Bewährungsprobe bestanden

Rückbau so präzise wie mit einer Pinzette

Der Ausleger wurde um 3 m verlängert, um mehr Reichweite zu erzielen.

Salzburg/Österreich (ABZ). – Ein Cat 336FLN nagt am altehrwürdigen Paracelsusbad in Salzburg. Es muss Platz machen für einen Neubau, der 2019 fertig sein soll und zusammen mit einem neuen Sauna- und Spa-Bereich nach Plänen des Architekturbüros Berger+Parkkinen entsteht. Mit einem Investitionsvolumen von insgesamt rund 59,5 Mio. Euro ist es das größte Einzel-Bauvorhaben, das die Stadt Salzburg in diesem Jahrzehnt anpackt. Knapp 60 Jahre lang waren Hallenbad und Sauna in Betrieb. Schwimmer konnten im 25 m langen Sportbecken ihre Bahnen ziehen oder sich im Strömungskanal treiben lassen, Badegäste in der Sauna, unter Massagedüsen oder Schwallduschen und Wasserspeier relaxen, und Kinder sich im Plansch- und Erlebnisbecken sowie auf der Rutsche austoben. 2016 wurde das Wasser in den Becken abgepumpt und sämtliche Flüssigkeiten entsorgt. Bad und Saunatechnik wurden entfernt und "Kunst am Bau" abmontiert. Das Inventar wie Garderobenschränke oder Sitzmöglichkeiten wurden versteigert. Vier Wochen lang nahmen alleine die Vorarbeiten in Beschlag. 

Mit der Entkernung wurde der Rückbau des Zwischentrakts und der großen Schwimmhalle eingeläutet. Den Anfang machte das Dach, das von dem Bagger abgetrennt und in seine Bestandteile zerlegt wurde. Dann ging es sukzessive weiter an die Außenmauern. Die angrenzenden Gebäude wurden per Schnitt voneinander getrennt. Der Rückbau erfolgte bis zu den beiden Untergeschossen, die samt Fundamenten ausgebaut werden müssen. Abzutragen ist eine Bausubstanz von rund 50 000 m³ umbautem Raum. Vor allem Beton und Stahl fallen an, aber auch Altholz und Mauerwerk. Diese werden vor Ort sortiert und dann zu einer unternehmenseigenen Recyclinganlage vor den Toren Salzburgs gebracht. Markenzeichen der eingesetzten Baumaschine: ihr gestreckter Ausleger.  

Baggerfahrer Erwin Eberhartinger: "Man kann mit dem Bagger sensibel wie mit einer Pinzette arbeiten, wenn man den Ziegelbruch aus dem Gebäude nach unten zieht."

Damit will die Firmengruppe Moosleitner neue Wege im Abbruch beschreiten. Eine erste Bewährungsprobe stand dem Bagger beim Rückbau des 17 m hohen Hallenbades bevor. Das Unternehmen ließ den Ausleger von der Zeppelin Niederlassung München und der Customizingabteilung um drei auf 15 m verlängern, um mehr Reichweite zu erzielen. "Wir wollen damit flexibel sein und auch höhere Gebäude anpacken. Gerade in Innenstädten haben wir immer wieder zwei Maschinen einsetzen müssen. Doch nun wollen wir uns bei manchen Projekten den Longfrontbagger sparen", so Unternehmer Matthias Moosleitner, der selbst die Idee hatte, den Ausleger auf eine höhere Reichweite auszurichten und damit auf Gebietsverkaufsleiter Alexander Mayer von der Zeppelin Niederlassung München zukam.

"So einen umgebauten Ausleger habe ich bei einem kleineren Gerät gesehen. Da dachte ich mir: Was im Kleinen möglich ist, muss auch im Großen funktionieren", meint der Firmeninhaber. Im Fall seines Cat 336FLN können nun Gebäude in bis zu 16 m Höhe erreicht werden. "Der neue Bagger ist unglaublich feinfühlig. Man kann damit wie mit einer Pinzette arbeiten, wenn man Ziegelbruch aus dem Gebäude nach unten zieht", so Fahrer Erwin Eberhartinger, seit 22 Jahren Maschinist im Unternehmen. Um ihm den ständigen Wechsel der Anbaugeräte zu erleichtern, wurde ein Oilquick-Schnellwechsler OQ80 angebracht, damit er schnell und ohne großen Zeitverlust Greifer, Zange und Hammer tauschen kann. Ein schonender Umgang ist bei den Arbeiten zwingend Grundvoraussetzung – direkt nebenan befindet sich das Fünf- Sterne-Hotel Sheraton Grand Salzburg mit 166 Zimmern und Suiten.

Dessen Gäste sollen von dem Abbruch, der tagsüber vonstattengeht, so wenig wie möglich gestört oder gar eingeschränkt werden bei ihrem Aufenthalt. "Wir versuchen, Erschütterungen so gut es geht zu vermeiden und behutsam vorzugehen, sofern es eben bei einem Abbruch möglich ist", so Matthias Moosleitner. Das heißt: Den Einsatz eines Hammers will er beschränken und stattdessen mit Sortiergreifern und Zangen arbeiten. Zur Staubbindung werden Nebelkanonen eingesetzt. Das angrenzende Kurhaus wird noch bis zum Neubau des Bads aufrechterhalten. Auch darauf muss die Abbruchfirma Rücksicht nehmen. Denn der Betrieb im Kurhaus samt Ärztezentrum soll uneingeschränkt weitergehen. Hier wurde ein neuer, barrierefreier Zugang geschaffen. Darüber hinaus musste der Baumbestand mittels Matten beschützt werden. Bagger und Lieferverkehr sollten nirgends anecken. Das Unternehmen arbeitet derzeit gleichzeitig an fünf Abbrüchen in und um Salzburg. "Manchmal haben wir es auch mit Gebäuden zu tun, die nicht einen ganz so schweren Bagger wie den 336 verlangen. Vielleicht wäre ein Cat 330 mit geradem Ausleger noch eine gute Ergänzung", ist eine Überlegung des Geschäftsführers.

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