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Bis zu 4500 Kubikmeter Masse am Tag

Dieselelektrische Raupe gibt den Ton an

Caterpillar, Erdbau und Grundbau, Zeppelin, Gewinnung und Recycling

Raupenfahrer Tommi Wörner darf nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig mit dem Schild abschieben.

LIMBURG AN DER LAHN (ABZ). - In der Tongrube Meudt im Westerwald geht es hart zur Sache: Um den kontinuierlichen Materialfluss und den flächigen Einbau der Westerwälder Erde zu beherrschen, ist eine konstant hohe Schubleistung nötig. Seit August baut hier die neue Cat Raupe D7E den Abraum aus der Tonfreilegung ein – rund 3500 bis 4500 m³ träge Masse stehen täglich an.

Die Bauunternehmung Albert Weil AG führt mit ihren Baumaschinen die Abraumarbeiten in der Tongrube Meudt für die Stephan-Schmidt-Gruppe aus. Der Umgang mit den lehmigen Massen verlangt nach Geräten, die Leistung aufbringen müssen. Trotzdem steht der Baumaschineneinsatz in dem Bauunternehmen aus Limburg an der Lahn ganz unter der Prämisse, Kraftstoff einzusparen. Dank dem dieselelektrischen Antrieb der Schubraupe gelingt es, beides unter einen Hut zu bringen.

Das Grundprinzip, das hinter dem Antriebskonzept steckt: Der Cat Acert-Dieselmotor C9.3, der im Drehzahlbereich von 1800 U/min läuft, treibt einen 400-V-Wechselstrom-Generator an. Dieser liefert dann Energie für den Antrieb der Elektromotoren. Bei Lastzunahme wird lediglich mehr Kraftstoff in den Dieselmotor eingespritzt, um die Drehzahl für den Generator konstant zu halten. Die erzeugte Elektroenergie wird in einen Frequenzumformer geleitet, der die bürstenlosen Drehstrommotoren in jeder Betriebssituation mit Energie versorgt. Die elektrische Motorleistung wird in eine gleichmäßige Schubleistung umgewandelt. Gerade beim Anfahren aus dem Stand, wenn der Dozer die größte Kraft benötigt, erzeugt der frequenzgeregelte Drehstrommotor ein hohes Anfahrmoment.

"Sofort steht die volle Schubkraft zur Verfügung und die Leistung kann abgerufen werden", bestätigt der Raupenfahrer Tommi Wörner. Er muss keine Gänge mehr schalten oder die Motordrehzahl regulieren, denn die Geschwindigkeit wird stufenlos geregelt, sodass die Raupe mit konstanter Drehzahl im gerade relevanten Drehzahlbereich fährt. Muss Tommi Wörner mit der Raupe enge Kurven fahren oder drehen, erleichtert ihm die Differenziallenkung das Manövrieren der Maschine, denn stets liegt an beiden Ketten Schub an. Laut Herstellerangaben sollen mit der Raupe 20 % weniger Dieselverbrauch bei 25 % mehr Materialumsatz pro Liter erzielt werden. "Noch ist es zu früh, ein Fazit zum Spritverbrauch zu ziehen, da die Baumaschine erst knapp 220 Betriebsstunden absolviert hat. Doch es sind erste Tendenzen erkennbar, dass die Richtung stimmt", darauf verweist Klaus Rohletter, Vorstandsvorsitzender der Bauunternehmung Albert Weil AG. Entsprechend groß sind die Erwartungen, dass diese auch erfüllt werden.

