei der Planung, Ausschreibung, Erstellung und Wartung. Letztere ist bei dem ausgewählten Drainfugensteinbelag nicht aufwendig – es reicht, etwa alle zehn Jahre die Fläche mit einer mobilen Spül-Saug-Einheit zu säubern. Dies regeneriert die Oberfläche und erhält die Filtereigenschaften.

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Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 11/2017.

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