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BIG 5 Dubai

Deutsche Unternehmen stellen viertgrößtes Firmenkontingent

Von Christian Brensing

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Die großen baulichen Themen in Dubai, neben den die Schlagzeilen immer wieder dominierenden Prestigeobjekten, sind der bezahlbare Wohnungsbau, der beständige Ausbau der Infrastruktur, inklusive Massentransportsysteme, und einen alle Baumaßnahmen durchdringenden Willen zur Nachhaltigkeit.

Dubai/VAE. – Die BIG 5 Dubai mit den angeschlossenen Messen Middle East Concrete und PMV Live (Plant, Machinery and Vehicles) hat sich in ihrer 37-jährigen Geschichte als die größte und wichtigste Baumesse im Mittleren Osten und Nordafrika etabliert. Im November vergangenen Jahres stellte sie erneut an vier Messetagen ihre Klasse unter Beweis: 2586 Aussteller aus 142 Ländern und über 75 000 Besucher tummelten sich auf dem Gelände des Dubai World Trade Centre. Josine Heijmans, Eventdirektorin der BIG 5, erläuterte die Begleitumstände für die stetige Entwicklung: Einerseits betrage das jährliche Wachstum des VAE Baumarkts 6,6 % (bei 2,6 % Wirtschaftswachstum), die Bevölkerung Dubais soll bis 2020 auf 3,4 Mio. anwachsen, die Zahl der Touristen pro Jahr die 20 Millionen-Marke erreichen und andererseits benötige der ambitionierte Plan, Dubai bis zum Jahr 2021 in eine "Smart & Sustainable City" zu verwandeln, entsprechende Investitionen in Infrastruktur und Hochbau.

Deutsche Firmen waren, wie in den Jahren zuvor, gut repräsentiert. Sie stellten mit 175 Ausstellern hinter China, Türkei und Italien das viertgrößte Firmenkontingent dar. Deutsche Firmen und deren Produkte sind in der Region gern gesehen. In den weitläufigen Messehallen bildeten sie fast immer ein Cluster unter dem gut sichtbaren Banner "Made in Germany". Einzelne Bundesländer wie z. B. Hessen, Bayern, Sachsen und Baden-Württemberg nutzen zudem die Möglichkeit, vereint unter ihrem Landeswappen aufzutreten. Der Markt für Bauprodukte und Dienstleistungen liegt direkt vor der Tür. Die Metropolen der Golfregion Dubai, Abu-Dhabi oder Katar gehören zu den wirtschaftlich wie auch politisch stabilen VAE Staaten (Vereinigte Arabische Emirate). Sie stellen in der direkten Nachbarschaft zu Saudi Arabien, dem Iran und manch anderen krisengeschüttelten Ländern eine Insel der Prosperität dar, ohne dabei in Glaubens- oder gar kriegerischen Konflikten verstrickt zu sein. Diese Sicherheit und Stabilität honoriert die Wirtschaft mit entsprechendem Wachstum.

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In den weitläufigen Messehallen bildeten deutsche Firmen fast immer ein Cluster unter dem gut sichtbaren Banner "Made in Germany".

Allerdings waren die Meinungen und Beurteilungen der Messeteilnehmer über die BIG 5 und die wirtschaftliche Entwicklung im Mittleren Osten, einschließlich dem Iran und Nordafrika, nicht mehr ganz so ungetrübt wie noch im vergangenen Jahr. Der positiven Konjunktur in den VAE Staaten standen einzelne kritische Stimmen entgegen, die individuelle Missstände in den angrenzenden Ländern benannten. Generell bekundeten die Aussteller jedoch ihre eindeutige Loyalität zur Region und der BIG 5 in Dubai, die in der Saudi Build oder der Project Qatar keine ernstzunehmende Alternative hat. Alleine die erstmalige terminliche Überlappung mit der bauma China in Shanghai stellt für die Zukunft eine gewisse Konkurrenz dar.

Deutsche Firmen zeigten erneut verstärkt Flagge auf der BIG 5. Einen der größten Stände hatte der Anlagenbauer für die Baustoffindustrie Masa, der seit 30 Jahren auf der BIG 5 vertreten ist. Frank Reschke, Masa Gesamtvertriebsleiter, gab sich mit drei neuen Anlagen für die Baustoffindustrie, die sich derzeit in den VAE im Bau befinden, betont optimistisch. Wie die langjährigen Erfahrungen zeigen, sind Anlagen von Billig-anbietern für die Kunden keine Alternative. Sie stellen für die Auftraggeber eher ein existentielles Risiko von nicht zu ermessender Größe dar. Eine starke Präsenz vor Ort hat seit 2001 auch die Firma Liebherr. Ali Kassem, der regionale Verkaufsdirektor, ist sich über die Herausforderungen des Marktes durchaus bewusst. Dennoch sieht er gute Absatzchancen z. B. für die 50 m Betonpumpe, die Liebherr 2016 erstmalig im Mittleren Osten präsentierte.