Das Unternehmen setzt auf Innovationen, um so auf den immer stärker werdenden Wettbewerbsdruck zu reagieren. "Wir brauchen kein Produkt von der Stange, sondern suchen in unseren Baumaschinenlieferanten und Herstellern Partner, die sich mit uns weiterentwickeln", ergänzt er. Alle Baumaschineneinsätze sind auf niedrige Betriebskosten und höchste Betriebsbereitschaft ausgerichtet – das waren auch die ausschlaggebenden Punkte, in den neuen Cat Dozer bei der Zeppelin Niederlassung Koblenz zu investieren. Um einen ersten Eindruck von der Leistungsstärke zu bekommen, hat Zeppelin Verkäufer Andreas Weber eine vergleichbare Cat-Schubraupe vorgeführt. So konnte das Bauunternehmen prüfen, ob die Baumaschine ihrer zukünftigen Aufgabe auch wirklich gewachsen ist. Der Abraum tritt in der Tongrube Meudt mit einer Mächtigkeit von 20 bis 50 cm Schichtstärke zutage. Für die Abraumarbeiten bewegt sich die Raupe auf den oberen Sohlen der Grube. Den Ton gewinnt die Stephan-Schmidt-Gruppe selbst und zwar derzeit bis in einer Tiefe von 75 m. Doch erst muss Tommi Wörner diesen mit der Raupe freigelegen. Dabei führt der seit vielen Jahren erfahrene Dozerfahrer die Regie: Der Abraum wird mittels Bagger auf Dumper verladen und dann zur 1,2 km entfernten Kippe transportiert. Dort kommt die D7E ins Spiel, die das gekippte Material flächig verteilt und einbaut.

Vom Rohstoff ausgebeutete Bereiche werden später wieder im Zuge des Rahmenbetriebsplans mit Abraum und zugelassenen Fremdmassen verfüllt. Der Abraum wird von einer Kolonne, bestehend aus erfahrenen Baumaschinisten, also einem Bagger- und Raupenfahrer sowie – je nach Transportentfernung – mehreren Dumperfahrern bewältigt. Weil unterschiedliche Tonsorten und verschiedene Rohstoff-Qualitäten auftreten, muss sich jeder Maschinist mit den Gegebenheiten des Abbaus auskennen. Dabei erschöpft sich die Abraumbeseitigung nicht allein im Umsetzen von Massen – gleichzeitig gilt es, Störungen bei der Rohstoffgewinnung zu vermeiden sowie Vorschriften des Bergbaus und umweltrechtliche Auflagen zu beachten. Eine Schlüsselrolle hat dabei der Raupenfahrer. Er darf nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig mit dem Schild, das eine Kapazität von rund 6 m³ aufweist und mit Eckmessern sowie Überlaufblechen von Zeppelin ausgerüstet wurde, abschieben. Das erfordert langjährige Erfahrung. "Mit dem Lauf der Jahre haben sich unsere Mitarbeiter umfassende Erkenntnisse angeeignet. Im täglichen Zusammenwirken mit den Verantwortlichen des Auftraggebers, wissen die Fachleute, wie die Arbeitsprozesse in der Grube organisiert sind und haben Kenntnis und Gefühl für das Material und dessen Eigenschaften entwickelt, wie es sich etwa beim Abbau und dann beim Einbau verhält.

Wichtig ist das Verständnis, welche Erdmassen an welcher Stelle und mit welchen Verfahren eingebaut und auch mit entsprechenden Walzen verdichtet werden müssen. Aufgrund des Preisdrucks sollte das Material möglichst nur einmal angepackt werden, um so die Kosten so gering wie möglich zu halten", meint Markus Bräunche, als Oberbauleiter verantwortlich für den schweren Erdbau. Die Bauunternehmung Albert Weil AG arbeitet für verschiedene Kunden und deren Tongewinnungsbetriebe im Westerwald. Baumaschinenfahrer wie Tommi Wörner lernen die Grube wie in Meudt von Grund auf kennen. Erst beginnen sie, das Material mit Dumpern zu transportieren und "erfahren" so die Abbaustätte. Wer dann Routine hat und sich mehr zutraut, bekommt die Möglichkeit, andere Geräte wie eben Raupen zu steuern. Dabei kommt auf den D7E-Fahrer Tommi Wörner aufgrund der schwierigen Bodenverhältnisse noch eine Zusatzaufgabe zu: die Wege für die anderen Baumaschinen in Schuss zu halten und sich um den Wegebau zu kümmern. "Er muss sich zwischendurch immer wieder genügend Zeit für diese Arbeit einteilen und Rücksicht auf die anderen Maschinisten nehmen", erklärt Klaus Rohletter. Das Unternehmen erwartet, dass sich die Mitarbeiter in die Abläufe reinversetzen können, um so auf die Bedürfnisse ihres Kunden eingehen zu können.

