BG Bau

Nachwuchs für Hautkrebsprävention sensibilisiert

Von Jan Westphal

Prof. Frank Werner, stellvertretender Hauptabteilungsleiter Prävention bei der BG Bau, im Gespräch mit Thomas Weerts (r.) Fachkraft für Arbeitssicherheit der Bau-ABC Rostrup.

Bad Zwischenahn – Azubi Iwan Kheder (20) wurde nachdenklich, als Arbeitsmediziner Dr. Frank Hüttmann ihm am PC verdeutlichte, welche fatalen Auswirkungen das ungeschützte Arbeiten unter praller Sonne haben kann. "Bezogen auf ihre Haut zählen Sie zu den mediterranen Typen, Hauttyp 4 also, da beginnt frühestens nach 40 Minuten die Haut sich zu röten. Das A und O ist körperbedeckende Arbeitskleidung. Wo das nicht geht, etwa am Gesicht, muss UV-Schutzcreme mit einem Lichtschutzfaktor von mindestens 30 helfen. Denn zu viel Sonne schadet und kann sogar Krebs auslösen". Durch ultraviolette (UV) Strahlung verursachte Hauttumore war 2016 die am häufigsten angezeigte Berufskrankheit in der Baubranche. Darüber informierte die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG Bau) im Bau-ABC Rostrup in Bad Zwischenahn. Die Pilotveranstaltung "Rette Deine Haut" ist ein Höhepunkt des Präventionsprogramms "Bau auf Sicherheit, Bau auf Dich" der BG Bau. Das Bildungs- und Tagungszentrum der Bauwirtschaft (Bau-ABC) war Partner dieser Sicherheitsveranstaltung. Hier lernen Azubis aus dem Großraum Oldenburg und Bremen und vertiefen ihre Kenntnisse, was in den Lehrbetrieben nicht immer so intensiv und praxisnah möglich ist.

Bei der Bau-ABC absolviert auch Iwan Kheder, Mitarbeiter des mittelständischen Bauunternehmens Johann Schröder & Sohn aus Oldenburg, einen beträchtlichen Teil seiner Berufsausbildung zum Tiefbaufacharbeiter. Mit 127 weiteren Auszubildenden informierte er sich am Aktionstag zum Thema "Rette Deine Haut", das an vier Infoständen vertieft wurde. Da erlebte mancher einen "Aha-Effekt". Der 20-Jährige ließ den Pigmentgehalt seiner Haut messen und erhielt auf Basis dieser Messungen Hinweise, wie lange er sich ungeschützt in der Sonne aufhalten könnte. Eine UV-Kamera machte unsichtbare Sommersprossen oder Pigmentflecken sichtbar und verdeutlichte ihm und seinen Kollegen die Wirkung der Sonne auf die Haut. In einem zweiten Schritt zeigten Kamerabilder, was Sonnenschutzmittel auf der Haut bewirken und wie sie schützen. Außerdem erfuhren die Teilnehmer die Anforderungen an Lichtschutzpräparate bei längerer Arbeit im Freien. An einem weiteren Infostand gab Dr. Claudia Waldinger von der BG Bau wertvolle Tipps, welche Art Berufskleidung gut schützt. Sie hatte entsprechende Muster dabei und auch Schutzhelme mit integriertem Nackenschutz konnten die Azubis ausprobieren. In der Diskussion konnte sie manches Vorurteil entkräften und zum Nachdenken anregen.

"Mit dem Aktionstag wollen wir das Bewusstsein für Gefahren sensibilisieren und notwendige Schutzmaßnahmen fördern", sagte Professor Frank Werner, stellvertretender Leiter der Hauptabteilung Prävention der BG Bau, gegenüber der Presse. Thomas Weerts, erfahrener Lehrwerkmeister und Leiter Arbeitssicherheit bei der Bau-ABC, kennt aus der täglichen Praxis die Einstellung vieler junger Leute. Leider praktizierten manche einen Körperkult, der viele negative Seiten habe, stellte er fest. "Den gebräunten Oberkörper zu zeigen ist in und viele denken nicht weiter nach." Doch hier im Ausbildungszentrum seien keine kurzen Hosen erlaubt und oben ohne werde selbst im Hochsommer nicht gearbeitet. Stattdessen schärfe man tagtäglich das Risikobewusstsein des Bau-Nachwuchses. Deutschlandweit erkranken laut Stiftung Deutsche Krebshilfe jährlich rund 90 000 Menschen an Hautkrebs. In der Bauwirtschaft sind besonders Straßenbauer und Dachdecker betroffen. Allein im Jahr 2016 wurden der BG Bau fast 2700 neue Verdachtsanzeigen der Berufskrankheit "weißer Hautkrebs" gemeldet. Laut vieler Studien fehle bei den Beschäftigten oft das Bewusstsein für die Gefährdung. Deshalb ist der Aktionstag Teil des Präventionsprogramms "Bau auf Sicherheit. Bau auf dich" der BG Bau. Ziel des Programms sei es, die Beschäftigten der Bauwirtschaft und im Bereich Bau-naher Dienstleistungen insgesamt stärker für die Belange des Arbeitsschutzes zu sensibilisieren.

"Der Arbeitsschutz soll als Selbstverständnis im alltäglichen Handeln etabliert werden", betonte Professor Frank Werner. Auf dem individuellen Verhalten der Beschäftigten liege der Fokus des Programms. Und die Aufklärung über die Folgen solarer UV-Strahlung sollte aus Sicht der BG Bau so früh wie möglich und schon beim Branchennachwuchs beginnen. Das Gefahrenbewusstsein sei ein wichtiger Aspekt. Gleichwohl stünden die Arbeitgeber in der Pflicht, die aktuellen Gefährdungen zu beurteilen und bei Bedarf technische, organisatorische und persönliche Schutzmaßnahmen für die Beschäftigten festzulegen und umzusetzen.

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