Die großen baulichen Themen, neben den die Schlagzeilen immer wieder dominierenden Prestigeobjekten, sind der bezahlbare Wohnungsbau, der beständige Ausbau der Infrastruktur, inklusive Massentransportsysteme, und einen alle Baumaßnahmen durchdringenden Willen zur Nachhaltigkeit. Mit anderen Worten, statt leerstehenden Spekulationsobjekten sollen belebte Wohnquartiere für Normalverdiener entstehen. Diese sind für eine ausgewogene wirtschaftliche Entwicklung langfristig bedeutender als manch exklusive Shopping-Mall, an denen schon jetzt kein Mangel herrscht. Wohnungsbauprojekte, die diesen Ethos reflektieren, errichtet z. B. die multinationale MAG Gruppe. Der erste von drei Bauabschnitten einer Wohnanlage mit 13 Wohnblöcken soll 2018 übergeben werden, die Preise liegen zwischen 142 000 Dollar für eine Einraumwohnung und 403 000 Dollar für eine Dreizimmerwohnung mit Garten. Das Käufersegment wird den etwas weniger betuchten Bevölkerungsteilen aus z. B. Indien, Pakistan oder gar Großbritanniens zugerechnet. Viele Menschen aus diesen Ländern leben in den Golfstaaten und beziehen ein monatliches Einkommen zwischen 1089 und 3267 Dollar. Ziel des Bauträgers ist die Schaffung eines bewohnten Stadtteils ohne leerstehende Spekulationsobjekte, mit einer finanziell und sozial durchmischten Bevölkerung, die zu Fuß (!) in dem Quartier unterwegs ist.

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Die BIG 5 Dubai hat sich in ihrer 37-jährigen Geschichte als die größte und wichtigste Baumesse im Mittleren Osten und Nordafrika etabliert.

Ein weiteres Beispiel aus dem Sektor der erschwinglichen Wohnungsbauprojekte ist die Sustainable City der örtlichen Projektentwickler Diamond Deve-lopers. Auf einem 46 ha großen Wüstenstück entsteht eine Wohnanlage für ca. 2700 Bewohner mit 500 Townhouses, Courtyard Villas und weiteren Gemeinschaftsbauten, z. B. einer Schule, Moschee oder Supermarkt. Das Ziel ist eine weitestgehend CO2-autarke Kolonie zu errichten, die mit Hilfe einer traditionell engen Bebauung und moderner Solarenergie energieeffizient wirtschaftet. Zwischen den engbebauten fünf Clustern aus 16 Villen, jede 300-380 m² groß, werden die Gassen mit Sonnensegeln überspannt und mit den für die Region typischen Windtürmen ausgestattet. Die klimatischen Bedingungen in der Wüste Dubais sind mit sommerlichen Tagestemperaturen von maximal 40 bis 50 °C extrem. Die architektonischen Entwürfe des Quartiers stammen von den Architekten Modular Design Consultants aus Dubai. Statt stilistischer Opulenz herrscht eine betonte Sachlichkeit. Alle Fenster sind konsequent nach Norden ausgerichtet und die Flachdächer bzw. Terrassen mit Solarkollektoren zur Warmwasseraufbereitung und Solarpaneelen zur Versorgung mit elektrischem Strom versehen bzw. verschattet. Jedes Townhouse der Sustainable City soll im Vergleich zu einem konventionellen Eigenheim in der Region (170 kWh/m² jährlich) mit nur 80 kWh/m² im Jahr auskommen. Solche Bau- und Wohnformen sind jedoch die Speerspitze von Entwicklungen, deren Erfolg oder Misserfolg erst in einigen Jahren erkennbar sein wird.

Ansonsten sind die Zukunftsaussichten für die VAE gut und das nicht nur, weil die Dekade in der Expo 2020 kulminiert. Inmitten der Wüste, zwischen Dubai und Abu Dhabi, neben dem zukünftigen größten Flughafen der Welt, dem Dubai Al Maktoum International Airport, wird z. Zt. das Baufeld für die erste Expo in einem arabischen Land vorbereitet. Unter dem Motto "Connecting Minds, Creating the Future" wurden die damit verbundenen Pläne und Projekte von dem Senior Vice President der Expo 2020, Najeeb Mohammed Al Ali, persönlich auf dem "Excellence in Construction Summit" der BIG 5 vorgestellt. Diese Art von ungebremstem Fortschrittsglauben ist uns in der westlichen Welt inzwischen abhandengekommen. Es wundert daher nicht, dass die Expo 2020 über die VAE hinaus der Fixstern für weiteres Wirtschaftswachstum und Prosperität ist. Sich daran zu orientieren, täte auch deutschen Firmen gut, die BIG 5 Dubai ist auf diesem Kurs eine alljährliche verlässliche Wegmarke.

Der Autor ist Fachjournalist und Unternehmensberater aus Berlin/London.

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