Zwar wird jede Grube vor Beginn der Abbautätigkeit mittels Bohrungen erschlossen. Doch letztlich gibt es aufgrund der Ausmaße der Abbaustätte immer noch den Faktor X – auf welche Erdschichten man stößt, ist daher oft auch eine Überraschung. "Es kommt hier sehr auf teamorientiertes Führen und den Dialog an. Unsere Mitarbeiter kommunizieren untereinander und halten immer Rücksprache mit unserem Kunden. Schließlich müssen sie auf etliche Randbedingungen wie die Wasserhaltung in der Grube Rücksicht nehmen. Doch sie werden auch vom Unternehmen Stephan Schmidt KG und von dessen Verantwortlichen gut geführt", so Klaus Rohletter. Der Raupeneinsatz erfolgt exakt gemäß Rahmenbetriebsplan. Er steht und fällt aber auch mit der Witterung. Regen zwingt zum sofortigen Pausieren. Denn dann geht erst einmal nichts mehr – der Untergrund ist unpassierbar für die Baumaschinen, die dann absaufen würden. Genauso macht sich eine längere Trockenphase bemerkbar. "Dann geht alles etwas leichter von der Hand", stellt der Raupenfahrer Tommi Wörner fest. Was ihm dabei entgegenkommt, ist das mit der Abkürzung LGP (low ground pressure) bezeichnete Moorlaufwerk mit besonders breiter Spur, über das sein Arbeitsgerät verfügt. Es geht auf den früheren technischen Vorstand, Arnold Dietrich zurück, der mit viel Akribie am passenden Equipment gefeilt hat. Das lange Laufwerk mit breiter Spurt hat sich bewährt, wenn die Baumaschine Material zusammenschieben und den Abraum beseitigen muss und bei wenig tragfähigen Böden nur einen geringen Bodendruck aufbringen darf.

Abraum- und schwere Erdarbeiten sind beileibe nicht das einzige Betätigungsfeld der Bauunternehmung Albert Weil AG. Das mittelständische Bauunternehmen, 1948 von Herrn Albert Weil mit seiner Frau Elisabeth gegründet, verwirklicht heute mit seinen insgesamt rund 300 Mitarbeitern auch Objekte im Hochbau und übernimmt Straßen- und Kanalbauarbeiten genauso wie schlüsselfertige Objekte. Dabei werden in Summe rund 60 Mio. Euro Bauleistungen im regionalen Umfeld jährlich realisiert. Der Aktionsradius, in dem der Betrieb tätig ist, beträgt in der Regel rund 100 km um den Firmensitz Limburg an der Lahn. "Wir ziehen unsere Grenzen aber auch im Einzelfall weiter. Speziell bei Tätigkeiten, die den schweren Erdbau umfassen", so Klaus Rohletter.

Christof Haas, der Schwiegersohn des Firmengründers, hatte den Mut, in das Segment Abraumarbeiten 1967 einzusteigen. 1971 wurde dieser Geschäftszweig mit einer Reihe von Investitionen ausgebaut. Es wurde auf Großgeräte umgestellt. Mit der Folge, dass neue Prozesse und wirtschaftliche Abläufe im Unternehmen Einzug hielten. Seitdem werden sämtliche Dienstleistungen rund um das Lösen, Laden, Fördern, Einbauen und Verdichten von Erde für Kunden, die Rohstoffe gewinnen, erbracht, wie für die Unternehmen Stephan Schmidt, A. J. Müller, Goerg & Schneider, Schaefer Kalk oder Sibelco und andere. Dazu gehören alle Arbeiten, bei denen Boden in seiner Lage, Lagerungsbeschaffenheit und/oder Form verändert wird, angefangen vom Bodenabtrag der Geländeregulierung, über Verfüllungen und Aufschüttungen jeglicher Art bis hin zu Aushub und Verdichtung. In Summe werden mittlerweile jährlich bis zu vier Millionen Kubikmeter Erde bewegt. "Die Kundenbeziehung basiert auf der täglich hohen Qualität der Arbeit unserer Mitarbeiter. Eine solche Beziehung fußt auf Vertrauen – das alles ist aber kein Ruhekissen, sondern muss immer wieder neu unter Beweis gestellt werden", hebt Klaus Rohletter hervor.

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